Nach fast 40 Jahren verlässt Petra Lewey die Kunstsammlungen Zwickau. Die Leiterin des Hauses geht zum Jahresende vorzeitig in den Ruhestand. Bei MDR KULTUR erinnert sich die Kunsthistorikerin an die Anfänge ihrer Arbeit in Zwickau.

Hier habe sie 1989/90 selbständig ihre ersten beiden Ausstellungen gemacht. „Ich bin seit 1986 am Museum und war anfangs zuständig für die Gemäldesammlung. Die war eher unbekannt, weil die Werke gar nicht wirklich ausgestellt wurden.“

Ein Denkmal für Max Pechstein

Nicht zuletzt Leweys Engagement sei es zu verdanken, dass 2014 aus dem städtischen Museum ein reines Kunstmuseum mit dem Beinamen „Max-Pechstein-Museum“ wurde, resümiert Kunstredakteurin Ulrike Thielmann. Dem „Brücke„-Künstler und gebürtigen Zwickauer sei so zu mehr Prominenz verholfen worden.

Petra Lewey erinnert sich an die erste Pechstein-Ausstellung im Jahr 1995: „Aus aller Herren Länder kamen die Pechsteins zur Eröffnung und das war ein großes Fest.“ So sei die Frage aufgekommen, wie man die Sammlung, die 1990 nur drei Gemälde Pechsteins umfasste, erweitern könnte. Schließlich habe man sich um öffentliche und Fördermittel bemüht, „und jetzt haben wir über zehn Gemälde im eigenen Bestand.“

Aus aller Herren Länder kamen die Pechsteins zur Eröffnung und das war ein großes Fest.

Petra Lewey, scheidende Leiterin der Kunstsammlungen Zwickau

Die Sammlung des Hauses umfasst heute zudem hunderte Papierarbeiten und Briefe des Künstlers, und in der Dauerausstellung werden rund 50 Gemälde gezeigt. Viele davon sind Leihgaben.

Kunstsammlung Zwickau: Zwischen Expressionismus und Kunst des Mittelalters

Petra Lewey setze in ihrer Amtszeit aber nicht nur den Fokus auf das Werk Max Pechsteins. Sie organisierte auch Ausstellungen über das Schaffen des „Brücke“-Malers Fritz Bleyl, der auch Thema ihrer Promotion war: „Ich habe in der grafischen Sammlung die Schubladen zufällig aufgezogen und da waren mehrere Kästen voller Fritz Bleyl. Das war eine Fundgrube,“ erinnert sich die langjährige Museumsleiterin.

2023 erhielten die Kunstsammlungen unter Leweys Leitung den Sächsischen Museums-Spezialpreis für die Restaurierung des Vielauer Altars. Dieser und weitere Kirchenaltäre aus der Zeit des Mittelalters zählen heute zu den bedeutendsten Stücken der Sammlung.

Knappe Kassen und wenig Geld für zeitgenössische Kunst

Während Petra Leweys Amtszeit kämpften die Kunstsammlungen Zwickau allerdings auch mit knappen Kassen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit sei deshalb das Konservieren und Bewahren gewesen.

Auch die Mittel für den Ankauf zeitgenössischer Kunst seien während dieser Zeit sehr begrenzt gewesen. Trotzdem unterstützen die Kunstsammlungen durch den Max-Pechstein-Preis auch Vertreterinnen und Vertreter der Gegenwartskunst. Das Haus zeichnete so etwa Arno Rink, Carlfriedrich Claus und Alfred Hrdlicka aus und förderte die Installationskünstlerin Henrike Naumann.

Leweys Nachfolgerin wird ab 2026 Fanny Stoye. Die Kunsthistorikern leitete zuletzt das Naturalienkabinett in Waldenburg. In Zwickau wird sie zunächst den Umbau des Museumsgebäudes vollenden. Die Sanierung wird voraussichtlich bis 2029 dauern. Übergangsweise ist ein Teil der Werke in der einstigen „Galerie am Domhof“ in einer Interimsausstellung zu sehen.

Quellen: MDR KULTUR (Ulrike Thielmann), Kunstsammlungen Zwickau, Redaktionelle Bearbeitung: tis