True Crime
Die rätselhaften Hurenmorde von Frankfurt
Aktualisiert am 04.01.2026 – 02:33 UhrLesedauer: 6 Min.
Filmszene aus „Truth About Rosemarie“ (Archivbild): Einer von insgesamt sechs Verfilmungen über den Mord an der Frankfurterin Rosemarie Nitribitt. (Quelle: ZUMA/Keystone/imago-images-bilder)
Frankfurt und sein Umland sind Schauplätze spektakulärer Verbrechen. Als bis heute ungelöst gelten die Morde an den Prostituierten Rosemarie Nitribitt und Helga Matura. Die Fälle weisen auffällige Parallelen auf.
Es ist der 27. Januar 1966. Zwei italienische Gastarbeiter verlassen ihre Wohnung in der Gutleutstraße 85 in Frankfurt am Main. Sie begeben sich auf den Weg zur Arbeit. Noch im Treppenhaus fällt ihnen auf, dass die Wohnungstür der Nachbarin, Helga Matura, offensteht. Als diese am Abend noch immer unverändert offensteht, beschließen die Männer nach dem Rechten zu schauen.
Im Schlafzimmer der luxuriös eingerichteten Wohnung bietet sich ihnen ein erschreckendes Bild: Die leblose Frau liegt spärlich bekleidet zwischen Kleiderschrank und Himmelbett. Schnittverletzungen an Hals und Rücken zeugen davon, dass sie erstochen wurde.
Um 18.02 Uhr geht bei der Frankfurter Polizei ein Anruf ein. Ein Mordopfer sei aufgefunden worden. Der Leiter der Mordkommission K11, Oskar S., leitet umgehend die Ermittlungen ein. Für den jungen Kommissar ist es sein erster und wohl auch spektakulärster Fall.
Im Zuge der Ermittlungen gelingt es, den Tatzeitpunkt zu bestimmen: Das Opfer Helga Matura muss in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar ermordet worden sein. Mindestens 16 Stiche haben laut Obduktion zum Tod geführt. Mutmaßliches Tatwerkzeug könnte ein Pfeifenbesteck gewesen sein. Die Tatwaffe wird jedoch nie gefunden.
Die ermordete 32-Jährige ist eine stadtbekannte Edelprostituierte. Mithilfe von Zeugenaussagen lässt sich die Tatnacht teilweise rekonstruieren: Gegen 1 Uhr nachts verlässt Matura ihre Wohnung. Sie ist in Begleitung eines Mannes. Eine Funkstreife sichtet die Frau etwa eine Stunde später allein in ihrem Auto. Ein weiterer Zeuge berichtet, sie wenig später wieder in Begleitung eines Mannes gesehen zu haben.
Dieser letzte Freier gilt von nun an als Tatverdächtiger. Die Ermittler fertigen ein Phantombild an und hoffen auf Hinweise. Aber auch eine ausgesetzte Belohnung von 5.000 D-Mark führt zu keinen zielführenden Erkenntnissen. Alle der insgesamt 400 ausgewerteten Spuren laufen ins Leere.
Von der Klatschpresse wird Matura schon bald als „die zweite Nitribitt“ bezeichnet. Die Geschichte hat sich wiederholt. Denn neun Jahre zuvor wurde die Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt ebenfalls ermordet in ihrer Frankfurter Wohnung aufgefunden. „Die Frauen weisen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auf“, sagt Christian Setzepfandt. Der Historiker und Stadtführer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den mysteriösen Mordfällen.
Beide sind 1933 geboren, also Jahrgangsschwestern. Um gut betuchte Kundschaft anzulocken, setzen sie beide auf luxuriöse Karossen, quasi als Markenzeichen und Köder: „Nitribitt fährt einen schwarzen Mercedes 190 SL Cabriolet mit roten Ledersitzen und weißem Verdeck. Matura fährt einen weißen Mercedes 220 SE“, erklärt der Historiker.
Nitribitt wird nur 24 Jahre alt. Am 1. November 1957 findet die Polizei ihre Leiche. Die Obduktion ergibt, dass die Frau zunächst vermutlich mit einem Glasaschenbecher auf den Hinterkopf niedergeschlagen und anschließend erwürgt worden ist.
