Böller und Raketen gehören für viele Menschen zum Jahreswechsel. Es gilt: Wer böllert und Raketen verschießt, muss den dabei bestehenden Müll selbst beseitigen. Das allerdings geschieht vielerorts nicht, weshalb Kostenpflichtiger Inhalt die Beschäftigten der Mags noch allerhand zu tun haben zum Jahresbeginn. Traditionell bekommen sie an einer Stelle jedoch freiwillige Hilfe: Wie bundesweit in Städten kehren auch in Mönchengladbach Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Gemeinde symbolträchtig die Reste von der Neujahrsnacht auf.

Ausschließlich Männer und Jungs haben am Neujahrsmorgen auf dem Marktplatz in Rheydt die Reste des Feuerwerks aufgekehrt. Ziel der Aktion sei es, das neue Jahr „mit einer positiven, konstruktiven Geste zu eröffnen, das Stadtbild zu verschönern, Verantwortung für den öffentlichen Raum zu übernehmen und durch unaufdringliche Hilfe das Vertrauen und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu stärken“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Indem Gemeindemitglieder aktiv Müll beseitigten, solle ein Signal für Rücksichtnahme, Sauberkeit und respektvolles Miteinander gesendet.

Die Aktion fand zum 30. Mal statt. In Vorjahren waren Mitglieder der Gemeinde auch auf dem Alten Markt in Gladbach unterwegs, seit einiger Zeit in Rheydt. Nach einem Friedensgebet wurde – organisiert von der Ahmadiyya Muslim Jugend – in Kleingruppen, die mit Handschuhen, Greifzangen und Besen ausgestattet waren, Müll in mehr als zwei Dutzend Säcken gesammelt. Etwa 35 Mitglieder waren diesmal laut eigenen Angaben beteiligt, sammelten außer Feuerwerksresten auch Flaschen, Verpackungen und anderen Abfall.

Die islamische Gruppierung entstand Ende des 19. Jahrhunderts im indischen Raum und bezeichnet sich als liberal und offen, gleichzeitig aber als wertekonservativ. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ist sie aber nicht komplett akzeptiert, viele orthodoxe Moslems grenzen sich von ihr ab, ihre Mitglieder werden in einigen Ländern sogar verfolgt. Sie flüchteten, ließen sich in England, aber auch in Deutschland nieder. Einige Kritiker werfen der Ahmadiyya vor, Frauen seien nicht wirklich gleichberechtigt. Die Anhänger betonen hingegen die Gleichwertigkeit – trotz Trennung der Geschlechter.