Auch wenn die Kohletransporte wieder etwas zugenommen haben: Der Mannheimer Hafen, der ja immer auch ein Hafen für Ludwigshafen ist, steht vor einem Strukturwandel. Neue Transporte müssen bewältigt werden – etwa Mineralöle, chemische Erzeugnisse, Nahrungs- und Futtermittel. Zudem gibt es Abstimmungsbedarf mit dem Land unter anderem wegen angrenzender Wohngebiete. Seit einiger Zeit laufen regelmäßige Gespräche mit dem Hafeneigentümer, dem Land Baden-Württemberg. SWR Aktuell hat mit Hafendirektor Uwe Köhn über die Zukunft des Mannheimer Hafens gesprochen.

SWR Aktuell: Wie sehen Sie die Entwicklungschancen für den Mannheimer Hafen?

Uwe Köhn: Wir sehen unsere Zukunft tatsächlich als Ermöglicher nachhaltiger Logistik, indem wir auch das Schiff mit einbinden können. Das ist pro transportierter Tonne immer noch das Verkehrsmittel, das am wenigsten CO2 ausstößt. Und das einzige Verkehrsmittel, das auch noch Kapazitäten hat, während auf der Schiene und auch auf dem Lkw momentan Grenzen erreicht sind. Das heißt, wir wollen diesen trimodalen Ansatz auch in Zukunft weiterführen, aber natürlich auch uns öffnen für neue Geschäftsmodelle, neue Ideen, neue Wege. Stichwort Energiewende: Transport von Wasserstoff, Transport von Ammoniak oder auch Methanol.

Uwe Köhn, Hafendirektor Mannheim

Uwe Köhn ist seit dem 1. Januar 2021 Hafendirektor der Mannheimer Häfen, also Geschäftsführer der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim. Vorher hatte er fünf Jahre den Rheinhafen Kehl geleitet.

Solche Dinge müssen wir zumindest mal durchspielen, um unseren Beitrag zu leisten. Was stark zunimmt, ist momentan der Schwerguttransport, wo wir auch Transformatoren für die Energiewende transportieren. Nicht wir, sondern die Kunden, die bei uns im Hafen das Grundstück gemietet haben, um es mal genau zu sagen. Aber das sind eben die Partner, die wir im Hafen wollen.

SWR Aktuell: Elektrolyseure (Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff) gibt es noch nicht im Mannheimer Hafen, aber man kann ja alles denken.

Köhn: Ja, wir sind da beispielsweise mit der MVV Energie in Mannheim in engen Gesprächen. Wir brauchen natürlich gut ausgebaute Energienetze dafür. Und wir hatten tatsächlich ein Projekt, in dem wir das jetzt aus diesen Gründen nicht weiterführen konnten. Aber alle Beteiligten sind dran, die Bedingungen an der Stelle auch weiterzuentwickeln, sodass wir zuversichtlich sind, dass wir auch in dem Bereich künftig eine Duftmarke setzen können.

SWR Aktuell:Mannheim 1″ und „Mannheim 2“ sind zwei Schiffe, die mit Wasserstoff fahren können?

Köhn: Das sind Schiffe, die mit Wasserstoff fahren können, es aber momentan nicht tun. Sondern mit HVO, das ist ja ein biologisch hergestelltes Öl, wenn man so will, Dieselöl, aber eben nicht fossil. Diese Fahrzeuge sind aber in der Lage, künftig mit Wasserstoff zu fahren. Und dafür braucht man dann auch eine Ladeinfrastruktur oder die Möglichkeit, dass sie sich hier versorgen können. Das ist auch eine Aufgabe, die wir als Hafen annehmen.

SWR Aktuell: Es gibt einen Digitalisierungsprozess rund um das Programm „Port Base“ zusammen mit dem Hafen Rotterdam. Wie kann man sich das vorstellen?

Köhn: Die Häfen überlegen, jeder für sich, wie sie ihre Abläufe optimieren, effizienter gestalten können. Der Fachkräftemangel spielt dabei auch eine Rolle. Das heißt, die Digitalisierung kann eine Hilfe sein, besonders mit Plattformen, die viele Informationen zusammenführen. Über Wasserstand, über die Schleusenöffnungszeiten, über das Wetter, über alle möglichen Dinge, die erforderlich sind.

Land, Stadt und Hafen vereinbaren einen Zukunftsdialog

Land, Stadt und Hafen habern einen ständigen Zukunftsdialog vereinbart

Damit kann man die Transporte verbessern, flüssiger und effizienter machen, Personalkosten einsparen. Und jetzt braucht man die Verknüpfung insbesondere in den Seehafen hinein. Die Seehäfen haben in der Regel eigene Systeme. Die stellen die Verbindung her, damit der Übergang von dem Seeschiff, Containerschiff hinüber ins Binnenschiff, wo es dann ins Hinterland den Rhein hochgeht, besser klappt. Darüber sind wir beispielsweise auch im Gespräch mit dem Hafen Rotterdam.

SWR Aktuell: Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grünen) hat gesagt, er glaubt an die Binnenschifffahrt. Sie glauben berufsbedingt auch an die Binnenschifffahrt. Was gibt es für drei gute Gründe zu glauben, dass das uns auch Wachstum beschert?

Köhn: Also erstens: Es gibt bei keinem anderen Verkehrsträger künftig noch Kapazitäten. Das heißt, das Schiff kann noch Transporte aufnehmen. Zweitens: Es ist einer der sichersten Transportwege, die es gibt. Und drittens: Ich kann natürlich große Mengen transportieren. Und damit kann ich auch skalieren und vor allen Dingen sehr klimafreundlich transportieren. Das sind die Hauptpunkte.

Wir brauchen allerdings eine gute Infrastruktur. Wir brauchen eine funktionierende Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Und da sind wir auch mit dem Bund im Gespräch, der momentan, sagen wir mal, die Binnenwasserstraßen nicht so optimal unterstützt im Haushalt, wie wir das uns wünschen und wie wir das eigentlich auch für die Volkswirtschaft für richtig halten.

SWR Aktuell: Das Verhältnis zwischen Land und Hafengesellschaft war ja in der Vergangenheit nicht ganz spannungsfrei. Was versprechen Sie sich davon, dass Sie jetzt in so einem regelmäßigen Dialog mit dem Land sind?

Köhn: Einmal das Vertrauen, das entstanden ist, durch den bereits geführten Dialog. Was dann wiederum dazu führt, dass man offener mit den Themen umgehen kann, dass man sich auch gegenseitig da mal besser unterstützen kann, wo es möglich ist. Wir haben natürlich gewisse Gegensätze, Grundstücke, die beispielsweise an den Hafen herangrenzen. Wenn dort Wohnbebauung stattfindet, dann habe ich ein Problem, weil über kurz oder lang wird das Hafengrundstück nicht mehr so betrieben werden können, wie es betrieben wird, nämlich beispielsweise durch einschränkende emissionsschutzrechtliche Genehmigungen etc. Und darüber müssen wir gemeinsam reden und da haben wir schon die Signale empfangen, dass es dort Gesprächsbereitschaft gibt und das stimmt mich zuversichtlich.