
AUDIO: Die Top-Transfers der norddeutschen Zweitligisten (1 Min)
Stand: 03.01.2026 11:07 Uhr
Die norddeutschen Fußball-Zweitligisten Hannover 96, Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig bereiten sich auf den Start der Rückrunde vor. Wer hat in der ersten Saisonhälfte überzeugt? Welche Neuzugänge haben bei den Clubs eingeschlagen – und welche (noch) nicht? Das sagen die Daten.
Mit ein wenig gemischten Gefühlen dürften alle Beteiligten von Hannover 96, Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig die Hinrunde betrachten. Die „Roten“, weil sie zwar oben mit dabei sind (Platz fünf), gefühlt aber deutlich mehr möglich gewesen wäre; die „Störche“ (Platz elf), weil sie nach dem Abstieg aus der Bundesliga mit gehörigen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten; die „Löwen“ (13), weil sie sich neben einigen starken Auftritten und Resultaten auch lange ergebnistechnische „Auszeiten“ gönnten.

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick.
Ähnlich gemischt wie das Resumée nach den bisherigen 17 Begegnungen fällt auf Basis der Analysen des Datendienstleisters Global Soccer Networks (GSN) auch die Bewertung der Sommer-Neuzugänge der drei Nord-Zweitligisten aus.
Hannover 96: Källman und Ghita gute Verstärkungen
Bei Hannover haben die GSN-Analysten zwei „Paare“ aus Angriff und Abwehr ausgemacht. Mittelstürmer Benjamin Källman hat ligaweit unter allen Stürmern mit mindestens sechs Toren die stärkste Quote. Der Finne trifft alle 100 Minuten, insgesamt schon zehn Mal. Und auch in vielen anderen Kennzahlen ist er einer der besten Angreifer mit Strafraumpräsenz, Abschlüssen und solidem Gegenpressing. Genau hier hapert es hingegen bei Sturmkollege Benedikt Pichler: Der Österreicher ist zwar ein solider Verbindungsspieler, gerade in der Kernaufgabe – Chancen und Abschlussqualität – aber hat er bislang zu wenig Einfluss genommen.
Den Daten nach ist Källman ein Toptransfer: Hannover 96 bekommt keinen Stürmer, der alles ein bisschen macht, sondern einen, der die relevanteste Währung in dieser Rolle zuverlässig liefert: Tore, erwartbare Tore und stabile Strafraumpräsenz.
Hannover 96 bekommt in Pichler einen Mittelstürmer, der gute Fähigkeiten besitzt, der aber den entscheidenden Mehrwert einer „9“ bislang nicht in ausreichender Frequenz liefert: Chancenhäufigkeit, Abschlusswucht und spielentscheidenden Output.
Abwehrspieler Virgil Ghita sehen die GSN-Experten wie Källman als „Toptransfer“: Hannover 96 bekomme im Rumänen „einen Innenverteidiger, der das Team im Aufbau nach vorne schiebt, ohne die riskantesten Fehler zu machen“. Zudem ist er ein defensiver Stabilisator für das Team von Trainer Christian Titz.
Dass Ime Okon, obwohl er in zwölf Spielen schon auf knapp 1.000 Spielminuten kommt, das noch nicht ist, hat aus Sicht der GSN-Experten vor allem damit zu tun, dass der Verteidiger im Aufbau schon ein „Strukturspieler“ ist, ihm in der Kernaufgabe des Verteidigens teils aber noch die Robustheit fehlt.
Hannover 96 hat in Ghita einen Innenverteidiger, der das Team im Aufbau nach vorne schiebt, ohne die riskantesten Fehler zu machen – und der gleichzeitig defensiv stabil genug ist, um gegnerische Angriffe zuverlässig zu unterbinden.
Für die GSN-Experten ist Okon noch kein wirklich guter Transfer, aber ein Spieler mit klar erkennbarem Potenzial. Wenn er seine Defensive (vor allem Duellquoten am Boden, Antizipation/Balleroberungen, Präsenz in Chaos-Momenten) stabilisiert, kann er über sein Spiel mit dem Ball und seine Athletik in der 2. Bundesliga sehr wertvoll werden.

Der Traum von der Bundesliga-Rückkehr lebt bei Hannover 96. Die empathische Art von Trainer Christian Titz hat daran großen Anteil.
Holstein Kiel: Top-Transfers sind noch nicht top,…
Bei Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel drückt sich die durchwachsene Hinrunde auch bei den Top-Transfers aus. Denn genau dieses „Prädikat“ geben die GSN-Analysten Adrian Kapralik und Jonas Krumrey nicht. Sie sehen in dem Offensivspieler und dem Torwart gute Verstärkungen – auf den jeweiligen Positionen sind sie aber im Ligavergleich nur im Mittelfeld. Bei Kapralik fehlt trotz guter Dribblings und Läufe die Passqualität, bei Krumrey sind es den Daten nach insbesondere Probleme bei Distanzschüssen, die ihm ein besseres Ranking vermiesen. Denn speziell im Spielaufbau attestieren ihm die Analysten einen „Mehrwert“ für die KSV.
Mit Ball erfüllt Kapralik die Rolle in offensiven Halbräumen vor allem über Dribbling, Carrying und progressive Läufe in sehr starkem Ausmaß. Er kann Angriffe beschleunigen und der KSV Dynamik geben, die schwer zu verteidigen ist. Problematisch sind seine Probleme in Passspiel und Ballsicherheit.
Kiel hat in Krumrey einen Torhüter, der die Mannschaft nicht nur „hinten drin“ stabilisiert, sondern ihr über sein Spiel mit dem Ball (kurze Anspiele mit sehr hoher Erfolgsquote) ein zusätzliches, taktisch wertvolles Fundament gibt.
…und Leihspieler Wagner ist bereits wieder weg
Dennoch sind sie deutlich besser beim Team von Trainer Marcel Rapp angekommen als Mittelfeldspieler Kasper Davidsen. Bei Davidsen zeigen die Daten, „dass er sehr viel mehr kann“. Was es bräuchte, ist vor allem eine „bessere Umsetzung“, so die Experten: „weniger teure Ballverluste im eigenen Drittel, sauberere progressive Passausführung“ sowie ein besseres Pressing.

