Die Vereinigten Staaten haben einen groß angelegten Militärschlag gegen Venezuela ausgeführt und nach eigenen Angaben den linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro entmachtet. Wie US-Präsident Donald Trump mitteilte, wurden Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores „gefangen genommen und außer Landes gebracht“. Laut US-Medienberichten wurde das Präsidentenpaar von Spezialkräften der Eliteeinheit Delta Force gefasst.

Dem TV-Sender Fox News sagte Trump, Maduro habe sich in einer schwer bewachten „Festung“ aufgehalten. Er selbst habe die Festnahme live „wie eine Fernsehshow“ verfolgt. Bei dem Einsatz sei kein US-Soldat ums Leben gekommen.

„Verschwörung zum Drogen-Terrorismus“

Maduro und seine Frau wurden nach ihrer Gefangennahme mit einem Hubschrauber zu einem Schiff geflogen, so Trump weiter. Sie sollten nun nach New York gebracht werden. Dort seien sie bereits angeklagt worden. Auf seiner Online-Plattform Truth Social postete Trump eine Aufnahme, auf der Maduro gefesselt stehend in einem Jogginganzug mit verbundenen Augen und Kopfhörern zu sehen ist. Trump schrieb dazu: „Nicolás Maduro an Bord der USS Iwo Jima.“

Venezuela Caracas 2025 | Cilia Adela Flores de Maduro und Nicolás Maduro der eine Scherpe mit dem Staatswappen und eine Kette mit einem goldenen Schlüssel trägt (15.01.2025)Nicolás Maduro mit Ehefrau Cilia Flores (im Januar 2025)Bild: Federico Parra/AFP

Zuvor hatte bereits US-Justizministerin Pam Bondi angekündigt, dass Maduro in New York unter anderem wegen „Verschwörung zum Drogen-Terrorismus“ vor Gericht gestellt werden solle. Der 63-Jährige werde bald mit „dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten konfrontiert werden“, verkündete Bondi auf ihrem Social-Media-Kanal. 

Machtfrage in Venezuela ungeklärt

Die USA wollen nach Trumps Worten übergangsweise selbst die Führung in Venezuela übernehmen. „Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können“, sagte der Republikaner bei einer Pressekonferenz in seiner Privatresidenz Mar-a-Lago in Florida. Die Venezolaner seien nun „frei“.

Ziel sei es, das Land wirtschaftlich wiederaufzubauen. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela „reich, unabhängig und sicher“ machen, so Trump. Millionen Venezolaner im Exil – auch in den USA – würden von den geplanten Maßnahmen profitieren.

USA Palm Beach 2026 | Pressekonferenz von Donald Trump nach US-Militärschlag gegen VenezuelaUS-Präsident Donald Trump bei seiner Pressekonferenz in Palm Beach/FloridaBild: Jonathan Ernst/REUTERS

Gemäß venezolanischer Verfassung würde Vizepräsidentin Delcy Rodríguez bei einem Ausfall des Staatschefs bis zu Neuwahlen die Regierungsgeschäfte übernehmen. Als mögliche Szenarien werden in der Verfassung unter anderem Tod, Rücktritt, Amtsenthebung oder Amtsaufgabe aufgeführt.

Da im vorliegenden Fall keiner dieser Gründe vorliegt, geht Venezuelas Außenminister davon aus, dass Maduro weiterhin Präsident ist. „Die Verfassung ist klar: Der gewählte Präsident, der verfassungsmäßige Präsident ist Nicolás Maduro Moros. Seine physische Anwesenheit in Venezuela muss von den USA sofort wieder hergestellt werden“, verlangte Yvan Gil im Staatsfernsehen.

Venezuela Caracas 2026 | Hinter einer Hochhauszeile und auf dem Gipfel einer Bergkette brennt es (03.01.2026)Die USA griffen in der Nacht zum Samstag an – das Foto zeigt ein Feuer im Militärkomplex Fuerte TiunaBild: STR/AFP

Wegen des US-Militärschlags kündigte Venezuelas Verteidigungsministerium eine militärische Reaktion an. Es werde einen „massiven Einsatz aller Land-, Luft-, Marine-, Fluss- und ballistischer Mittel geben“, sagte der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino in einer Rede, die in Online-Netzwerken verbreitet wurde. „Die Truppen der Invasoren“, so Padrino, hätten „unseren Boden entweiht“. Die US-Armee habe bei ihrem Einsatz sogar Wohngebiete angegriffen.

Eskalation in den vergangenen Monaten

Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela war in den letzten Monaten eskaliert. Seit September hatte das US-Militär in der Karibik und im Pazifik mehrfach angeblich mit Drogen beladene Boote angegriffen. Dabei wurden nach US-Regierungsangaben mehr als 100 Menschen getötet.

Zudem haben die US-Streitkräfte ihre Präsenz in der Karibik massiv ausgebaut. Unter anderem wurden zusätzliche Kampfflugzeuge und der weltgrößte Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ – begleitet von weiteren Kriegsschiffen und einem Langstreckenbomber – in die Region verlegt. Offiziell richtet sich der Einsatz „Südlicher Speer“ („Southern Spear“) gegen den Drogenschmuggel. Allerdings gilt Venezuela nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland – und zwar vor allem für den europäischen Markt.

wa/HF/AR/haz (afp, dpa, rtr, ap)