Der Jahreswechsel ist für viele Menschen ein freudiges Ereignis: Böller, Raketen und ein funkelnder Nachthimmel gehören für viele zur Tradition. Doch für Haus- und Wildtiere bedeutet Silvester meist Stress, Panik und oft akute Gefahr.
Lärm als Gefahr
Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel und selbst Fische reagieren empfindlich auf die lauten Knalleffekte und grellen Lichter. Ihr Gehör ist deutlich sensibler als das des Menschen, sodass ein Knall für sie wie ein körperlicher Angriff wirken kann. Zu lauter Lärm kann sogar bleibende Hörschäden verursachen.
Der Tierschutzverein Bad Saulgau mit seinen beiden Tierheimen in Bad Saulgau und Sigmaringen warnt mit einer Statistik des Deutschen Tierschutzbundes eindringlich: „Beim Jahreswechsel 2022/23 meldeten unsere Partnertierheime 212 tote und 17 verletzte Tiere, unter ihnen sowohl Wild- als auch zahlreiche Haustiere.“
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Die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Dr. Julia Stubenbord erklärte in einer Pressemitteilung im vergangenen Jahr: „Bis auf wenige Individuen empfinden Tiere Angst.“ Dies gelte für Haustiere, landwirtschaftlich genutzte Tiere sowie Wildtiere.
„Die Besonderheit bei Tieren liegt darin, dass sie nicht abstrahieren können.“ Das bedeute, sie verstehen nicht, dass die Gefahr nach einer gewissen Zeit vorbei ist. Sie empfinden den Zustand als unüberwindbar ohne Aussicht auf ein Ende, was das Leid noch potenziert. Die Folgen seien dramatisch: Panik, Traumatisierung oder Entlaufen, teils sogar mit Todesfolge.
Tipps vom Tierheimleiter
Halterinnen und Halter von Haustieren können andererseits aktiv dazu beitragen, ihren Tieren die Silvesternacht zu erleichtern. Tierheimleiter Martin Grillenberger empfiehlt: Einen ruhigen Rückzugsort schaffen, Türen und Fenster geschlossen halten, Lärm durch Musik oder Radio dämpfen, Ablenkung durch Spiele oder Leckerlis bieten und selbst ruhig bleiben. Spaziergänge sollten frühzeitig am Abend stattfinden, freilaufende Tiere bleiben drinnen, und Hunde sollten sicherheitshalber an einer doppelten Leine geführt werden.
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In den Tierheimen in Sigmaringen und Bad Saulgau sorgen die Mitarbeitenden für das Wohl der Tiere: In der Silvesternacht läuft Radio in den Boxen, um den Lärm zu dämpfen. Kurz nach Mitternacht schaut ein Mitarbeiter nach, ob alles in Ordnung ist.
Silvesterstress trifft auch die Natur
Auch Wildtiere leiden unter Silvesterfeuerwerk. Vögel verlieren bei Lichtblitzen und Knallgeräuschen schnell ihre Orientierung, Wildtiere im Winterschlaf oder in Winterruhe wie Igel oder Fledermäuse können durch Störungen aufwachen, was ihren Stoffwechsel überfordert. Besonders bedrohte heimische Arten sind dadurch zusätzlich gefährdet.
Ebenso ist die richtige Entsorgung von Feuerwerksresten entscheidend. Abgebrannte Böller, Mehrschussbatterien oder Raketen enthalten Chemikalien, die in Böden und Gewässer gelangen können. Zudem stellen Plastikreste und Scherben eine Gefahr für Tiere dar, wenn sie daran knabbern, und verursachen wirtschaftlichen Schaden für Landwirte.
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Rücksicht nehmen
Es sollte deshalb nicht in der Nähe von landwirtschaftlichen Betrieben geböllert werden und grundsätzlich nur dort, wo die Reste vollständig aufgesammelt und fachgerecht entsorgt werden können.
Tiere leiden still, doch ihr Stress ist real. Ein bewusster Umgang mit Feuerwerk – oder sogar ein Verzicht in der Nähe von Tieren – kann Leben retten und den Jahreswechsel zu einem Fest machen, das niemanden traumatisiert.