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Deutschland sucht den Aufschwung. Doch kommt er 2026 wirklich – oder rutschen wir weiter ab? Hohe Energiepreise, Bürokratie und geopolitische Risiken bremsen. Gleichzeitig entstehen neue Chancen durch Künstliche Intelligenz, Verteidigung, Energie und Infrastruktur.
BILD hat die Chefs der größten Konzerne und wichtigsten Zukunftsunternehmen gefragt, wie sie auf das Wirtschaftsjahr 2026 blicken.
Christian Klein, SAP-CEO
Christian Klein (45), CEO von SAP. Der Softwarekonzern aus Walldorf ist Deutschlands wertvollstes Unternehmen und einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware
Foto: SAP
„Wir müssen endlich umdenken und handeln, sonst verlieren wir international weiter an Boden. Technologie ist der Hebel – aber nur, wenn wir sie auch nutzen dürfen. Also: weniger Bürokratie, mehr Innovation!“
Oliver Blume, Volkswagen-CEO
Oliver Blume (57), CEO von Volkswagen. Der Konzern aus Wolfsburg ist Deutschlands größter Industriekonzern und einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
„Die deutsche Wirtschaft hat viele Trümpfe in der Hand: weltweit gefragte Produkte, großen Innovationsgeist, gut ausgebildete und motivierte Menschen, hoch angesehene Forschungseinrichtungen. Deshalb haben wir gute Chancen, unseren Industriestandort wieder zu alter Stärke zurückzuführen. Damit es bergauf geht, braucht es aber auch passende Rahmenbedingungen in Deutschland und in Europa.“
Evelyn Palla, Deutsche-Bahn-CEO
Evelyn Palla (52), Chefin der Deutschen Bahn. Der bundeseigene Konzern ist Europas größter Bahnkonzern, kämpft aber mit maroder Infrastruktur und anhaltenden Pünktlichkeitsproblemen
Foto: Christoph Soeder/dpa Pool/dpa
„Besser. Deutschland ist ein großartiges Land. Die Chance auf Aufbruch ist da – wenn wir alte Muster hinter uns lassen, digitale Chancen konsequent nutzen und den Mut haben, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Mit Zuversicht ins neue Jahr zu starten, ist entscheidend, denn Wirtschaft ist auch Psychologie.“
Bettina Orlopp, Commerzbank-CEO
Bettina Orlopp (55), Chefin der Commerzbank. Das Frankfurter Geldhaus ist eine der größten Privatbanken Deutschlands und ein zentraler Finanzierungspartner für den Mittelstand
Foto: Commerzbank AG
„Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft. Deshalb glaube ich, dass die Wirtschaft in Deutschland im kommenden Jahr anziehen wird. Erste Reformen sind eingeleitet oder auf dem Weg. Die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung sind also gegeben.“
Bill Anderson, Bayer-CEO
Bill Anderson (59) ist CEO von Bayer. Der Konzern aus Leverkusen ist einer der größten Chemie- und Pharmakonzerne der Welt
Foto: Stefano Laura/BILD
„Die Erkenntnis setzt sich durch: Die Dinge müssen anders laufen, um gesundes Wachstum anzukurbeln. Es gilt jetzt, mit einer klaren Vision an einem Strang zu ziehen. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, alle müssen dabei eine wichtige Rolle spielen, um Vorschriften auf ein Minimum zu reduzieren und nachhaltige Innovation zu fördern.“
Oliver Dörre, CEO Rüstungselektronik-Spezialist Hensoldt
Oliver Dörre (56) leitet den Rüstungskonzern Hensoldt aus Taufkirchen. Das Unternehmen entwickelt Radar-, Sensor- und Elektroniksysteme für Militär und Sicherheitsbehörden und gehört zu den wichtigsten Rüstungslieferanten der Bundeswehr.
