Zwischen den Jahren ist nicht viel los im Innenhof des Funkhauses in der Argentinierstraße. Ab Ende Jänner wird das anders sein auf der Wieden: Dann starten die ersten Arbeiten für „Solo“, einen sechsgeschossigen Holz-Hybrid-Neubau, den das Vorarlberger Unternehmen Rhomberg in den Hof des Gebäudekomplexes setzt. 35 Wohnungen wachsen dort bis Ende 2027, Anfang 2028 aus dem Boden, errichtet in der „CREE“ genannten Bauweise aus industriell vorgefertigten, standardisierten Holz-Hybrid-Elementen.
Als erstes kümmert man sich aber um die „Bäume, zwischen denen Solo stehen wird, also deren Wurzelschutz“, erzählt Luca Vogelsinger, Leiter Vertrieb Immobilien bei Rhomberg. Schließlich sollen die künftigen Bewohner von ihren Terrassen zum Funkhaus, aber auch auf und über Baumkronen blicken. Als nächstes folgen 55 Sonden für die Geothermie, dann die Tiefgarage, bevor die Elemente für Solo vor Ort zusammengefügt werden.
Ihren Weg nehmen die Holz-Hybrid-Bauteile durch die gar nicht mal so hohe Zufahrt. Vorbei am großen Sendesaal des Radio-Symphonieorchesters, an Studios und Büros des ORF, unter anderem für die Organisation des ESC im Mai – schließlich nutzt der ORF einige Teile des Areals weiter.
»Mit dem Holz-Hybrid-Bau kommt Vorarlberger Esprit nach Wien-Wieden.«
Luca Vogelsinger
Rhomberg
Das sei schon ein „bisschen eine Herausforderung“ gewesen, sagt Markus Kaplan von den BWM Architekten, die von Rhomberg mit der Gestaltung des neuen Baus und der Umplanung und -gestaltung des Funkhaus-Bestands betraut wurden. „Die Module müssen ja durch die Einfahrt passen.“ Zusammengestellt bilden sie dann ein „Terrassenhaus“ mit großen Freiflächen, Dachgärten, Pergolen, umgeben von Bäumen.
„Wohnen mitten im Grünen“, nennt es Kaplan deshalb, ein großes Asset, speziell „in diesen städtebaulichen, denkmalgeschützten Kubaturen.“ Rötlich schimmern wird in all dem Grün die mineralische Fassade, sie ist nicht aus Holz, wegen der Brandschutzbestimmungen. „Aber dahinter ist alles Holz, die Decken bleiben auch sichtbar“, betont der Architekt.
»Zwischen den Baumkronen: Wohnen mitten im Grünen.«
Markus Kaplan
BWM Architekten
Bei Rhomberg habe man sich schon lange einen Ort für den ersten innerstädtischen Holzhybrid Wiens gewünscht, erzählt Vogelsinger, dass es nun ein so prominenter Platz wurde, für exklusive Wohnungen, freue das Unternehmen besonders. So sorge man auch „für Vorarlberger Esprit in Wien-Wieden“, schmunzelt er. 60 Prozent der Elemente für den Bau werden im Werk vorgefertigt, das reduziere den CO2-Abdruck, „aber genauso die Geräusch-Emissionen und die Bauzeit“, so Vogelsinger.
Einige Schritte weiter, Richtung Theresianumpark, wird der historische Bestand des Funkhauses saniert. Entlang der Südfassade baut Rhomberg 22 Wohnungen in die einstigen Studio- und Büroflächen des ORF, ein Teil im denkmalgeschützten Bestand von Schmid-Aichinger aus den 1930er-Jahren (Bauteil „Echo“), ein anderer im Zubau aus den 1970er-, 80-Jahren (Bauteil „Coda“, ursprünglich geplant von Weber Architekten).
In den zwei Bauteilen Coda und Echo entstehen 22 exklusive Wohnungen. BWM Architects/Telegram71
Der Zubau hätte nicht erhalten bleiben müssen, erzählt Vogelsinger. Gemeinsam mit den BWM Architekten hat man sich aber – aus Respekt vor der Substanz – für das Bauen im Bestand entschieden. Coda bekommt ein vorgesetztes Balkongerüst, optisch angelehnt an den Holz-Hybrid-Neubau, aber in zartgrüner Farbe.
