Die Spuren deuten auf einen gezielten Mordanschlag hin: In unmittelbarer Nähe zum Einkaufstreiben in der Düsseldorfer Innenstadt sind am Dienstag mindestens zehn Schüsse auf ein Taxi abgefeuert worden.

Noch sind viele Fragen offen. Wie die Polizei berichtet, ist es kurz hinter der nördlichen Ausfahrt des Kö-Bogen-Tunnels in Pempelfort auf offener Straße zu den Schüssen gekommen. Eine Person auf dem Beifahrersitz des Taxis wurde getroffen, später schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach den Tätern. Die Mordkommission und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen. Am Tatort waren in der Frontscheibe des Taxis zehn Einschusslöcher zu sehen, fast alle auf der Beifahrerseite. Die Schüsse sollen einem Sprecher der Polizei zufolge um 14.38 Uhr abgegeben worden sein. „Die Hintergründe der Tat sind zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar.“

Der Besitzer des Taxis sagte unserem Reporter vor Ort, er sei von seinem Fahrer über den Vorfall unterrichtet worden, als er gerade im Fitnessstudio war. Daraufhin sei er direkt zum Tatort geeilt. „Ich war unter Schock. Dann bin ich direkt raus und hin“, sagte er. Sein Fahrer habe ihm berichtet, neben dem Taxi hätte ein Mietfahrzeug gehalten, in dem sich drei Personen befunden hätten. Mindestens eine Person sei ausgestiegen und habe auf sein Taxi gefeuert. Dann seien die Personen geflüchtet – ob in dem Mietfahrzeug oder zu Fuß, das konnte er nicht sagen. Das Fahrzeug war am späten Nachmittag jedenfalls nicht mehr am Tatort zu sehen.

Ein weiterer Augenzeuge, der in einem der Fahrzeuge hinter dem Taxi unterwegs war, sagte: „Die sind ausgestiegen und haben geschossen.“ Weitere Details über den Tathergang wollte er nicht nennen. Dann stieg er in sein Auto und fuhr zügig weg.

Der Taxiunternehmer und seine ebenfalls anwesende Ehefrau waren auch am Tatort noch sichtlich schockiert über das Geschehene. „Um 16 Uhr ist Schichtübergabe“, sagte er unserer Redaktion. Dann hätte er das Fahrzeug selbst übernommen, also nur etwas mehr als Stunde nach der Tat. Seine Frau sagte: „Er hatte Glück, dass er nicht darin saß.“ Immerhin: Dem betroffenen Fahrer schien es zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise gut zu gehen. Er saß nach Informationen seines Chefs noch in der am Tatort stehenden Rheinbahn und wurde von der Polizei vernommen.

Der Bereich an der Kaiserstraße war bis kurz vor 20 Uhr vollständig gesperrt. Auch die Bahnen der Rheinbahn konnten dort nicht fahren, es gab einen langen Rückstau bis zur Schadowstraße. „Wir sind mit starken Kräften vor Ort, auch ein Hubschrauber ist im Einsatz“, sagte der Polizeisprecher. Nach dem unbekannten Täter werde gefahndet. Das war auch am Abend noch der Fall. Die Schilderungen des Zeugen und des Unternehmers wollte der Sprecher „weder bestätigen noch dementieren“. Es sei nicht auszuschließen, dass mehrere Täter beteiligt gewesen sein könnten.

Schüsse auf ein Taxi im fließenden Verkehr – der Fall weckt Erinnerungen an eine Gewalttat im Frühjahr. Mitte März hatte ein 24-Jähriger nachts viermal aus nächster Nähe auf den Fahrgast eines Uber-Fahrzeugs in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs geschossen. Das Opfer, ein 49 Jahre alter Mann, starb noch am Tatort. Zwei Wochen später wurde der Täter von der Polizei gefasst. Vor Gericht schwieg er, doch die Indizien gegen ihn wogen schwer. So fand man unter anderem Schmauchspuren an der Jacke und die Tatwaffe mit seiner DNA daran. Das spätere Opfer soll den 24-Jährigen um 5000 Euro betrogen haben. Einer Konfrontation wollte der Mann per Uber entkommen, doch der Täter lief ihm nach und schoss, als der Fahrer an einer roten Ampel halten musste. Der 24-Jährige muss nun wegen Totschlags für zwölf Jahre in Haft.