Die Regierung in Frankreich will Onlineplattformen wie Instagram und Tiktok vom Herbst 2026 an für alle Jugendlichen unter 15 Jahren verbieten. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, der demnächst im Parlament behandelt werden soll.
Das Verbot soll demnach vom Ende der Sommerferien an, ab dem 1. September 2026, gelten. Zur Begründung heißt es, zahlreiche Studien und Berichte hätten die Risiken einer „exzessiven Nutzung“ von Onlinenetzwerken durch Minderjährige aufgezeigt. Genannt werden insbesondere der Zugang zu „unangemessenen Inhalten“, „Onlinemobbing“ und „Veränderungen des Schlafs“.
Im ersten Artikel des kurz gehaltenen Gesetzentwurfs wird die Behörde Arcom, die für die Regulierung digitaler Kommunikation zuständig ist, mit der Überwachung des Verbots betraut. Die Plattformenkonzerne sind dafür verantwortlich, dass die Altersbeschränkung per Verifikationssystem funktioniert. Im zweiten Artikel wird das Verbot der Nutzung von Handys auf Gymnasien ausgeweitet. Eine entsprechendes Verbot gilt bereits seit 2018 ab der Vorschule an anderen Schulen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der ein Verbot der Onlinenetzwerke für unter Fünfzehnjährige zu einer seiner Prioritäten erklärt hat, will den Gesetzentwurf in diesem Monat im Parlament beraten lassen. Angekündigt hatte Macron eine solche nationale Initiative im Sommer des vergangenen Jahres für den Fall, dass eine EU-weite Regelung weiter auf sich warten lasse. Die Digitalminister Frankreichs, Griechenlands und Spaniens hatten sich Anfang Juni des vergangenen Jahres bei einer Ministerkonferenz in Luxemburg dafür ausgesprochen, dass die Europäische Union den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Netzwerken beschränkt. Zwar sind diese der europäischen Gesetzeslage nach erst ab 13 Jahren erlaubt. Die Digitalkonzerne kontrollieren dies jedoch nur durch eine schlichte Altersabfrage.
Australien ist das Vorbild
Die französische Initiative soll offenbar Druck auf die EU ausüben. Inhaltlich orientiert sie sich an Australien. Dort ist im Dezember das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder in Kraft getreten. Das Gesetz erlaubt die Nutzung von Plattformen wie Tiktok, Instagram und Snapchat erst ab 16 Jahren.
Laut einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation WHO haben elf Prozent der Jugendlichen Schwierigkeiten, ihre Nutzung der sozialen Medien zu kontrollieren. Andere Untersuchungen fanden einen Zusammenhang zwischen übermäßiger Nutzung der Plattformen und Schlafproblemen, einem negativen Körperbild, schlechten Leistungen in der Schule sowie emotionalen Schwierigkeiten.