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Wenn die Erde bebt, zählen Sekunden. Als besondere Hilfe bei der Rettung erweisen sich Smartphones – dank der eingebauten Bewegungssensoren.

München – Wissenschaftler haben einen Durchbruch in der Erdbebenforschung erzielt: Erstmals konnten sie hochauflösende Erdbebenkarten erstellen, die dank 9.000 Smartphone-Sensoren weit präziser sind als herkömmliche Messstationen. Das revolutionäre Experiment fand in den Phlegräischen Feldern bei Neapel statt, wo Forscher die Handys von Bürgern in ein dichtes Netz von Erdbeben-Detektoren verwandelten.

Smartphones können sich bei einem Erdbeben als Lebensretter erweisen.Smartphones können sich bei einem Erdbeben als Lebensretter erweisen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Die Region westlich von Neapel, bekannt als Supervulkan, zählt zu den gefährlichsten in Europa. In der sogenannten Roten Zone der Campi Flegrei (dt.: Phlegräische Felder), wo täglich zahlreiche kleine Erdbeben auftreten, leben etwa 500.000 Menschen. Forscher der Universität Bergamo, des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung und des Europäisch-Mediterranen Seismologischen Zentrums in Frankreich führten zwischen April und Juni 2024 eine bahnbrechende Studie in diesem Gebiet durch.

Smartphone als Lebensretter: Handys liefern hochauflösende Erdbebenkarten

Obwohl nur 29 professionelle Seismometer das 130 Quadratkilometer große Gebiet überwachen, konnten die Wissenschaftler auf bis zu 9.000 Smartphone-Sensoren zurückgreifen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung wurden im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

Die kleinen Bewegungssensoren in Mobiltelefonen, ursprünglich für Computerspiele oder das automatische Drehen des Bildschirms entwickelt, sind auch in der Lage, Erderschütterungen zu registrieren. Francesco Finazzi, Studienautor und Gründer der Initiative Earthquake Network (EQN), betont, dass das EQN-Smartphone-Netzwerk sehr dicht sei und Bereiche der Roten Zone abdecke, in denen keine festen Stationen vorhanden sind.

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Eine Herausforderung stellte die Ungenauigkeit der einzelnen Handy-Messungen dar. Die Geräte befinden sich in unterschiedlichen Stockwerken, werden bewegt oder liegen still, und ihre Sensoren sind nicht wie professionelle Instrumente kalibriert. Der Durchbruch gelang den Forschenden durch mathematische Modelle, die störende Faktoren herausfiltern und aus tausenden ungenauen Signalen präzise Bodenbewegungen berechnen.

Smartphones helfen dank Bewegungssensoren entscheidend bei Erdbeben-Rettung

Die Messungen zeigten bemerkenswerte regionale Unterschiede: Während der Boden im Osten der Phlegräischen Felder Erdbebenwellen sogar abschwächte, verstärkten sich die gleichen Beben nur zehn Kilometer entfernt im Südwesten um das Zwei- bis Dreifache. Diese Erkenntnisse sind für Rettungsteams von großer Bedeutung. Die Forschenden betonen, dass solche Karten bei zukünftigen Beben frühzeitig Schäden abschätzen und entscheidend bei der Organisation von Rettungsteams und Notfallmaßnahmen helfen könnten. In Zukunft könnte es mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz sogar möglich werden, Erdbeben vorherzusagen. (Quellen: nature.com, gfz.de, spektrum.de (mt)