Echo plant man in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt: „Die alten Fenster werden repariert oder rekonstruiert, die Putzfassade wird saniert und innen gedämmt“, nennt Kaplan Beispiele. Außerdem erhält der Bauteil einen „zurückhaltenden Dachaufbau, der vier Meter zurückspringt“, beschreibt der Architekt. Dem Erdgeschoß wird eine Pergola vorgestellt, so können auch im ersten Obergeschoß Balkone integriert werden.
»Der Ort ist für alle positiv konnotiert. Wer hat hier nicht schon schöne Stunden verbracht?«
Elisabeth Rohr
Elisabeth Rohr Real Estate
Noch erinnert in diesen Teilen des Funkhauses einiges an früher, an die Zeit, als man hier Programme plante und Sendungen aufnahm, für Ö1, Ö3 oder FM4. Man kann sich aber auch schon gut vorstellen, wie es sein wird, hier zu wohnen: Hohe Räume, ausgestattet mit Holzböden, großzügigen Grundrissen, Balkonen sollen hier entstehen. Und: „mit freiem Blick über 400 Meter“, betont Elisabeth Rohr, Eigentümerin von Elisabeth Rohr Real Estate, die gemeinsam mit Rhomberg die Wohnungen vermarktet.
Denkmalgeschützte Architektur, nachhaltige Bauweise – und die besondere innerstädtische Lage – machen es für sie „zum derzeit spannendsten Projekt in Wien“. Da sei die Nähe zur Kultur, von Staatsoper bis Akademietheater, zu den Gärten des Belvedere, genauso aber die rasche Anbindung an U-Bahnen und Hauptbahnhof. „Man zieht hier in einen lebendigen Organismus ein“, meint Rohr, es sei alles vorhanden, Kultur, Gastronomie, Szene. „Der Ort ist für alle positiv konnotiert, wer hat hier nicht schon schöne Stunden verbracht?“
Blick über den Theresianumpark: Freie Sicht über 400 Meter weit. BWM Architects/Telegram71
Vorne, im Gebäudeteil an der Argentinierstraße, wird ein Hotel einziehen, hier ist man noch auf der Suche nach einem Betreiber, der gut zu diesem besonderen Ort passt, sagen Vogelsinger und Kaplan. Einen Ort, der ein „gestapeltes Grätzel“ sein soll, wie ihn die BWM Architekten nennen, urban und kreativ, wo gewohnt wird, gearbeitet und Kunst, Kultur, Musik nach wie vor ihren Platz haben. Ein breiter Nutzungs-Mix solle hier einziehen, „um das Gebäude für das Publikum zu öffnen“, beschreibt Kaplan. Das beginne schon beim Vorplatz, der gemeinsam mit dem Landschaftsplanungs-Büro Lindle+Bukor geplant wird. Es wird entsiegelt, begrünt, zonierte Aufenthaltsflächen als Begegnungszonen geschaffen.
Schon länger sind einige Start-ups, Künstler und Kreative hier – Stichwort Zwischennutzung – fanden und finden Festivals statt, Veranstaltungen und Konzerte. Und wer mal vorbeischauen möchte: Man kann auch jetzt schon im AMP-Club tanzen, im AUX gekräutertes Roastbeef essen oder wie gewohnt im Radiokulturhaus Konzerte hören.
Der Vorplatz wird entsiegelt, begrünt und soll eine Begegnungszone werden. BWM Architects/Telegram71
Das Projekt
Ort: Areal des Funkhauses in der Argentinierstraße in 1040 Wien, errichtet in den 1930ern nach Plänen von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger mit Clemens Holzmeister.
Plan: erster innerstädtischer Holzhybrid-Bau „Solo“ mit 35 Eigentumswohnungen im Luxussegment, weitere 22 Wohnungen im Bestand in den Bauteilen „Echo“ und „Coda“. Größen ab 42 bis 202 m2. Preise ab ca. 10.500 Euro pro m2.
Lage: In 1040 kosten neue Eigentumswohnungen im Schnitt ca. 8000 Euro pro m2, Mietwohnungen ca. 15 Euro pro m2.
Infos zu Projekt und Wohnungen: funkhaus.living, rohr-real-estate.com