Foto: Christian Knieps
„2026 wird ein Jahr, in dem sich Deutschland ehrlich machen muss. Ja, wir spüren wirtschaftliche Herausforderungen – aber wir sind immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit enormer industrieller Substanz. Entscheidend ist jetzt, dass wir strukturelle Reformen anstoßen: schnellere Genehmigungen, weniger Komplexität, mehr Investitionen in Technologie, Sicherheit und industrielle Modernisierung.“
Bonita & Wolfgang Grupp jr., Trigema-Chefs
Bonita Grupp (36) und ihr Bruder Wolfgang Grupp junior (34) führen den Textilhersteller Trigema. Das Familienunternehmen aus Burladingen produziert vollständig in Deutschland und gilt als einer der letzten großen Textilproduzenten mit eigener Fertigung im Land
Foto: BILD Fotoservice
Bonita Grupp sagt: „Ich gehe davon aus, dass 2026 erneut ein herausforderndes Jahr wird. Gerade im vergangenen Halbjahr hat man deutlich gesehen, dass zahlreiche Unternehmen ihre Türen schließen mussten. Diese Entwicklungen werden auch 2026 spürbare Auswirkungen auf vernetzte Unternehmen und Lieferketten haben. Umso wichtiger sind jetzt schnelle und wirksame Reformen: nicht weitere Subventionen, sondern eine Entschlackung von Gesetzen, weniger Bürokratie und vor allem Planungssicherheit.“
Heike Freund, Vorständin bei Marvel Fusion 
Heike Freund (41) ist COO des Münchner Start-ups Marvel Fusion. Das Unternehmen arbeitet an der Entwicklung eines Kernfusionskraftwerks und gilt als eines der ambitioniertesten deutschen Energie-Start-ups
Foto: Theo Klein / BILD
„Ich blicke vorsichtig optimistisch auf 2026. Deutschland ist weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Damit daraus nachhaltiges Wachstum entsteht, müssen Politik und Wirtschaft enger und entschlossener zusammenarbeiten, um technologischen Fortschritt schneller in industrielle Wertschöpfung zu überführen.“
Marcel de Groot, CEO von Vodafone Deutschland
Marcel de Groot (57) ist Chef von Vodafone Deutschland. Der Konzern gehört zu den größten Telekommunikationsanbietern des Landes und betreibt eines der wichtigsten Mobilfunk- und Festnetze in Deutschland
Foto: Vodafone
„Unsere Wirtschaft steht unter Druck. Ein echter Stresstest für Firmen und Mitarbeiter. Aber ich glaube, es gibt die Chance, dass wir in ein paar Jahren sagen können: 2026 war der Anfang für unsere Wirtschaftswende. Weil wir damals mutig waren und eine echte Digitalwende gewagt haben.“
André Schwämmlein, Flixbus-Chef
André Schwämmlein (44) ist CEO von Flix. Der Mobilitätsanbieter aus München hat den Fernbusmarkt in Europa geprägt und expandiert auch im Bahnverkehr
Foto: Flix SE
„2026 wird kein Wohlfühljahr, sondern ein Entscheidungsjahr. Investitionen und konsequentes Handeln sind jetzt essenziell für künftiges Wachstum. Von der Politik, aber auch von Unternehmen. Gemeinsam müssen wir vorangehen und zeigen, dass Deutschland weiterhin Wachstum und Innovation kann.“
Christian Deilmann, Gründer von Smarthome-Anbieter Tado
Christian Deilmann (43) ist Gründer von Tado. Das Unternehmen aus München bietet digitale Lösungen zur Steuerung von Heizungen in Privathaushalten an.
Foto: Catherina Hess/SZ Photo/picture alliance
„Ich blicke sehr positiv auf 2026 und die nächsten Jahre. Deutschland hat das Know-how, mit erneuerbaren Energien, smarter Gebäudetechnik und intelligenten Netzen die Energiepreise spürbar zu senken. Sonne und Wind schicken keine Rechnungen. Wenn wir diese Energieproduktion mit heimischer Technologie in Einklang mit dem Energieverbrauch bringen, sinken die Preise. Dadurch stärken wir unseren Wirtschaftsstandort dauerhaft und machen uns unabhängig von ausländischen Energieimporten.“