Frankreich will Social-Media-Plattformen für unter 15-Jährige gesetzlich sperren und erweitert Handyverbote an Schulen. Der Vorstoß könnte europaweit strengere Altersverifikationen erzwingen.
Frankreichs Regierung will Social-Media-Plattformen für Kinder unter 15 gesetzlich sperren – und setzt damit Europa unter Druck. Der Gesetzentwurf könnte den Jugendschutz im Internet neu definieren.
Was steckt hinter dem französischen Vorstoß? Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron hat einen Gesetzentwurf finalisiert, der Plattformen verbieten soll, Nutzern unter 15 Jahren soziale Netzwerke anzubieten. Das berichten internationale Nachrichtenagenturen. Das Gesetz soll bereits im September 2026, zum Start des neuen Schuljahres, in Kraft treten und wird voraussichtlich noch im Januar im Parlament debattiert.
Neben dem Zugangsverbot sieht der Entwurf eine Ausweitung des bestehenden Handyverbots an Schulen vor. Künftig sollen Mobiltelefone nicht nur in Grund- und Mittelschulen, sondern auch in Lycées, den französischen Gymnasien, tabu sein. Damit wären Schüler bis 18 während der Schulzeit offline. Als Begründung führt die Regierung „zahlreiche Studien“ zu Risiken wie exzessiver Bildschirmzeit, Cybermobbing und Schlafstörungen an.
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Globaler Trend: Australien geht voran
Frankreich folgt einem internationalen Trend. Im Dezember 2025 führte Australien als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Bei systematischen Verstößen drohen Plattformen dort Strafen von umgerechnet bis zu 30 Millionen Euro. Dieser Schritt hat die Debatte in Europa neu entfacht.
Die Argumentation, strikte Altersgrenzen seien „technisch unmöglich“, verliert damit an Gewicht. Auch Norwegen treibt ähnliche Pläne voran, um Kinder vor der „Macht der Algorithmen“ zu schützen. Für globale Tech-Konzerne entsteht so ein Flickenteppich an nationalen Regeln, der den Compliance-Aufwand massiv erhöht.
Die große Hürde: Altersverifikation und Datenschutz
Die zentrale Herausforderung für Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat bleibt die Altersverifikation. Das geplante französische Gesetz verlangt robuste technische Lösungen, die das Alter eines Nutzers zuverlässig prüfen, ohne dessen Privatsphäre zu verletzen. Ein Drahtseilakt unter der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Plattformen können nicht einfach die Uploads von Personalausweisen verlangen und diese speichern. Stattdessen sind sie auf Drittanbieter-Systeme angewiesen, die lediglich ein „Pass/Fail“-Signal zum Alter übermitteln, ohne sensible Identitätsdaten weiterzugeben. Die EU-Kommission testet seit Mitte 2025 eine „Mini-Wallet“-Lösung, die in die geplanten europäischen Digitalen Identitäts-Wallets integriert werden soll. Frankreichs ambitionierter Zeitplan erhöht den Druck, diese Infrastruktur bis September 2026 funktionsfähig zu machen.
Folgen für die EU und Deutschland
Der französische Alleingang testet den Zusammenhalt des digitalen Binnenmarkts. Zwar schafft der Digital Services Act (DSA) einen Rahmen für den Jugendschutz, ein pauschales, altersbasiertes Verbot sieht er jedoch nicht vor. Französische Beamte betonen die Kompatibilität mit EU-Recht, doch Juristen warnen vor Reibungen, wenn Mitgliedsstaaten unterschiedliche Altersgrenzen einführen.
In Deutschland ist die Haltung zu solchen Verboten traditionell zurückhaltender. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) setzt eher auf Medienkompetenz und „strukturelle Vorkehrungen“ der Anbieter als auf radikale Ausschlüsse. Doch der politische Druck wächst, wenn Nachbarn wie Frankreich und Dänemark strenge Verbote umsetzen.
Compliance-Experten gehen davon aus: Sollte das französische Gesetz kommen, erzwingt es einen De-facto-EU-Standard. Plattformen werden kaum für jeden Mitgliedstaat eigene Altersverifikations-Systeme entwickeln. Stattdessen werden sie die strengsten notwendigen Kontrollen wahrscheinlich europaweit einführen, um Strafrisiken zu minimieren.
Ausblick: Das Ende der Selbstauskunft
Die kommenden Wochen sind entscheidend für die Zukunft des Jugendschutzes im Netz. Die französische Bevölkerung unterstützt solche Maßnahmen laut Umfragen breit. Für die Wirtschaft ist die Botschaft klar: Die Ära der einfachen Altersselbstauskunft im Internet geht zu Ende.
Verifizierbare Altersnachweise werden vom Nice-to-have zum rechtlichen Muss für den Marktzugang. Die Frage ist nicht mehr, ob solche Verbote kommen, sondern wie schnell die technische Infrastruktur mit ihnen Schritt halten kann. Für Europas digitale Landschaft steht ein tiefgreifender Wandel bevor.
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