01. Januar 2026

Matthias Lindner

Ein Tesla-Auto-Logo

(Bild: Tobias Arhelger / Shutterstock.com)

Analysten haben ihre Prognosen für 2026 drastisch gesenkt – die Zahlen liegen weit unter den ursprünglichen Erwartungen.

Die Tesla-Aktie erlebte in der zweiten Jahreshälfte 2025 einen bemerkenswerten Aufschwung. Getrieben wurde diese Entwicklung von Elon Musks Versprechen autonomer Fahrzeuge. Viele Anleger zeigten sich davon begeistert.

Weiterlesen nach der Anzeige

Doch während sie dieser Vision folgten, zeichnen Analysten inzwischen für 2026 ein deutlich pessimistischeres Bild. Die Kluft zwischen Börsenkurs und operativem Geschäft wird größer.

Kursrallye trotz schwacher Verkaufszahlen

Die Marktkapitalisierung von Tesla ist in nur acht Monaten um mehr als 915 Milliarden US-Dollar gestiegen, als die Aktie Mitte Dezember ein neues Allzeithoch erreichte. Firmenchef Elon Musk betonte, wie Bloomberg erklärt, verstärkt die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Robotik.

Die Verkaufszahlen erzählen allerdings eine andere Geschichte. Trotz Rekordauslieferungen im dritten Quartal verkaufte das Unternehmen in den letzten sechs Monaten des Jahres wahrscheinlich weniger Fahrzeuge als im Vorjahr.

„Tesla-Investoren konzentrieren sich darauf, wie das Unternehmen in fünf, zehn oder 15 Jahren aussehen könnte, und lassen das, was sie kurzfristig sehen, völlig außer Acht“, sagte ein Analyst gegenüber Bloomberg.

Drastisch gesenkte Erwartungen

Weiterlesen nach der Anzeige

Für das vierte Quartal 2025 prognostizieren Analysten laut Bericht 440.907 Auslieferungen – ein Minus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tesla veröffentlichte in einem ungewöhnlichen Schritt eigene Schätzungen von nur 422.850 Fahrzeugen, was einem Rückgang von 15 Prozent entspricht, berichtet Bloomberg.

Noch drastischer fällt die Vorschau für 2026 aus. Vor zwei Jahren rechneten Analysten mit über drei Millionen Auslieferungen. Inzwischen liegt der Durchschnitt bei rund 1,8 Millionen Fahrzeugen. Die von Tesla kommunizierten Werte deuten laut Bloomberg sogar auf etwa 1,6 Millionen hin – ein zweiter jährlicher Absatzrückgang in Folge.

Mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig

Das Jahr 2025 begann schwach. Die Produktionsumstellung für das neu gestaltete Model Y belastete die Auslieferungen. Hinzu kam eine Gegenreaktion auf Musks polarisierende Rolle in der Trump-Regierung. Im April war die Aktie im Jahresverlauf um 45 Prozent gefallen.

Die Erholung setzte erst ein, als Musk den Fokus wieder auf die Robotaxi-Vision legte. Im Juni startete Tesla in Austin einen Fahrdienst mit Model-Y-Fahrzeugen unter Aufsicht von Sicherheitsbeauftragten. Bereits am ersten Tag verstießen die Fahrzeuge gegen Verkehrsregeln, was Untersuchungen der Bundesbehörden nach sich zog.

Autonomie-Versprechen unter Druck

Das als „Full Self-Driving“ vermarktete System erfordert weiterhin menschliche Aufsicht. In Kalifornien droht dem Unternehmen eine 30-tägige Aussetzung der Verkaufslizenz wegen des Vorwurfs, die beworbenen Fähigkeiten zu übertreiben.

In China bieten Wettbewerber wie BYD und Xiaomi ähnliche Assistenzsysteme als Serienausstattung an. In Europa fehlt Tesla die behördliche Genehmigung für FSD, während chinesische Anbieter dort an Dynamik gewinnen. Analysten erwarten, dass BYD weltweit zum fünften Mal in Folge mehr batterieelektrische Fahrzeuge verkauft.

Hürden für 2026

Der Wegfall der US-Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge in Höhe von 7.500 US-Dollar belastet die Aussichten. Musk kündigte „einige schwierige Quartale“ an. Als Gegenmaßnahme brachte Tesla Model-Y- und Model-3-Varianten für unter 40.000 US-Dollar auf den Markt.

Gene Munster von Deepwater Asset Management sieht die Messlatte klar: Musk müsse „nur dafür sorgen, dass sich das Autogeschäft im nächsten Jahr stabilisiert, um die Investoren zufriedenzustellen“.

Erwartet wird eine Stagnation oder ein Wachstum von bis zu fünf Prozent – ein bescheidener Rahmen für ein Unternehmen, das einst zweistellige Wachstumsraten versprach.