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Nach dem filmreifen Millionen-Raub von Gelsenkirchen sind viele Fragen offen. Nun wurden Aufnahmen der Flucht enthüllt.

Gelsenkirchen – Die Bilder, die Zahlen, alles klingt wie aus einem Hollywood-Streifen. Panzerknacker haben in Gelsenkirchen einen der wohl spektakulärsten Coups gelandet, die Deutschland seit langer Zeit erlebt hat. Mit einem Spezialbohrer waren sie in den Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen eingedrungen – und mit einer Millionen-Beute wieder verschwunden.

Nach dem spektakulären Millionen-Raub herrscht Aufregung in Gelsenkirchen.Nach dem spektakulären Millionen-Raub herrscht Aufregung in Gelsenkirchen. © dpa/Polizei Gelsenkirchen + dpa | Christoph Reichwein

Die absolut irre Bilanz: Fast alle der 3250 Kunden-Schließfächer wurden aufgebrochen. Der Wert der Beute wurde zunächst grob mit der Versicherungssumme von 30 Millionen Euro angegeben, könnte sogar noch höher liegen. Die Polizei geht von einem „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ aus, sagte ein Sprecher. Mehr als 2500 Personen seien durch den Einbruch geschädigt worden.

Diebe machen Millionen-Beute bei Einbruch in Sparkasse in Gelsenkirchen

Ein Coup, der in der Stadt im Ruhrgebiet Aufruhr auslöste. Etliche besorgte Kunden kamen am Dienstag zur Filiale der Sparkasse im Stadtteil Buer. Möglicherweise Geschädigte verlangten Informationen über ihre Schließfächer. Rund 200 Personen hatten sich versammelt. Es kam zu tumultartigen Szenen. Als Menschen in den Vorraum stürmten, griff die Polizei ein.

Unterdessen stellt sich in ganz Deutschland und auch in umliegenden Ländern die Frage: Wie konnte der spektakuläre Diebstahl so einfach und unbemerkt gelingen? Der Einbruch war am frühen Montagmorgen nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt worden. Zeugen hatten allerdings bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag mehrere Männer mit großen Taschen im Treppenhaus eines angrenzenden Parkhauses beobachtet.

Millionen-Coup von Gelsenkirchen: Viele Fragen nach Sparkassen-Einbruch noch offen

Ebenfalls auffällig: Wie die Polizei mitteilte, gab es bereits am Samstag einen Brandmeldealarm in dem Bankgebäude. Damals waren Polizei und Feuerwehr gegen 6.15 Uhr vor Ort, „konnten aber nichts feststellen, was auf einen Schaden schließen ließ“, heißt es in der jüngsten Mitteilung. Neue Enthüllungen machen den Vorfall indes noch absurder.

Denn am Mittwoch veröffentlichte die Bild nun Aufnahmen von Überwachungskameras. Diese sollen aus dem Parkhaus stammen, das an den Keller der Sparkasse angrenzt und die Tresor-Knacker aus Gelsenkirchen zeigen. Auf einem Bild ist zu sehen, wie ein Mann mit Sturmhaube und grauem Sweatshirt Münzen in einen Parkscheinautomaten wirft. Wohl einer der abgebrühten Räuber.

Absurde Szenen: Flucht-Aufnahmen der Gelsenkirchen-Räuber veröffentlicht

Derselbe Mann wirft kurz darauf bei der Ausfahrt des Parkhauses den entwerteten Park-Coin in die Säule, die Schranke öffnet sich, ein schwarzer Audi verlässt das Parkhaus. Der Wagen passt auf die Beschreibung eines schwarzen, hochmotorisierten Wagens mit einem gefälschten Hannoveraner Kennzeichen, die herausgegeben wurde.

Die Bild zeigt allerdings noch weitere Szenen. Laut dem Medium könnten diese zeigen, dass die Räuber gar mit zwei Wagen in der Tiefgarage positioniert waren. Eine weitere Person, dunkel gekleidet, mit Sturmhaube, stemmt auf dieser Sequenz per Hand die Einfahrt-Schranke nach oben. Ein weißer Transporter fährt ein, verschwindet kurz darauf wieder durch die händisch aufgestemmte Schranke. Ob es sich hierbei um das Auto mit der Beute handelt? Zunächst unklar.

Flucht-Aufnahmen von Raub in Gelsenkirchen veröffentlicht – Polizei bittet um Hinweise

Gegenüber der Bild bestätigt die Polizei, die Aufnahmen zu kennen. Die Videos seien „Gegenstand der Ermittlungen, die andauern“, zitiert das Medium Polizeisprecher Thomas Nowaczyk, der ebenfalls angibt: „Wir bitten dringend, mögliche relevante Hinweise ausschließlich der Polizei mitzuteilen“. In sozialen Netzwerken gepostete Hinweise könnten die Ermittlungen gar behindern. Unter den Rufnummern 0209/3658112 oder 0209/3658240 bittet die Polizei Gelsenkirchen weiterhin um Zeugenhinweise. (Quellen: dpa, Polizei Gelsenkirchen, Bild) (han)