Der Mittelfeldspieler trug bereits von 2018 bis 2021 das „Störche“-Trikot. Beim HSV war der 31-Jährige zuletzt nur noch Ersatz.
Ähnlich fiel auch das Urteil bei Robert Wagner aus, dessen Leihe von Bundesligist SC Freiburg zu Jahresbeginn vorzeitig beendet wurde. „Sportlich sind die letzten Monate nicht so verlaufen, wie es sich alle Parteien erhofft haben“, erklärte KSV-Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe: „Nach offenen Gesprächen zwischen Robert, dem SC Freiburg und uns haben wir uns gemeinsam darauf verständigt, die Leihvereinbarung vorzeitig aufzulösen.“ Seinen Platz nimmt Umut Tohumcu ein, der zentrale Offensivspieler kommt auf Leihbasis von der TSG Hoffenheim.
Dass Davidsen viel mehr kann, zeigt sich in den Daten: Wer im Zentrum ligaweit Duelle auf Rang-1-Niveau gewinnt und gleichzeitig Top-Speed (Rang 1) mitbringt, hat großes Potenzial. Für den Schritt nach oben, braucht es keine neuen Fähigkeiten, sondern eine bessere Umsetzung: weniger teure Ballverluste im eigenen Drittel, sauberere progressive Passausführung (Quote), und – wenn die Rolle es hergibt – ein aktiveres Pressingprofil mit mehr Pressingduellen und höheren Ballgewinnen. Wenn diese drei Hebel greifen, wird er sehr schnell zu einem zentralen Schlüsselspieler für Kiel.
Wagner kann, das zeigen die Daten, sehr viel mehr. Die „Tools“ jedenfalls sind vorhanden: sehr gute Passgenauigkeit in der gegnerischen Hälfte (Rang 3), erfolgreiche Smart-Pässe mit 100 Prozent (Rang 1) und extrem hohe Strafraum-Genauigkeit (Rang 2) – aber bei zu geringem Volumen. Zudem hatte er in seiner Zeit in Kiel immer wieder Probleme mit Ballverlusten in der eigenen Hälfte.
Eintracht Braunschweig: Soforthilfen Aydin und Yardimci
Für Braunschweig hatten Mehmet Aydin und Erencan Yardimci – Letzterer trotz seines Rot-Aussetzers im Derby – direkten Einfluss auf das Spiel der Mannschaft von Trainer Heiner Backhaus. Flügelspieler Aydin hat neben seinen soliden Defensivleistungen bereits vier Tore erzielt und mit seinen Dribblings sowie seiner Standardstärke einer lange Zeit strauchelnden Offensive geholfen.
Stürmer Yardimci (vier Tore) attestieren die GSN-Experten „herausragende“ Pressingwerte – also genau das, was Backhaus für seinen „Jagdfußball“ braucht. Verbesserungspotenzial hat der 23-Jährige den Analysen zufolge vor allem noch im Pass- und Kombinationsspiel.
Was Aydin aktuell noch begrenzt, ist das Risiko bei Ballverlusten. Wenn Braunschweig hier entweder strukturell besser absichert oder Aydin in bestimmten Zonen selektiver wird, kann sein Einfluss noch einmal deutlich steigen. Doch schon aktuell ist er ein guter Transfer, weil er der Mannschaft über Duelle, Defensive und direkte Aktionen sofort verwertbare Qualität gibt.
Yardimci ist ein ordentlicher Transfer und hilft Braunschweig mit seiner Qualität in Pressing, Intensität, Tiefe und Duellpräsenz. Offensiv – speziell mit Blick auf Abschlüsse und Verbindungsspiel – ist er bislang allerdings nicht stark genug, um ihn in seinem Stürmerprfiol als klaren Toptransfer zu bewerten.
Louis Breunig und Robin Heußer haben laut GSN noch viel Verbesserungspotenzial: Verteidiger Breunig insbesondere im Bereich der Ballsicherheit; Mittelfeldspieler Heußer (eine Vorlage) zeigt zwar defensive Qualitäten im Eins-gegen-eins, im Spiel nach vorne aber muss der viel arbeitende 27-Jährige noch nachlegen, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.
Breunig hat unverkennbar Qualitäten als Innenverteidiger. Aber die „Kosten“ seiner Fehler im Ballbesitz, die Fehleranfälligkeit allgemein und die geringe Effizienz verhindern bislang, dass die vorhandenen „Tools“ in einen stabilen Einfluss übersetzt werden.
Heußer besitzt Eigenschaften, die auf einen Schlüsselspieler hindeuten (Arbeitsrate, einzelne qualitative Aktionen, erwartete Assists), aber er schafft es bisher nicht, sie in eine wiederholbare, dominante Mittelfeldsignatur zu übersetzen. Er zeigt es punktuell – jedoch noch nicht konstant genug, um die zentrale Achse von Braunschweig tatsächlich zu tragen.