Der Eingang eines Krankenhauses in Geesthacht.

Stand: 30.12.2025 15:47 Uhr

Etwa 250 der 700 Mitarbeitenden des insolventen Krankenhauses Geesthacht haben ihre Kündigung erhalten. Vor kurzem hatte das Amtsgericht Schwarzenbek das Hauptverfahren zur Eigenverwaltung des Krankenhauses eröffnet.

Laut Krankenhaus Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) wurden die Mitarbeitenden am 29. Dezember in persönlichen Gesprächen über ihre Kündigung informiert. „Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber notwendig, um den Standort nachhaltig zu stabilisieren und überhaupt zu erhalten“, so Lars Timm, Geschäftsführer des Krankenhauses.

Ziel sei es, den Standort wirtschaftlich zu stabilisieren und bis Ende März 2026 in die neue Struktur zu überführen. Die Geriatrie, die Klinik für Psychiatrie und die Klinik für Innere Medizin mit Akutfunktion bleiben laut Timm erhalten. Andere Abteilungen wie die Intensivstation, die Gynäkologie und Geburtshilfe müssten schließen.

„Rabenschwarze Wochen für die Mitarbeitenden“

Anne-Kathrin Hille, die Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung am Krankenhaus Geesthacht, findet klare Worte: „Für die Mitarbeitenden des Hauses waren die letzten Tage und Wochen rabenschwarz.“ In der Weihnachtszeit solche Nachrichten zu erhalten, wünsche man keinem, so Hille. Das sei ein harter Schlag für die 250 Betroffenen. Sie hoffe, dass die Kolleginnen und Kollegen auch bis zum 31. März 2026 bleiben könnten und schnell Anschlussbeschäftigungen finden, beispielsweise in umliegenden Krankenhäusern.

Krankenhausgesellschaft warnt vor „kaltem Strukturwandel“

Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein – also der Verband der Krankenhausträger im Land – sieht die erneute Insolvenz in Geesthacht als weiteres Beispiel für einen seit Jahren andauernden „kalten Strukturwandel“ in der Kliniklandschaft. Ursache sei vor allem die anhaltende Unterfinanzierung der Krankenhäuser. Die Krankenhausreform werde daran kurz- und mittelfristig wenig ändern. Die Krankenhausgesellschaft geht davon aus, dass die Klinken in Reinbek (Kreis Stormarn), Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg), Hamburg und Lüneburg in der Lage seien, zusätzliche Patienten zu versorgen.

Gesundheitsministerium will unternehmerische Entscheidung nicht bewerten

Ein Luftbild des Krankenhauses in Geesthacht

Die Klinik arbeitet nach eigenen Angaben mit der Agentur für Arbeit zusammen, um gekündigten Beschäftigten zu helfen.

Das Gesundheitsministerium in Kiel zeigte sich auf NDR Anfrage zurückhaltend. Über den Stand des laufenden Insolvenzverfahrens habe der Träger das Ministerium regelmäßig informiert, zuletzt Anfang November im Sozialausschuss. Dort habe er auch über seine Pläne informiert, inklusive dem Abbau einzelner Abteilungen. Für dieses Konzept habe er den Zuschlag des Gläubigerausschusses bekommen. Unternehmerische Entscheidungen bewerte das Gesundheitsministerium nicht.

Krankenhaus Geesthacht schon länger in finanzieller Schieflage

Das Krankenhaus in Geesthacht hat bereits seit langem finanzielle Probleme. Im September 2024 hatte es Insolvenz anmelden müssen. Im Sommer 2025 übernahm daraufhin die CTP-Gruppe von Reeder Thomas Pötzsch die Klinik. Bereits im Oktober musste er Insolvenz in Eigenregie anmelden. Unter anderem die Stadt Geesthacht hatte ein Übernahmeangebot unterbreitet. Der Zuschlag des Gläubigerausschusses fiel aber auf die CTP-Gruppe.

Der Eingang des Johanniter Krankenhauses in Geesthacht.

Der Gläubiger-Ausschuss hat entschieden, wie es mit der Klinik weitergeht und wer den Zuschlag erhält.

Geesthacht: Menschen demonstrieren für den Erhalt des Geesthachter Krankenhaus.

Durch eine Insolvenz droht derzeit die Schließung der Notaufnahme und der Geburtshilfe.