31.12.25 – Es war ein spektakulärer und filmreifer Raub: In Gelsenkirchen haben sich Unbekannte über Weihnachten in einen Tresorraum einer Gelsenkirchener Bank gebohrt. Dort wurden Schließfächer aufgebrochen. Die Höhe der Beute wird derzeit auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Nach dem Raub stürmten hunderte Kunden zur Bank, um Auskunft über ihre Schließfächer zu erhalten – sogar die Polizei musste eingreifen.
Laut ersten Informationen seien 3.200 Schließfächer aufgebrochen worden. Über 2.500 Geschädigte seien betroffen. Laut Medienberichten sei jedes Fach mit 10.300 Euro versichert. Aber wie steht es wirklich um die Schließfächer in Banken? Wie sicher sind unserer Wertsachen dort? OSTHESSEN|NEWS hat bei den Banken in der Region nachgefragt.
Die Volksbank Mittelhessen Foto: picture alliance / dpa | Rolf K. Wegst
Michael Agricola aus der Kommunikationsabteilung der Volksbank Mittelhessen eG:
Wie sicher sind die Wertsachen der Kunden in den Bankschließfächern?
„Aus unserer Sicht gehören Bankschließfächer zu den sichersten Aufbewahrungsmöglichkeiten von Wertsachen. In unserem Haus ist kein Fall bekannt, in dem in eines unserer Schließfächer eingebrochen und Wertgegenstände entwendet worden sind. Unsere Wertschutzräume und -schränke sind mit entsprechenden technischen Sicherungseinrichtungen versehen, die bei solchen Einbrüchen Alarm auslösen. Zu dem Fall in Gelsenkirchen können wir keine Auskunft geben, bei solchen Taten handelt sich allerdings um absolute Ausnahmen.“
Falls es zu einem Einbruch kommt: Sind die Wertsachen versichert? Wie steht es um die Einlagensicherung?
„Mit dem Anmieten eines Bankschließfachs sind Wertgegenstände noch nicht versichert. Kunden müssen diese Risiken selbst versichern. Über unseren Verbundpartner R+V bieten wir eine günstige Bankschließfachversicherung an, die im Fall von Feuer, Sturm, Hagel und Elementargefahren, bei Zerstörung oder Beschädigung, Einbruchdiebstahl und Raub greift, aber auch den Schlüsselverlust oder Datenwiederherstellung (beides bis 500 Euro) abdeckt.“
Was raten Sie Kunden, die unsicher sind, ob Sie Wertsachen lieber zuhause oder lieber in einem Bankschließfach lagern sollten?
„Das ist eine individuelle Entscheidung. Ein Einbruch in eine Wohnung ist allerdings statistisch ungleich wahrscheinlicher als in eine Bank. Viele Kunden schätzen die Möglichkeit, ihre Wertsachen sicher und geschützt in einer unserer Geschäftsstellen aufzubewahren. Die Sicherheit von Wertsachen und wichtigen Dokumenten außerhalb des eigenen Zuhauses hat für viele Kunden einen hohen Stellenwert. Die Nutzung eines Schließfachs bietet ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, weil diese einen Schutz vor potenziellen Gefahren wie Diebstahl, Feuer und Wasserschäden bieten. Im Falle eines Schadens im eigenen Heim können Kunden sicher sein, dass ihre wertvollen Gegenstände in einem Schließfach geschützt sind.“
Wie ist die Nachfrage nach Bankschließfächern? Steigt oder sinkt diese?
„Unsere Bank bietet Schließfächer an vielen Standorten des VR-Bankvereins Bad Hersfeld-Rotenburg und der Volksbank Mittelhessen an. Grundsätzlich gilt: Schließfächer sind bei unseren Kunden äußerst begehrt. Eine pauschale Aussage zur Nachfrage ist uns nicht möglich, es gibt durchaus Unterschiede in der Nachfrage in unserem Geschäftsgebiet. In einigen Geschäftsstellen haben wir aktuell nur noch wenige freie Schließfächer. Wir stellen allerdings fest, dass das Gesamtangebot an Schließfächern immer geringer wird. Die Bereitstellung erfordert entsprechende Räumlichkeiten und sichere Anlagen, was die Verfügbarkeit einschränkt. Das Geschäft mit Schließfächern ist für viele Banken nicht lukrativ. Die Betriebskosten, einschließlich der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen und des Personals, übersteigen oft die Einnahmen. Trotz dieser Herausforderungen bieten wir weiterhin Schließfächer als wertvollen Service für unsere treuen Kunden und Mitglieder an. Wir sehen dies als Teil unseres Engagements für Kundenservice und -bindung.“
Die VR Bank Fulda
Rainer Weigand, Abteilungsleiter KundenServiceCenter, VR Bank Fulda:
Wie sicher sind die Wertsachen der Kunden in den Bankschließfächern?
