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Russland verzeichnet hohe Verluste im Ukraine-Krieg. Neue Daten zeigen einen drastischen Anstieg. Die tatsächlichen Zahlen könnten noch höher sein.

Moskau – Russland leidet unter enorm hohen Verlusten im Ukraine-Krieg. Neue Daten legen jetzt nahe, dass die Opferzahlen in den vergangenen zehn Monaten noch einmal drastisch gestiegen sind – und zwar schneller als zu jedem anderen Zeitpunkt seit Beginn der Invasion im Februar 2022. Mit Verlusten sind stets getötete oder schwer verwundete Soldaten gemeint.

Ein Denkmal mit dem Titel „Den Verteidigern des Vaterlandes“, das einen Soldaten vor den Buchstaben Z und V – den taktischen Abzeichen russischer Truppen im Ukraine-Einsatz – zeigt, steht auf der „Allee des Ruhms“ auf einem riesigen Soldatenfriedhof in Kostroma.Die russischen Verluste im Ukraine-Krieg sind hoch. Ein Denkmal auf der „Allee des Ruhms“ auf einem riesigen Soldatenfriedhof in Kostroma trägt den Titel „Den Verteidigern des Vaterlandes.“ © Andrey Borodulin/AFP

Die Zahlen zu toten und verletzten Soldaten gelten als wichtige Größe im Informationskrieg. Wie hoch die russischen Verluste im Ukraine-Krieg tatsächlich sind, ist offen. Die Daten sind ein streng gehütetes Militärgeheimnis. Allerdings tragen der russischsprachige Dienst der BBC und das unabhängige russische Nachrichtenportal Mediazona seit Beginn des Krieges detaillierte Zahlen zu den russischen Opfern zusammen.

Verluste von Russland im Ukraine-Krieg: Fast 160.000 tote Soldaten verifiziert

Bisher konnten der BBC-Analyse zufolge fast 160.000 gefallene russische Soldaten mit Namen verifiziert werden. Diese Zahlen basieren auf frei verfügbaren Quellen. Dazu gehören Beiträge von Angehörigen in sozialen Netzwerken, regionale Medienberichte und offizielle Bekanntmachungen örtlicher Verwaltungen.

Der britische Sender betonte zudem, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher sein dürften: „Fachleute, die wir befragt haben, gehen davon aus, dass unsere Analyse russischer Friedhöfe, Kriegsdenkmäler und Nachrufe zwischen 45 und 65 Prozent der tatsächlichen Opferzahl ausmacht.“ Das würde die Zahl der russischen Todesopfer auf 243.000 bis 352.000 beziffern.

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Das Jahr 2025 beginnt im Januar mit einer vergleichsweise geringen Anzahl veröffentlichter Nachrufe im Vergleich zu den Vormonaten. Im Februar steigt die Zahl dann an – gerade in dem Moment, da US-Präsident Donald Trump und der russische Staatschef Wladimir Putin erstmals direkt über ein Ende des Ukraine-Kriegs gesprochen haben.

Der nächste Höhepunkt im August fällt mit dem Treffen der beiden Präsidenten in Alaska zusammen. Im Oktober und im November, als die USA einen 28-Punkte-Friedensvorschlag vorlegten, wurden durchschnittlich 322 Nachrufe pro Tag veröffentlicht – doppelt so viele wie im Durchschnitt im Jahr 2024. Die nachfolgende Tabelle gibt die genauen Zahlen pro Monat wider:

5178 7009 6297 5832 6661 6405 5959 9369 8110 12.035 10.326 11.244

Russland erleidet hohe Verluste im Ukraine-Krieg: Freiwilligenkämpfer besonders betroffen

Besonders auffällig ist laut der BBC der Anstieg der Verluste unter sogenannten Freiwilligenkämpfern – Personen, die seit Beginn der Invasion einen Vertrag mit dem Militär unterzeichnet haben. Ihr Anteil an den Todesopfern ist von 15 Prozent im Vorjahr auf ein Drittel im Jahr 2025 gestiegen. Die russische Regierung setzt verstärkt auf diese Rekrutierungsmethode, um die Verluste auszugleichen, ohne eine politisch riskante Zwangsmobilisierung ansetzen zu müssen.

Laut Dmitri Medwedew, dem stellvertretenden Chef des Nationalen Sicherheitsrats, hatten sich bis Oktober bereits 336.000 Menschen in diesem Jahr zum Militärdienst gemeldet – das sind weit mehr als 30.000 pro Monat. NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte daraufhin, dass monatlich 25.000 russische Soldaten getötet würden. Sollten beide Angaben zutreffen, rekrutiert Russland immer noch mehr Soldaten, als es verliert. (Quellen: BBC, Mediazona, dpa, AFP) (cs)