Altkreis Halle. Schon seit Jahren steht Schaeffler in Steinhagen unter Druck. Zuletzt war immer von einem „Zukunftskonzept“ die Rede. Doch das Werk hat keine Zukunft mehr. 2025 werden die schlimmsten Befürchtungen der Beschäftigten Gewissheit. Die Produktion an der Gottlieb-Daimler-Straße soll bis Ende 2026 eingestellt und das Werk geschlossen werden. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze.
In Steinhagen stellen die Beschäftigten hauptsächlich Gelenklager für unterschiedliche industrielle Anwendungen her, vor allem in den Sektoren Antriebstechnik sowie Land- und Baumaschinen. Künftig soll die Produktion in das Werk im bayerischen Schweinfurt integriert werden, teilt das Unternehmen mit.
Ziel der Schließung sei es, in einem schwierigen Umfeld die Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler-Gruppe und der Sparte Bearings & Industrial Solutions langfristig zu sichern. „Die Umsatzentwicklung am Standort Steinhagen ist seit Jahren negativ – bei gleichbleibenden oder sogar steigenden Fixkosten“, heißt es vonseiten des Konzerns. Der Preisdruck im Markt habe die Situation erschwert. Der Standort in Steinhagen sei letztlich nicht wettbewerbsfähig. Für die 200 Mitarbeiter strebe man „möglichst sozialverträgliche“ Lösungen an. Die Entscheidung des Konzerns führt zu Protesten von Mitarbeitenden und Gewerkschaft.
Abschied von Gerry Weber in Halle
Ausverkauf in der Firmenzentrale von Gerry Weber: Im März meldet das Haller Modeunternehmen Gerry Weber Insolvenz an, fünf Monate später ist der Standort in Halle abgewickelt, allein hier haben mehr als 280 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz verloren.
| © Nicole Donath
An anderer Stelle ist der Kampf längst verloren. Im März meldet das Haller Modeunternehmen Gerry Weber Insolvenz an, Ende Mai wird bekannt, dass der spanische Damenmodehändler Punt Roma als Tochter der Victrix Group den Zuschlag für die deutsche Traditionsmarke erhalten hat. Gut fünf Monate später ist der Standort in Halle abgewickelt, allein hier haben mehr als 280 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz verloren. Und auch die Shops und Outlets in Deutschland sind mittlerweile geschlossen. Die Mode von Gerry Weber indes kehrt im November zurück.
Unter dem Dach der neu gegründeten Gerry W. Online DACH GmbH wird das Digitalgeschäft der Traditionsmarke neu ausgerichtet. Die DACH GmbH fungiert dabei als neuer Online-Partner der Victrix Group für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die operative Umsetzung des digitalen Geschäfts wiederum übernimmt die Globalist Beteiligungs GmbH.
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Unterdessen erinnert am ehemaligen Gerry-Weber-Firmensitz in Halle kaum mehr etwas an die Zeiten des Modeherstellers. Bis auf eine kleine Bürofläche, die noch bis März 2026 vorgehalten wird, hat das Unternehmen alle Räumlichkeiten verlassen. Zuletzt werden Vermögensgegenstände von Gerry Weber versteigert. Die ehemalige Firmenzentrale zwischen Gartnischer Weg und Gutenbergstraße ist schon länger verkauft, dort sind inzwischen 32 andere Unternehmen als Mieter eingezogen.
Durkopp in Halle baut Stellen ab
Seit dem 1. August segelt der Haller Automobilzulieferer unter neuer Flagge: Zu diesem Datum hat die Beteiligungsgruppe Aequita das europäische Nadellagergeschäft von JTEKT übernommen.
| © Nicole Donath
Einen neuen Namen und neue Ziele gibt es indes an einer anderen Haller Adresse: Seit dem 1. August segelt ein Automobilzulieferer unter neuer Flagge; zu diesem Datum hat die Beteiligungsgruppe Aequita das europäische Nadellagergeschäft von JTEKT übernommen. Und dem Werk direkt einen neuen Namen verliehen, natürlich. Durkopp soll an die lange Tradition erinnern, an jene glorreichen Zeiten, als die Dürkopp-Werke für Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Produkte standen. Jetzt aber eben mit internationalem Touch und deshalb ohne Umlaut. Die Westfalen müssen sich erst noch dran gewöhnen.
