US-Präsident Donald Trump ist vom Auslandsgeheimdienst CIA darüber unterrichtet worden, dass die Ukraine nach Überzeugung der US-Agenten weder den russischen Machthaber Wladimir Putin noch eine von dessen Residenzen angegriffen hat. Diese Erkenntnisse teilte CIA-Direktor John Ratcliffe Trump mit, wie zuerst das Wall Street Journal berichtet hatte. Putin und andere russische Offizielle hatten zu Wochenbeginn der Ukraine vorgeworfen, in einem „terroristischen Akt“ 91 Langstreckendrohnen auf ein Anwesen des Präsidenten in Nordwestrussland abgefeuert zu haben.
Kremlsprecher Dmitrij Peskow beschuldigte Kiew, so den von Trump vorangetriebenen Verhandlungsprozess für ein Ende des Krieges in der Ukraine „stören“ zu wollen, und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen. Moskau sei womöglich gezwungen, seine Verhandlungspositionen zu überdenken. Putin hatte Trump auch persönlich angerufen, um von der angeblichen Attacke zu berichten. Am Mittwoch hatte Russland erstmals mögliche Beweise für den Angriff präsentiert, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von Fälschungen.
Trump verbreitet Artikel, der Putin scharf kritisiert
Der US-Präsident äußerte sich bisher nicht direkt zu den Erkenntnissen der CIA, die auch Medien wie CNN und der New York Times von US-Offiziellen bestätigt wurden. Wie so vieles bei Trump ist auch dessen Verhältnis zu den Nachrichtendiensten ungewöhnlich. In seiner ersten Amtszeit misstraute er CIA und FBI stark, weil diese Moskau vorgeworfen hatten, sich zugunsten Trumps in die Wahl 2016 eingemischt zu haben. Der Republikaner sah seinen Erfolg geschmälert. Im Juli 2018 widersprach Trump nach seinem Gipfel mit Putin in Helsinki vor laufenden Kameras der Einschätzung der Bundespolizei FBI: „Putin sagt, dass Russland es nicht war. Ich sehe keinen Grund, warum es das hätte tun sollen.“
Sechseinhalb Jahre später wird daher sehr genau registriert, dass Trump kurz vor dem Jahreswechsel auf seinem Netzwerk Truth Social einen Leitartikel der Boulevardzeitung New York Post teilte, der Putin als „einziges Hindernis auf dem Weg zum Frieden“ bezeichnete. Der Artikel listet nicht nur die Kriegsverbrechen auf, die Russland seit Februar 2022 in der Ukraine unter anderem gegen Zivilisten begeht, sondern argumentiert, dass die Drohnenattacke auf Putins Villa nie stattgefunden habe. Dem Diktator wirft die Post auch vor, sich für „Lügen, Hass und Tod“ entschieden zu haben und kein Ende des Krieges anzustreben: „Wie in Alaska wurde Putin Frieden angeboten, und stattdessen spuckte er Amerika ins Gesicht.“
Putin gab sich zum Beginn des Jahres 2026 siegessicher. „Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandeuren zum beginnenden neuen Jahr! Wir glauben an sie und an unseren Sieg“, sagte er laut einem von Staatsmedien veröffentlichten Text der aufgezeichneten, gut drei Minuten langen Videoansprache. Seine Soldaten nannte Putin erneut „Helden“. Er erwähnte die von Trump vorangetriebenen Verhandlungen für einen Stopp der Kämpfe mit keiner Silbe. Um seinen völkerrechtswidrigen Angriff auf das Nachbarland zu finanzieren, erhöht der Kreml die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sagte in seiner Neujahrsbotschaft hingegen: „Wir wollen ein Ende des Krieges, aber kein Ende der Ukraine.“ Die Menschen in seinem Land „glaubten an den Frieden, kämpften dafür und arbeiteten dafür“. Sie seien zwar erschöpft, aber nicht bereit, sich zu ergeben. Selenskij, der Trump gerade erst in Florida getroffen hatte, betonte erneut, dass der Friedensplan „zu 90 Prozent“ fertig sei.
Die Beratungen gingen auch an Silvester weiter. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff schrieb auf X von einem „konstruktiven Gespräch“, das Außenminister Marco Rubio, Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und er mit Selenskijs Unterhändler Rustem Umerow sowie den außenpolitischen Beratern von Bundeskanzler Friedrich Merz, dem britischen Premier Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geführt hätten. Es sei unter anderem um Sicherheitsgarantien und die Entwicklung „effektiver Deeskalationsmechanismen“ gegangen. Macron kündigte in seiner Neujahrsansprache an, dass beim Treffen der „Koalition der Willigen“ am 6. Januar in Paris „viele europäische Staaten und Verbündete konkrete Zusagen“ machen würden, wie die Ukraine geschützt werden solle.
Unterdessen wurde auch über den Jahreswechsel weitergekämpft. Die ukrainische Luftwaffe meldete, Russland habe in der Nacht mit 205 Kampfdrohnen angegriffen. Die Ukraine attackierte wiederum russische Ölanlagen mit Drohnen. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau wurde ein Tanklager getroffen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es seien über Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden. All diese Zahlen lassen sich nicht überprüfen. Keine Foto- oder Videobelege gab es für einen Bericht der russischen Besatzungsverwaltung im südukrainischen Gebiet Cherson, wonach mindestens 24 Menschen durch ukrainische Drohnentreffer auf eine Silvesterfeier getötet worden seien.