Jens Langensiepen hat familiäre Wurzeln in Castrop-Rauxel, will nirgendwo anders arbeiten, aber definitiv nicht in die Europastadt ziehen: Der Stadtwerke- und CAWUM-Chef im großen Interview.

Herr Langensiepen, wenn man Ihren Namen in Castrop-Rauxel hört, fallen meistens gleich mehrere Funktionen. In welchen Ämtern und Rollen sind Sie hier eigentlich unterwegs?

Das klingt nicht unbedingt nach einem 50:50-Job. Sind Sie überwiegend für die Stadtwerke im Einsatz und machen CAWUM „nebenbei“?

In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit sieht man Sie öfter in Ihrer CAWUM-Rolle – bei Veranstaltungen, Eröffnungen, der Wirtschaftslounge. In der Stadtwerke-Funktion treten Sie weniger auf. Täuscht dieser Eindruck?

„Plötzlich wurde mir klar: Ich habe familiäre Wurzeln in Castrop-Rauxel“

Bevor wir zu den Stadtwerken und zu CAWUM kommen: Wie waren Ihre Berührungspunkte mit Castrop-Rauxel, bevor Sie 2016 hier angefangen haben?

„Formell war der Wechsel ein Risiko – aber genau der richtige Schritt“

Sie haben Gelsenwasser irgendwann komplett den Rücken gekehrt und sind voll zu den Stadtwerken nach Castrop-Rauxel gewechselt. War das für Sie eher ein Risiko oder eher ein Schritt in Richtung Sicherheit im kommunalen Umfeld?

Hilft es Ihnen in der täglichen Arbeit, dass Sie zwölf Jahre bei Gelsenwasser waren – also genau bei dem Partner, mit dem die Stadtwerke Castrop-Rauxel eng verzahnt sind?

„Die Übernahme von Strom- und Gasnetz war der größte Meilenstein“

Was war der größte Meilenstein der Stadtwerke seit der Gründung?

Beim Gasnetz gibt es demnächst noch eine Änderung beim Netzbetrieb, oder?

Was bedeutet es für die Stadtwerke, Eigentümerin der Netze zu sein – auch wirtschaftlich?

„Junge Stadtwerke, die so wachsen wie wir, gibt es nicht viele“

Können die Stadtwerke Castrop-Rauxel auf dem umkämpften Energiemarkt mithalten?

Wie viele Kundinnen und Kunden haben die Stadtwerke inzwischen?

Viele wechseln ihren Stromanbieter jedes Jahr wegen Neukundenboni und Lockangeboten. Können Sie mit solchen Dumpingpreisen mithalten – oder setzen Sie bewusst auf andere Vorteile?

Das heißt: Sie wollen gar nicht die Kunden, die jedes Jahr wechseln?

Wie sieht Ihre konkrete Preis- und Treue-Strategie aus?

Rechtsstreit mit E.ON war ein Drahtseilakt

Dann lassen Sie uns über den Rechtsstreit mit E.ON sprechen. E.ON war nicht begeistert von Ihrem Vorgehen. Was genau ist passiert – und was war Ihre Intention?

Kann man im Volksmund sagen: Die Stadtwerke – oder Sie – sind für die Castrop-Rauxeler Kundinnen und Kunden einen rechtlichen Drahtseilakt gegangen?

Kurz gefragt: Hat die Aktion nachhaltig geschadet – oder stehen Sie heute unterm Strich besser da als vorher?

„Die Stadtwerke arbeiten profitabel – aber sie werden die städtischen 40 Millionen nicht lösen“

Wie profitabel sind die Stadtwerke – und können sie die finanzielle Situation der Stadt Castrop-Rauxel spürbar verbessern?

„CAWUM und ‚CAS kann‘: Hidden Champions sichtbar machen“

Kommen wir zu Ihrem zweiten großen Baustein: der Wirtschaft & Marketing Castrop-Rauxel GmbH, kurz CAWUM. Dort haben Sie gerade die Standortkampagne „CAS kann“ gestartet. Was steckt dahinter?

Der direkte Nutzen liegt ja vor allem bei den Unternehmen – Bekanntheit, Fachkräftegewinnung, neue Kooperationen. Was hat der „normale“ Bürger davon?

Auf der Kampagnenseite kann man gut sehen, was Castrop kann. Was braucht Castrop aus wirtschaftlicher Sicht noch?

Castrop-Rauxel liegt eingekesselt zwischen großen Städten. Viele Menschen wohnen hier, arbeiten aber in Dortmund oder Bochum. Ist das ein Nachteil im Standortwettbewerb?

Sie sind mit CAWUM auch hauptverantwortlich für viele große Feste in der Stadt. Dieses Jahr wurde viel gefeiert – und im kommenden Jahr steht das 100-jährige Stadtjubiläum von Castrop-Rauxel an. Es gibt Kritik, dass zu viel Geld in Veranstaltungen fließt. Was sagen Sie denen, die finden, das Geld werde an anderen Stellen dringender gebraucht?

Ein Mitarbeiter von Ihnen hat mal zu mir gesagt: „Wer will, kann in Castrop-Rauxel im Sommer jedes Wochenende etwas unternehmen.“ Teilen Sie diese Einschätzung?

In Zukunft kommt noch die Forum GmbH als weiterer Bereich dazu. Werden Sie dort alles auf den Kopf stellen?

Es gibt auch Kritik aus der Kulturszene – zum Beispiel am Weihnachtsdorf. Da heißt es, die Kleinkunst werde zurückgefahren, der Partybereich immer größer. Wie gehen Sie damit um?

„Ich brauche Freiheitsgrade – die habe ich hier in Castrop-Rauxel“

Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie sind für Ihre Karriere nach Castrop-Rauxel gekommen – Ihr Lebensmittelpunkt liegt aber nach wie vor nicht hier. Warum bleiben Sie trotzdem – und warum ziehen Sie nicht ganz nach Castrop-Rauxel?

Und warum wohnen Sie dann nicht hier?