Skepsis gegenüber dem Euro ist in dem Land am Schwarzen Meer weit verbreitet. Der jüngsten Umfrage von Eurobarometer zufolge lehnen fast die Hälfte der 6,4 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren die europäische Gemeinschaftswährung ab. Schließlich ist die Sorge groß, dass mit der Währungsumstellung die Preise steigen werden.

Brüssel versuchte zu beschwichtigen und versprach Wohlstand sowie Sicherheit. Die Vorteile eines Beitritts zur Euro-Zone seien „erheblich“, sagte etwa die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, kürzlich in Sofia. Sie verwies auf einfacheren Handel, niedrigere Kosten und stabilere Preise. Die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise würden „moderat und nur von kurzer Dauer“ sein, so Lagarde.

Kunden in einem bulgarischen Supermarkt

Reuters/Fedja Grulovic

Rund die Hälfte der Bevölkerung ist gegen den Euro – aus Furcht vor Preissteigerungen

Euro „Möglichkeit, dass Bulgarien reicher wird“

Auch das bulgarische Finanzministerium und die Nationalbank BNB hatten mit den Vorteilen geworben: „Der Beitritt zur Euro-Zone ist eine Möglichkeit, dass Bulgarien reicher wird.“ Der Euro werde dem Fremdenverkehr helfen und bulgarischen Herstellern den Handel mit Europa und der Welt erleichtern.

Österreich

Österreichische Firmen in Bulgarien erwarten Rückenwind durch Euro

Dazu kommt: Jedes weitere Land im gemeinsamen Währungsraum erleichtert Handel und Reisen. Wer in Bulgarien investieren will, muss sich keine Sorgen mehr um Wechselkurse machen. Österreichische Unternehmen in Bulgarien rechnen für 2026 jedenfalls mit höheren Umsätzen, mehr Aufträgen, mehr Beschäftigten und höheren Investitionen.

Vom Lew zum Euro

Bulgarien, das seit 2007 Mitglied der EU ist, hatte 2020 gemeinsam mit Kroatien den Beitrittsprozess zum Euro-Raum gestartet. Kroatien übernahm die einheitliche Währung bereits 2023. Mehrere bulgarische Regierungen setzten sich für einen Wechsel von der derzeitigen Währung Lew zum Euro ein.

Befürworter betonen, der Euro werde nicht nur die Wirtschaft ankurbeln, sondern auch die Verbindungen zum Westen stärken und Bulgarien gegen den Einfluss Russlands abschirmen. „Mit der Einführung des Euro macht Bulgarien nun den letzten Schritt in Richtung der Europäischen Währungsunion und nimmt seinen rechtmäßigen Platz im Herzen Europas ein“, sagte etwa Lagarde.

Warnung vor europakritischen Kampagnen

Andere warnen indes davor, dass mögliche Probleme bei der Euro-Einführung von europakritischen Politikern ausgenutzt werden könnten. Im Land gibt es etwa Widerstand gegen den Euro vonseiten der prorussischen, nationalistischen Oppositionspartei Wasraschdane (Wiedergeburt), die im Europaparlament in derselben Fraktion sitzt wie die AfD.

Derlei Probleme würden zum Teil ihrer politischen Kampagne werden, sagte Borjana Dimitrowa vom Umfrageinstitut Alpha Research AFP. Das schaffe „eine Grundlage für eine gegen die EU gerichtete Rhetorik“. Entscheidend für einen nahtlosen Übergang zwischen Lew und Euro wird laut Beobachtern die politische Stabilität in Sofia sein.

„Die Herausforderung wird darin bestehen, mindestens ein bis zwei Jahre lang eine stabile Regierung zu haben, damit wir die Vorteile des Beitritts zum Euro-Raum voll ausschöpfen können“, sagte der Ökonom des Instituts Open Society in Sofia, Georgi Angelow, AFP.

Ein Demonstrant hält ein Transparent bei einer Demonstration gegen den Beitritt Bulgariens zur Eurozone.

Reuters/Spasiyana Sergieva

Massenproteste führten Anfang Dezember zum Rücktritt der Regierung – Lew bedeutet auf Bulgarisch Löwe

Proeuropäische Regierung zurückgetreten

Derzeit scheint politische Stabilität in Bulgarien jedoch in weiter Ferne. Anfang Dezember war die prowestliche bulgarische Regierung unter Ministerpräsident Rossen Scheljaskow nach Massenprotesten gegen Korruption zurückgetreten. Bulgarien wird somit am 1. Jänner den Euro ohne eine reguläre Regierung und ohne einen Staatsetat für 2026 einführen. Es soll vorerst der verlängerte Haushalt 2025 gelten.

Auslöser der Proteste mit Zehntausenden Teilnehmern war der Haushaltsentwurf der Regierung für 2026, der nach Ansicht der Regierungsgegner die im Land grassierende Korruption verschleierte. Die Regierung zog den Haushaltsentwurf daraufhin zurück, die Proteste hielten jedoch an. Nach dem Rücktritt gelten Neuwahlen nun als wahrscheinlich. Nach ähnlichen Protesten im Jahr 2020 gegen die damalige Regierung hat das südosteuropäische Land bereits sieben vorgezogene Neuwahlen erlebt.

Bulgarien ist das ärmste Land in der EU. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International landete Bulgarien neben Ungarn und Rumänien zuletzt auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedsstaaten.