
Die Hessinnen und Hessen haben das neue Jahr mit Feuerwerk begrüßt. Die Silvesternacht hielt aber auch Ordnungs- und Rettungskräfte in Atem. In Frankfurt wurden Rettungsfahrzeuge eingekesselt und angegriffen. Es gab etliche Brände, ausgelöst durch Feuerwerkskörper.
Same procedure as every year: Auch das Jahr 2026 wurde in allen Orten Hessens mit Feuerwerksraketen und Böllerschüssen eingeläutet. Aber nicht immer blieb es in der Silvesternacht harmlos oder friedlich – auch das ist eine wiederkehrende Feststellung zum Jahresstart.
Größere Zwischenfälle seien glücklicherweise ausgeblieben, teilte das Innenministerium in Wiesbaden mit. Die Polizei registrierte silvestertypische Straftaten wie etwa Schlägereien, Körperverletzungen und Brände, oftmals ausgelöst durch Feuerwerkskörper.
Frankfurt: Böller auf Einsatzkräfte
In Frankfurt wurden nach Auskunft der Polizei Einsatzkräfte mit Böllern beworfen. Vorfälle gab es demnach zum Beispiel auf der Zeil. Dort wie auch an Haupt- und Konstablerwache sowie dem Eisernen Steg war Böllern seit dem Abend verboten. Die Verbotszonen haben sich laut Polizei bewährt, es seien nur vereinzelt Böller und Raketen gezündet worden.
Die Polizei war mit mehr als 700 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. Sie sprachen im Lauf des Abends und der Nacht etwa 200 Platzverweise aus und nahmen 73 Menschen fest, wie es in einer Mitteilung am Donnerstag hieß.
Männer zünden Feuerwerk auf der Alten Brücke in Frankfurt.
Der Eiserne Steg und der Holbeinsteg mussten zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden. Die zwei Fußgängerbrücken verbinden die Innenstadt und Sachsenhausen und sind traditionell Treffpunkte für viele, um das Silvesterfeuerwerk vor und zwischen den Hochhäusern in der City anzuschauen.
Frankfurt: Rettungswagen blockiert und angegriffen
Am Mainufer wurden Rettungskräfte der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und Polizeibeamte nach eigenen Angaben mit Böllern beworfen. Die DLRG-Kräfte mussten schon bald nach dem Jahreswechsel Menschen mit Böllerverletzungen versorgen und solche, die zu viel Alkohol getrunken hatten.
Auf Wiedersehen, 2025! Silvesterfeuerwerk in der Frankfurter Innenstadt.
Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) meldete einen Angriff, über den die Polizei informierte: In der Fahrgasse, die von der Konstablerwache abgeht, blockierte eine größere Gruppe von Menschen einen Rettungswagen. Manche von ihnen beschädigten den Wagen durch Schläge und Tritte und rissen Teile davon ab.
Ein Mitarbeiter stieg aus und wurde zusammengeschlagen. Die Randalierer drangen in den DRK-Wagen ein und legten eine bewusstlose Frau auf die Behandlungsliege – sie solle in ein Krankenhaus gebracht werden. Als der Rettungswagen losfuhr, wurde er mit Pyrotechnik beschossen.
In den Stadtteilen Griesheim, Ginnheim, Rödelheim und Bonames kam es jeweils zu Angriffen auf Feuerwehrleute. Sie waren dorthin ausgerückt, um brennende Straßenblockaden aus Mülltonnen und Einkaufswagen zu löschen. Polizeistreifen begleiteten fortan die Feuerwehr bei Einsätzen in den nördlichen Stadtteilen.
In Preungesheim half ein spezielles Einsatzfahrzeug der Polizei – ein sogenannter Räumpanzer – die Hindernisse wegzuräumen. Medienberichte, wonach dort zuvor ein Rettungswagen blockiert worden sein soll, konnte die Polizei auf hr-Nachfrage nicht bestätigen.
Wiesbaden: Toter nach Streit
In der Wiesbadener Innenstadt kam es in der Silvesternacht nach Angaben der Polizei zu einem tödlichen Streit. Wie die Polizei am Vormittag mitteilte, war dabei ein Messer im Spiel. Um kurz nach Mitternacht gerieten demnach vier Menschen aneinander. Dabei sei ein junger Mann getötet worden, ein anderer kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.
Stadt und Kreis Offenbach: Böllerwürfe auf Autos
Das Polizeipräsidium Südosthessen meldete für den Kreis Offenbach einige unschöne Silvestervorkommnisse. In Langen hätten Menschen von einer Brücke über der Bundesstraße 486 herab Böller auf vorbeikommende Autos geworfen und Raketen in ihre Richtung abgefeuert. So etwas sei laut Zeugenaussagen auch in Rodgau an der B45 passiert.
In Dietzenbach wurde die Besatzung eines Rettungsfahrzeugs zu einem Einsatz in einem 16-stöckigen Mehrfamilienhaus gerufen. Als sie die Patientin in ihr Fahrzeug verluden, wurden die Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen. Die Polizei verdächtigt eine 18-Jährige, aus einem oberen Stockwerk Feuerwerkskörper nach unten geschleudert zu haben. Sie habe die Einsatzkräfte nur knapp verfehlt.
Ebenfalls in Dietzenbach griff ein 63-Jähriger eine Rettungssanitäterin an – obwohl er selbst es war, den sie behandelte. Er verletzte die 32-Jährige leicht und beruhigte sich auch nach seinem Transport in ein Krankenhaus nicht. Dort versuchte er, einem herbeigerufenen Polizisten ins Gesicht zu schlagen.
In Offenbach-Lauterborn warfen Unbekannte Böller in Richtung eines Streifenwagens, in Rodgau ebenfalls. Dort sprach die Polizei Platzverweise aus. Anwohner in Obertshausen meldeten der Polizei, zwischen Freizeitbad und B448 ballerten Menschen mit Schreckschusswaffen herum. In Hainburg soll ein 19-Jähriger verbotenerweise mit einer Schreckschusswaffe mehrmals um sich geschossen haben.
Dietzenbach: Sack mit selbst gebastelten Feuerwerkskörpern
Und noch eine Meldung aus der Kreisstadt des Kreises Offenbach: Ein Mann gab bei der Polizei in Dietzenbach am Nachmittag des Silvestertags einen Sack mit „offensichtlich unüblichen Knallkörpern, viele davon augenscheinlich hochsprengfähige Selbstlaborate“ ab, wie es im Polizeibericht heißt. Der Sack sei offenbar in einem Mülltonnenverschlag vor einem Wohnhaus in der Westendstraße deponiert worden.
Main-Kinzig-Kreis: Rakete auf Mann gefeuert
In Langenselbold und in Nidderau sollen am Silvesterabend Menschen Böller auf Passanten und parkende Fahrzeuge geworfen haben. In Erlensee sollen zwei Männer im Alter von 22 und 34 einen 35-Jährigen mit einer Silvesterrakete beschossen und beinahe getroffen haben. Schließlich sollen sie ihn geschubst und mit einer Schreckschusswaffe geschlagen haben. Die Polizei nahm die beiden mit auf die Wache.
In Hanau, das streng genommen seit Mitternacht nicht mehr zum Main-Kinzig-Kreis gehört und nun eine kreisfreie Stadt ist, beobachtete eine Polizeistreife einen 58-Jährigen, wie er eine Schreckschusswaffe in die Luft abfeuerte. Die Beamten nahmen sie ihm weg.
Relativ ruhige Nacht in Ost-, Mittel- und Südhessen
Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen in Fulda sagte, die Silvesternacht sei „ausgesprochen ruhig“ gewesen. Es habe die üblichen Kleinbrände von Mülleimern, Kleidercontainern oder Hecken gegeben. Die Polizei in Gießen, die Mittelhessen überblickt, hatte nach den Worten eines Sprechers zwar „alle Hände voll zu tun“. Glücklicherweise habe es sich nur um viele „kleine Scharmützel“ gehandelt.
Ein Sprecher der Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt sprach von einer „ruhigen Nacht“. Die Leitstelle habe etwas mehr als 35 Brände in den ersten Stunden des Jahres verzeichnet.
In Messel (Darmstadt-Dieburg) brannte der Dachstuhl eines Hauses. Die Feuerwehr erstickte die Flammen zügig. Der Schaden dürfte bei mehreren zehntausend Euro liegen. In Bad König (Odenwald) hörten Anwohner erst Knallgeräusche und entdeckten dann einen Balkonbrand. Wie hoch hier der Schaden ist, war zunächst unklar. In Groß-Gerau verirrte sich eine Rakete in die Dachrinne eines Hauses und brannte dort ab, ohne größeren Schaden zu verursachen.
Innenminister: 14 verletzte Polizisten
Nach Angaben des Innenministers Roman Poseck (CDU) wurden 14 Polizisten bei Einsätzen rund um den Jahreswechsel verletzt. Acht Beamte seien nicht mehr dienstfähig gewesen. „Glücklicherweise handelt es sich dabei um eher leichte Verletzungen“, sagte Poseck, darunter Augenverletzungen durch Funkenschlag und Knalltraumata.
Der Innenminister erinnerte daran, dass der Einsatz von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften Anerkennung und Respekt verdiene: „Sie verzichten aufs Feiern, um die Sicherheit anderer zu gewährleisten.“ Angriffe auf sie seien „völlig unverständlich und inakzeptabel“.
Frankfurt: 166 Brände, mehr als 550 Einsätze
Auch die Frankfurter Feuerwehr zog am Neujahrstag Bilanz. Sie zählte in der gesamten Nacht mehr als 550 Einsätze. Der Rettungsdienst sei überwiegend wegen chirurgischer Verletzungen sowie medizinischer Notfälle nach zu hohem Alkoholkonsum, außerdem wegen hilfloser Personen und Verletzungen durch Pfefferspray gerufen worden.
Die Kräfte der Feuerwehr seien hauptsächlich durch viele kleine Brände beschäftigt gewesen. Am häufigsten brannten demnach Papierkörbe, Müllbehälter, Altkleidungscontainer, Unrat, Gestrüpp oder Hecken. Vier Balkone brannten, wobei jeweils ein Übergreifen auf die Wohnungen verhindert wurde. Die Branddirektion Frankfurt verzeichnete in der einsatzstärksten Nacht des Jahres zwischen 19 und 6 Uhr insgesamt 166 Brände, elf Hilfeleistungen und 269 Rettungsdiensteinsätze.
Bad Endbach: Mehrfamilienhaus nach Brand unbewohnbar
Am frühen Neujahrsmorgen brach im Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Bad Endbach (Marburg-Biedenkopf) ein Feuer aus. Der Brand aus bislang ungeklärter Ursache wurde gegen 6.20 Uhr gemeldet. Den Schaden schätzt die Polizei auf 350.000 Euro. Das Haus sei derzeit nicht bewohnbar. Der Dachstuhl sei abgebrannt.
Die Bewohner retteten sich selbstständig aus dem brennenden Haus. Ein 26-Jähriger kehrte danach zurück und zog sich schwere Verletzungen an den Händen zu. Er hatte wohl vermutet, dass sich noch Menschen im Gebäude aufhielten. Dem war nicht so, wie die Polizei meldete. Zwei andere Bewohner erlitten leichte Rauchgasvergiftungen. Keiner der Verletzten musste ins Krankenhaus.
Kassel: Keller- und Dachstuhlbrand
Im Stadtgebiet von Kassel kam es zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Kurz nach Mitternacht wurden die Einsatzkräfte zu einem Brand in einem Kellerraum gerufen. 13 Personen erlitten Rauchgasvergiftungen. Sie kamen in Krankenhäuser. Die Brandursache war zunächst unklar. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Schaden auf bis zu 80.000 Euro.
Gegen 1 Uhr wurde in der Holländischen Straße ein Dachstuhlbrand gemeldet. Nach Angaben der Einsatzkräfte war der Brand schnell unter Kontrolle. Verletzt wurde niemand, da die Bewohner der betroffenen Wohnung sich im Urlaub befinden.
Kreise Offenbach und Main-Kinzig: Balkon-, Garagen- und Hüttenbrände
Rund 40.000 Euro beträgt der Schaden, der am Silvesterabend bei einem Balkonbrand in Dreieich entstand. Vermutlich wurde eine Feuerwerksrakete fehlgeleitet, so die Polizei. Eine Fensterscheibe zersprang, Rauch zog in die Wohnung. Beim Brand einer Gartenhütte in Dreieich beschädigten Rauch und Hitze eine benachbarte Hütte. Der Schaden wird hier auf 20.000 Euro geschätzt.
Feuerwehreinsatz in einem Garagenhof in Egelsbach.
In Egelsbach brannte es in einer Garage. Das Feuer zerstörte nach Polizeiangaben ein Moped und mehrere Fahrräder. Schaden: etwa 15.000 Euro.
In Nidderau fing schon am frühen Silvesterabend eine Altpapierpresse eines Supermarkts im Nidder-Forum Feuer. Die Feuerwehr hält es für möglich, dass Pyrotechnik den Brand auslöste. Um ihn zu ersticken, musste sie den Container komplett leeren.