Breda. Nach vier Jahren bei Holstein Kiel hat Lewis Holtby im Sommer ein neues Abenteuer gestartet. Der Routinier wurde vom niederländischen Erstligisten NAC Breda als Führungsspieler verpflichtet. Auch wenn Holtby derzeit um den Klassenerhalt kämpft, fühlt sich der 35-Jährige wohl in seiner neuen Heimat.

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Herr Holtby, wenn man in der vergangenen Winterpause darauf gewettet hätte, dass Ihr Weg nach Breda führt, hätte man wahrscheinlich viel Geld gewonnen.

Lewis Holtby: Mit Sicherheit, das hätte ich auch. (lacht)

Wie kam es denn zur Entscheidung, bei NAC zu unterschreiben?

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Ich wollte im Sommer etwas Neues machen und habe immer klar kommuniziert, dass es völlig offen ist, wo es hingeht. Viele sind davon ausgegangen, dass ich nach Dubai wechsele, was auch eine Option für mich war. Ich habe mich mit meiner Familie hingesetzt und auch überlegt, noch einmal ein neues Abenteuer einzugehen. Wie es der Zufall so wollte, gab es dann einen Anruf aus den Niederlanden.

Was hat Sie genau gereizt?

Als ich gehört habe, dass ich eine Aufgabe als Führungsspieler übernehmen soll, war ich sofort Feuer und Flamme. Es ist ein tolles Projekt in der Eredivisie – einer Liga, die sehr leistungsfähig und anspruchsvoll ist. Das war für mich noch einmal eine neue Herausforderung. Aus meiner Zeit, in der ich an der Nähe der Grenze gewohnt habe, kenne und schätze ich die Niederlande (Holtbys Geburtsort Erkelenz liegt keine 10 Minuten von der Grenze entfernt, Anm. d. Red.). Deshalb haben wir gesagt, dass wir das sofort machen. Ich wollte mich als Spieler und als Mensch noch einmal weiterentwickeln.

Holtby liebt die Leidenschaft bei NAC Breda

Klingt so, als wenn Sie sich noch nicht kurz vor der Fußballrente gesehen haben…

Genau das ist es. Als ich mir überlegt habe, ob ich noch einmal ein neues Abenteuer wagen möchte, habe ich mich auch gefragt, was ich will und ob ich noch die Energie habe. Das war der Fall. Vom Kopf und vom Körper her hatte ich noch massiv Bock, mich noch einmal in einer anderen Liga zu beweisen.

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Vom Kopf und vom Körper her hatte ich noch massiv Bock, mich noch einmal in einer anderen Liga zu beweisen.

Lewis Holtby

Ex-Kapitän von Holstein Kiel

Und da hat Breda an sich gut gepasst?

Der Verein hat bei der Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt. Ich bin ein Spieler, der emotionale Klubs, Traditionsvereine mag. Alle sind hier mit Leidenschaft dabei, auch die Fans. In unserem Stadion herrscht immer eine tolle Atmosphäre, aber auch auswärts gibt es immer super Support. So etwas gibt mir persönlich auch noch einmal Motivation.

War Ihnen vor der Saison klar, dass es nicht unbedingt um die Champions-League-Plätze geht?

Bei NAC gab es einen Umbruch im Sommer. Da sind viele Parallelen zu Holstein Kiel. Wir sind dominant im Ballbesitz, erspielen uns viele Chancen, aber machen das Ding nicht rein. So sind wir unten reingerutscht, obwohl wir in den meisten Spielen die Chance hatten zu punkten. Selbst gegen die Spitzenklubs, wie nach dem Heimspiel gegen PSV Eindhoven oder auswärts bei Ajax Amsterdam haben wir uns am Ende gefragt, wie wir verloren haben. Wir bleiben aber weiter am Ball, weshalb ich überzeugt bin, dass wir noch viele Punkte holen werden.

Ex-Kapitän sieht Parallelen zu Situation bei Holstein Kiel

Wie gehen Sie die Situation an?

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In so einer Situation muss man zunächst einmal Ruhe bewahren, alles vernünftig analysieren und seine Arbeit erledigen. Einen anderen Spielstil zu etablieren, würde nur zu Chaos führen. Wir müssen weiter an die Dinge glauben, die wir machen, galliger und effizienter werden. Das ist eine geile Aufgabe, aber da unten spielt niemand gerne. Deshalb müssen wir schnell aus dem Tabellenkeller rauskommen. Der Abstand zu den oberen Regionen ist zum Glück nicht so groß.

Ihre Mentalität scheint gut anzukommen. Sie haben sogar relativ schnell von den Fans ein eigenes Lied bekommen. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Als eine riesige Wertschätzung. Ein bisschen hat mich das an die englische Fankultur erinnert. Ich finde es cool, meine Kinder lieben es auch und drehen jedes Mal komplett durch, wenn sie es hören. Der Mann, der es getextet hat, meinte, dass alle so froh darüber sind, dass ich hier spiele. Das will ich doppelt und dreifach zurückzahlen und Gas geben auf dem Platz.

Mit dem Verein haben Sie offensichtlich eine gute Wahl getroffen. Wie schaut es mit der Stadt aus?

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Wir haben uns in Breda sehr gut eingelebt. Es ist ein paar Grad ruhiger, aber sehr hübsch und das Wasser ist nie weit weg. Alle großen Städte in den Niederlanden sind bequem zu erreichen, auch Belgien ist direkt um die Ecke. Zudem wohnen meine Mutter und meine Geschwister nur anderthalb Stunden entfernt. Dennoch empfinde ich auch großen Respekt für meine Frau und meine Kinder, wie schnell sie es hier angenommen haben. Vor und während des Umzugs waren es wilde Wochen, aber seitdem wir angekommen sind, fühlen wir uns alle sehr wohl. Zudem ist es für uns alle eine Bereicherung, eine neue Kultur und eine neue Sprache kennenzulernen.

Kontakt nach Kiel weiter gut – Rückkehr nicht ausgeschlossen

Gibt es aber dennoch Dinge an Kiel, die Sie vermissen?

Das eingespielte Leben. Ich hatte in Kiel eine wunderschöne Zeit. Vier Jahre, an deren Ende wir uns gefragt haben, wie schnell diese eigentlich vergangen sind. Jetzt gibt es erst einmal eine Pause, aber man weiß ja nie, ob man sich nicht vielleicht noch einmal wiedersieht.

Ein Wiedersehen würde wohl viele Menschen in Kiel freuen. Trifft es Sie noch persönlich, dass es bei den Störchen nicht so läuft oder haben Sie da inzwischen großen Abstand?

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Ich habe immer noch guten Kontakt zu vielen Menschen im Verein, unter anderem mit Steven Skrzybski oder Dirk Bremser. Ich bin noch eng mit Holstein verbunden. Die Situation ist so, wie sie ist. Es gab einen großen Umbruch, bei dem viele neue Spieler auch aus dem Ausland gekommen sind. Die Jungs sind dann vielleicht erst einmal alleine und müssen sich akklimatisieren. Zudem ist die Zweite Liga wirklich schwierig, weil jeder jeden schlagen kann. Wenn der Start dann nicht optimal läuft, verlierst du vielleicht auch etwas Selbstvertrauen, was dir wiederum vorm Tor fehlt. Im Pokal hat die Mannschaft aber in jeder Runde gut gespielt und damit bewiesen, dass die Qualität in ihr steckt. Und das Team wird gut gecoacht. Vielleicht ist die Pause inklusive Trainingslager gut, damit sich alle noch einmal finden können. Dann wird Holstein auch wieder viele Spiele gewinnen.

KN