Vier Werke umfasst das Paket, das JTEKT abgegeben hat; zwei in Frankreich, eines in Tschechien und natürlich das im Haller Ortsteil Künsebeck. In Zahlen sind dies 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, 1.200 Beschäftigte an allen Produktionsstandorten und vor allem: hohe Verluste. „Für uns geht es jetzt als Erstes darum, die Firma zu stabilisieren“, stellt der neue CEO Bernhard Buchholz fest. Etwa 180 Arbeitsplätze in Künsebeck werden abgebaut, sodass rund 300 Mitarbeitende am Standort verbleiben.
Hans-Ewald Reinert steigt bei TFB in Versmold aus
Neuer Eigentümer: TFB in Versmold gehört nun mehrheitlich der Premium Food Group.
| © Tasja Klusmeyer
Es ist die Versmolder Wirtschaftsnachricht des Jahres: Der Fleischwarenhersteller „The Family Butchers“ steht offenbar mit dem Rücken zur Wand, die Lage ist nicht nur schwierig, sondern dramatisch. Ohne Hilfe durch einen starken Partner sieht sich das Loxtener Unternehmen in seiner Existenz gefährdet. Von „kaum lösbaren Finanzierungsproblemen“ ist die Rede.
Wirtschaft in Versmold: Krise in der Wurst-Branche: Versmolder Unternehmen lässt sich nicht beirren
Die Premium Food Group (vormals Tönnies), die Nummer eins der Branche, soll zum Retter werden. Zu ihrer Tochter Zur Mühlen gehört auch die Versmolder HN Produktion (Nölke mit der Marke Gutfried). Nun also möchte PFG ein weiteres Familienunternehmen der Fleischstadt und damit die Marke Reinert schlucken. Ende Juni werden die Übernahmepläne bekannt. 50,025 Prozent an TFB und damit die Mehrheit sollen an den Konzern gehen. Das Überraschende: Hans-Ewald Reinert möchte sich aus dem Unternehmen, das einst sein Großvater gründetet, zurückziehen.
Knapp zwei Monate soll es dauern, bis das Bundeskartellamt schließlich grünes Licht für den Mega-Deal gibt. Damit steht im September fest, dass TFB aus der Holding InFamily Foods herausgelöst wird. Und Hans-Ewald Reinert? Der frühere Chef sieht seine Zukunft bei „The Plantly Butchers“ mit der Marke Billie Green, also bei den fleischlosen Produkten. Gleichzeitig pusht er die bekannte Marke Bärchen, die der 62-Jährige einst für die eigenen Kinder entworfen hatte und die in Familienhand bleibt.
Veränderungen bei Schüco in Borgholzhausen
Die Suche nach einem strategischen Partner für das Möbel- und Industriezuliefergeschäft von Schüco ist zum Abschluss gebracht. Der ehemalige Borgholzhausener Schüco-Standort an der Straße In der Lake heißt seit Anfang August Alumis GmbH & Co. KG. Der neue Eigentümer Rheingold Capital, der zum Februar dieses Jahres Schüco Interior Systems übernommen hatte, hat das Unternehmen vollständig aus dem Schüco-Konzern gelöst.
Geschäftsführer Hendrik Steffen hat die Firma in drei Geschäftsbereiche gegliedert: Küche und Möbel, Interior Systems, also die Gestaltung von Trennwand- und Möbelsystemen, sowie industrielle Lösungen mit Aluminium.
Die Schüco International KG betreibt am Barenbergweg in Borgholzhausen weiterhin das Werk 3. Hier werden Profilbeschläge gefertigt.
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