Ein Grad Lufttemperatur, ein kalter Wind weht über den Grötzinger Baggersee und kräuselt das Wasser, der Himmel ist bedeckt. Ein lauter Countdown hallt vom Ufer herüber, und dann stürzen sich 187 mutige Menschen fröhlich ins eiskalte Wasser.
Kultiges Neujahrsschwimmen am Grötzinger Baggersee. Wer wagt sich in die Fluten bei eisigen Temperaturen?
Foto: Jörg Donecker
vor 2 Stunden
2 Minuten
vor 2 Stunden
Was vor über 20 Jahren als spontane Idee unter Freunden begann, hat sich mittlerweile zu einer festen Tradition entwickelt: das Neujahrsschwimmen der DLRG-Ortsgruppe Durlach im Grötzinger See.
An diesem 1. Januar 2026 tummeln sich 187 Schwimmer am Ufer. Noch sind alle dick eingepackt, einige tragen lustige Kopfbedeckungen – von Pinguinen über Flamingos bis hin zu Wikingerhelmen. Die Stimmung ist von Vorfreude und Nervosität geprägt. „Ich habe so richtig Bock!“, sagt die 49-jährige Katrin Braunagel, die sich heute mit ihrer Freundin Johanna erstmals in das eisige Nass wagt. Auch Michael Kleß aus der Südstadt ist das erste Mal dabei und freut sich auf „einen Kick ins neue Jahr“.
Klemi Kovac und Nataly Riemensperger sind hingegen bereits alte Hasen. „Wir steigen jedes Wochenende ins kalte Wasser“, sagt Klemi. „Das Neujahrsschwimmen verbindet uns, und ich freue mich riesig auf die Gaudi!“
Auch junge Teilnehmer wie die Geschwister Nele (14) und Tom (11) sind erneut dabei. Mit ihrem Vater und zwei Freunden warten sie gespannt auf den Start. Ihre beiden älteren Brüder gehören zum Einsatzteam und sind auf dem Wasser mit dem Rettungsboot unterwegs.
Endlich ist es so weit: Robin Hermann, Leiter des DLRG-Einsatzteams, bittet die Schwimmer in den Startbereich. Hier beginnt das große Bibbern – ab jetzt gibt es nur noch Badebekleidung und Mütze. Hüpfen auf der Stelle, Händereiben, Gänsehaut, erwartungsvolle Gesichter und ein letztes Schulterklopfen. „Viel Glück!“
Im Kontrast zu den Schwimmern stehen die Zuschauer: Sie verfolgen das Spektakel aus der Ferne, dick eingepackt in Winterjacken, Schals und Mützen. Die Begleitung von Klemi und Nataly lacht: „Solange wir nur zuschauen und nicht mitmachen müssen, sind wir immer gerne dabei.“
Die Wassertemperatur wird mit 5 Grad Celsius bekannt gegeben, und Hermann mahnt: „Achten Sie auf sich und Ihren Körper. Gehen Sie es in Ihrem eigenen Tempo an.“ Dann folgt der Countdown, alle stimmen mit ein.
„Null!“, und los geht’s: Einige stürzen sich fröhlich ins kalte Wasser, andere gehen vorsichtig Schritt für Schritt hinein. Für manche ist es ein kurzes Abenteuer, für andere ein bis zu 20-minütiger Badespaß.
Glücksgefühl nach dem Sprung ins eiskalte Wasser
Aber eines haben alle Neujahrsschwimmer gemeinsam: den Stolz und das Glücksgefühl, als sie wieder ans Ufer kommen. „Es fühlt sich an wie Nadelstiche, aber jetzt bin ich superhappy!“, erzählt die 21-jährige Nadja König. Auch Claudia Börsting strahlt. Sie kennt den Trick, wie man es sich einfacher macht: „Nicht nachdenken! Punkt.“
Für Katrin Braunagel steht nach ihrem ersten Eisbad fest: „Ich werde Wiederholungstäterin!“ Auch ihre Freundin Johanna ist begeistert: „Ich habe so etwas noch nie erlebt! Ein ganz besonderes Erlebnis!“
Und wie sieht es mit den Geschwistern Nele und Tom aus? Werden sie auch im nächsten Jahr wieder mit dabei sein? Sie sind sich einig: „Auf jeden Fall!“
Klar ist auch: Der Erfolg des Neujahrsschwimmens wäre nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der 45 freiwilligen Helfer möglich gewesen, darunter 21 Einsatzkräfte, die während der gesamten Veranstaltung sicherstellten, dass alle Schwimmer wohlbehalten wieder aus dem Wasser kamen.