©SWR, Nils Wagner
Der Klassiksender aus Augsburg wollte eigentlich nur ein paar UKW-Frequenzen abschalten. Jetzt läuft auch auf einigen digitalen Wegen ein komplett anderes Programm.
Zum Jahreswechsel hat sich Klassik Radio, wie schon länger angekündigt, von seinen UKW-Frequenzen in Bayern getrennt. Dies waren die bisherigen „Stützfrequenzen“ München 107,2 MHz, Augsburg 92,2 MHz, Regensburg 91,1 MHz, Würzburg 92,1 MHz und Nürnberg 105,1 MHz. „Wir investieren lieber in die Zukunft des Radios als in Technologie der Vergangenheit. Mit DAB+ und Streaming bringen wir Klassik Radio auf ein neues Niveau“, sagte Ulrich Kubak Gründer & CEO von Klassik Radio bei der Ankündigung der Abschaltung im Frühjahr vergangenen Jahres.

Pünktlich zum Jahreswechsel wurden am 1. Januar um 0 Uhr die Signalzuführungen zu den UKW-Standorten abgeschaltet. Doch wer nun im neuen Jahr sein UKW-Radiogerät auf die ehemaligen Klassik-Radio-Frequenzen einstellt, wurdert sich: Man hört weiterhin darüber klassische Musik mit dem Jingle „Klassik Radio – Entspannen und Genießen“. Anscheinend ist bei den UKW-Sendern ein Havarie-Sendefile mit zeitloser klassischer Musik hinterlegt, das aufgrund der Leitungsabschaltung angesprungen ist. Hier wäre es sinnvoller gewesen, frühzeitig eine Sendeschleife mit Informationen zur UKW-Abschaltung und wie man künftig Klassik Radio empfangen kann, zu hinterlegen.
Nonstop-Havarie-Schleife statt Liveprogramm
Doch eine Panne kommt selten alleine. Die UKW-Havarie-Schleife ist nun auch digital via DVB-C-Kabelradio bei Vodafone zu hören. Das bedeutet, dass Vodafone als Quelle für das DVB-C-Signal das UKW-Signal nutzt. Das digital in Augsburg produzierte Radiosignal wurde also analog via UKW ausgestrahlt und von Vodafone fürs DVB-C-Kabelradio wieder digitalisiert. Besser wurde das Signal durch diese mehrfache Konvertierung sicherlich nicht. Wie schnell dieser Fehler beim DVB-C-Signal korrigiert werden kann oder ob das DVB-C-Signal von Klassik Radio auch eingestellt wird, ist offen. Eine Anfrage von DIGITAL FERNSEHEN an Klassik Radio dazu blieb aufgrund des Feiertages und der Urlaubszeit bisher noch unbeantwortet. Über DAB+ und Webstream kann das aktuelle Programm von Klassik Radio jedoch einwandfrei weiter empfangen werden.
Mutiger Schritt von Klassik Radio
„Der Schritt von Klassik Radio ist mutig, weil UKW auch in Bayern derzeit noch eine hohe Relevanz beim Radio-Empfang hat. Gleichzeitig ist dieser Schritt konsequent, wenn man – wie ich – von einer guten Zukunft für Radio in einer digitalen Audiowelt überzeugt ist. Und diese Zukunft funktioniert vor allem auf DAB+“, erklärte Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Bereits seit über 13 Jahren verabschiedet sich Klassik Radio Schritt für Schritt von seinen UKW-Frequenzen. Mit der jetzigen Abschaltung der bayerischen Frequenzen erfolgte „der letzte Schritt der Digitalisierungsstrategie“.
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Bildquelle:
- 220825 Klassik Radio DAB+ Bayern: Klassik Radio