Xinjiang (China) – Er ist mehr als 22 Kilometer lang und neuer Rekord: der längste Autobahntunnel der Welt. Für das Innenleben haben die Architekten sich etwas Besonderes einfallen lassen. Jetzt wurde der Tunnel eröffnet.
Die Daten des Tianshan-Shengli-Tunnels in China sind beeindruckend. Die exakt 22,13 Kilometer langen Röhren wurden in 1112 Meter Tiefe gebohrt. Dabei ist „Tiefe“ relativ zu verstehen: Gebohrt wurde in den Bergen in etwa 3000 Meter Höhe. Die Länge des Bauwerks ist Rekord. Bauzeit: nur fünf Jahre. Kosten: 46,7 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro. Ein Highlight: Verschiedene Panorama-Strecken mit Bildern an den Wänden sollen die Fahrt abwechslungsreich machen.
Rekord-Tunnel bis Neujahr gratis
Wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldet, wurde der Tunnel am 26. Dezember für einen Testbetrieb eröffnet. Bis zum 31. Januar ist die Nutzung kostenlos. Am 1. Januar soll der reguläre Betrieb eröffnet werden. Dann gelten für die Durchfahrt die in China üblichen Mautgebühren.
„Die Autobahn Urumqi–Yuli ist offiziell für den Verkehr freigegeben. Ihr Herzstück ist der längste Autobahntunnel der Welt“, erklärte Mao Ning vom chinesischen Außenministerium. Eine dreistündige Bergfahrt soll nun nur noch 20 Minuten dauern, so Mao Ning weiter.

Die Einfahrt zum längsten Autobahntunnel der Welt
Foto: picture alliance/dpa/XinHua
Damit rollt der Verkehr jetzt durch das Tianshan-Gebirge und verbindet den industriell geprägten Norden mit dem landwirtschaftlichen Süden. Die „Drei-Tunnel-plus-vier-Schächte“-Strategie soll wegweisend für China werden, so das Außenministerium. Zwischen zwei Haupttunneln läuft ein Erkundungsstollen, darüber vier vertikale Schächte für Frischluft. Die Technologie soll als China-Modell weltweit exportiert werden.

Schnellstraßen, Brücken und Tunnel sind in China meist mautpflichtig, so auch die Autobahn Urumqi–Yuli
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So wurde der neue Tunnel gebaut
Das Bauwerk war eine Mammutaufgabe. „Die Baustelle war ein geologisches Museum“, sagte ein Sprecher der zuständigen China Communications Construction Company. Die Tunnelbohrmaschinen „Victory“ und „Tianshan“ mussten sich durch massive Spannungen und tägliche Wassereinbrüche von bis zu 29.000 Kubikmetern (etwa 116.000 Badewannen) kämpfen. Bei einem Zwischenfall im Dezember 2021 blieb eine Maschine 24 Tage stecken. 41 Fachleute arbeiteten rund um die Uhr, um sie zu befreien.

Der Probebetrieb im Rekord-Tunnel läuft
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Besonders war auch der Umweltansatz: Kein Tropfen Bauabwasser durfte ungefiltert abfließen. Der Aushub wurde zu Straßenmaterial verarbeitet. Flächen wurden renaturiert, Lärm gedämpft, Tiere geschützt. So zumindest beschreiben es die staatlichen Bauherren.
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Es gibt zuletzt so einige Rekorde in China. Erst im September war die höchste Brücke der Welt eröffnet worden. Im November wurde dann ein gigantischer Goldfund gemacht. Beobachter sind schon gespannt, was wohl der nächste Rekord wird.