„Die Sicherheit unserer Kundinnen und Kunden hat für uns oberste Priorität. Unsere Bankfilialen und Bankschließfächer sind in modernste Sicherheitsinfrastrukturen eingebunden, die kontinuierlich überprüft und an aktuelle technische Entwicklungen angepasst werden. Dank dieser hohen Standards sind Wertsachen bei uns äußerst zuverlässig geschützt.“
Falls es zu einem Einbruch kommt: Sind die Wertsachen versichert? Wie steht es um die Einlagensicherung?
„Für die in Bankschließfächern verwahrten Gegenstände besteht über eine allgemeine Bankpolice bis zum 31.12.2025 ein Basisschutz. Darüber hinaus empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden, den individuellen Wert ihrer Schließfachinhalte zu prüfen und bei Bedarf eine ergänzende Bankschließfach-Versicherung – beispielsweise über die R+V Versicherung – abzuschließen. So lassen sich persönliche Werte optimal absichern.“
Was raten Sie Kunden, die unsicher sind, ob Sie Wertsachen lieber zuhause oder lieber in einem Bankschließfach lagern sollten?
„Ein Bankschließfach bietet im Vergleich zur Aufbewahrung zuhause ein deutlich höheres Maß an Sicherheit – sowohl beim Schutz vor Einbruch als auch vor unterschiedlichen Schadensereignissen. Wer unsicher ist, findet bei uns eine individuelle und vertrauliche Beratung, um die passende Lösung für den persönlichen Bedarf zu finden.“
Wie ist die Nachfrage nach Bankschließfächern? Steigt oder sinkt diese?
„Die Nachfrage nach Bankschließfächern ist seit Jahren stabil hoch. Viele Menschen schätzen die zusätzliche Sicherheit, die ein Schließfach bietet – gerade in Zeiten, in denen das Thema Wertaufbewahrung wieder an Bedeutung gewinnt. Eine deutliche Veränderung, weder nach oben noch nach unten, lässt sich derzeit nicht feststellen.“
Eine Filiale der Sparkasse Oberhessen Archivfotos: ON
Eric Zimdars, Leiter Kommunikation der Sparkasse Oberhessen:
Wie sicher sind die Wertsachen der Kunden in den Bankschließfächern?
„Die Aufbewahrung von Wertsachen in einem Bankschließfach bieten ein sehr hohes Sicherheitsniveau. Ein absoluter Schutz kann zwar – wie überall – nicht garantiert werden, das Risiko ist jedoch deutlich geringer als bei der Aufbewahrung in privaten Haushalten. Unsere Schließfachanlagen unterliegen generell strengen baulichen, technischen und organisatorischen Sicherheitsstandards. Dazu zählen unter anderem Zugangskontrollen (Zugang erhalten lediglich registrierte und legitimierte Kunden), moderne Alarm- und Überwachungssysteme sowie regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen“
Falls es zu einem Einbruch kommt: Sind die Wertsachen versichert? Wie steht es um die Einlagensicherung?
„Gemäß unseren Bedingungen für die Vermietung von Schrankfächern haftet die Sparkasse bei Verlust oder Beschädigung nur bei eigenem Verschulden. Darüber hinaus empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden, den tatsächlichen Wert ihrer eingelagerten Gegenstände zu prüfen und gegebenenfalls über eine Zusatzversicherung abzusichern. Gerne beraten wir dazu individuell. Wertsachen in Bankschließfächern fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung, da es sich dabei nicht um Bankeinlagen wie Guthaben auf Konten handelt.“
Was raten Sie Kunden, die unsicher sind, ob Sie Wertsachen lieber zuhause oder lieber in einem Bankschließfach lagern sollten?
„Grundsätzlich gilt: Je höher der materielle oder ideelle Wert, desto sinnvoller ist eine professionelle und gesicherte Aufbewahrung. Bankschließfächer eignen sich besonders für Schmuck, wichtige Dokumente, Erbstücke oder andere schwer oder nicht ersetzbare Gegenstände oder Dokumente. Kundinnen und Kunden können bei der Sparkasse Oberhessen ein Schließfach ab 35 Euro jährlich mieten. Eine Auflösung ist jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist möglich.“
Wie ist die Nachfrage nach Bankschließfächern? Steigt oder sinkt diese?
„Die Nachfrage nach Bankschließfächern ist seit einigen Jahren stabil bis leicht steigend. Insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten oder bei einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis suchen viele Menschen nach einer sicheren Aufbewahrungsmöglichkeit außerhalb der eigenen vier Wände. Gleichzeitig ist das Angebot begrenzt, sodass Schließfächer in vielen Regionen weiterhin stark nachgefragt sind.“ (Moritz Pappert) +++ ![]()


