In Potsdam ist ein Kind nach Polizeiangaben durch illegale Böller – mutmaßlich eine Kugelbombe – schwerst verletzt worden. Ein Zwölfjähriger habe am Nachmittag des Neujahrstages auf einem
Sportplatzgelände im Stadtteil am Stern einen apfelsinengroßen
Gegenstand gefunden und diesen angezündet, sagte ein Sprecher der
Polizei. Der Gegenstand sei daraufhin sofort explodiert und habe den
Jungen schwer im Gesicht und an der Hand verletzt.

Durch die Lautstärke der Detonation eilten Menschen zu dem Platz und leisteten Erste Hilfe. Der schwerstverletzte Junge wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein
Berliner Unfallkrankenhaus geflogen. Sein dreizehnjähriger Begleiter
blieb körperlich unverletzt. 

Polizei stellt Fragmente von Pyrotechnik sicher

Die Polizei fand am Unglücksort Fragmente eines pyrotechnischen Knallkörpers und stellte diese sicher. „Ersten Erkenntnissen zufolge konnte bislang nicht rekonstruiert werden, welche Art und Umfang der Knallkörper ursprünglich, also vor dessen Detonation aufwies“, teilte der Sprecher mit. Es liefen Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Das Unfallkrankenhaus in Berlin schrieb am Donnerstagabend auf der Plattform X von einem Kind, das mit  „vermuteter Kugelbomben-Verletzung“ behandelt werde. Eine Hand des Kindes ist demnach vollständig zerstört. Am Körper hätten „weitere tiefe Verletzungen“ versorgt werden müssen. Zunächst hatte der RBB
berichtet. 

Bereits im Jahr zuvor hatte ein Fall mit einem durch eine Kugelbombe schwerst verletzten Kind für Aufmerksamkeit gesorgt. Damals war ein siebenjähriger Junge in Berlin von einer Kugelbombe lebensgefährlich verletzt worden. Nach einer Notoperation und zahlreichen weiteren Operationen ist der Junge bis heute von dem Unfall beeinträchtigt.

© Lea Dohle

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Kugelbomben bestehen aus verschiedenen pyrotechnischen Mischungen und enthalten somit eine große Menge Explosivmasse. Sie können mehrere Kilogramm wiegen. In Deutschland sind der Erwerb und Einsatz von Kugelbomben durch Privatpersonen untersagt. Ihr Gebrauch ist ausschließlich für staatlich geprüfte Pyrotechniker zugelassen. 

Polizeigewerkschaft und Umweltschützer fordern Böllerverbot

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach sich nach erneuten Ausschreitungen mit Feuerwerk für ein Böllerverbot aus. „Wir brauchen ein Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch“, sagte der Sprecher der GdP, Benjamin Jendro, im RBB-Inforadio. Es müsse sich etwas an den Rahmenbedingungen verändern, forderte er.

In der vergangenen Silvesternacht sei es ruhiger als noch im Vorjahr gewesen, dennoch sei man immer noch weit entfernt von einem aus polizeilicher Sicht hinnehmbaren Zustand. „Wir können nicht von einer normalen oder friedlichen Silvesternacht sprechen“, teilte er mit. Demnach gab es zahlreiche Angriffe mit Böllern, Batterien und Raketen auf Einsatzkräfte. Das dürfe niemals Normalität werden.

Auch der Chef
des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Jörg-Andreas Krüger, kritisierte die Auswirkungen der Silvesternacht in Hinblick auf Umweltschäden durch Chemikalien, Feinstaubbelastung und Müll. Die Deutsche Umwelthilfe sprach von einer verheerenden Bilanz der Silvesternacht.

In der Silvesternacht kam es in zahlreichen deutschen Städten wieder zu Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte. Allein in Berlin zählte die Polizei 35 verletzte Beamte.

Silvester

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Korrekturhinweis: In einer früheren Version hieß es, das Kind stamme aus Berlin. Der Vorfall ereignete sich jedoch in Potsdam. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.