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Ein einst als architektonisches Meisterwerk gefeiertes Wahrzeichen in NRW ist heute nur noch eine Erinnerung. 50 Jahre lang prägte es das Stadtbild. Es gab einen bewegenden Abschied.
Düsseldorf – Sie prägen Postkarten, zieren Touristenführer und werden zu Selfie-Kulissen für Millionen von Besuchern: Wahrzeichen sind das Gesicht einer Stadt. Der Eiffelturm ist Paris, die Freiheitsstatue ist New York, und ohne das Brandenburger Tor wäre Berlin nicht dasselbe. Diese Bauwerke werden zu mehr als nur Architektur – sie werden zu Identitätsstiftern, zu kollektiven Erinnerungsankern. Ein solches Wahrzeichen stand einst in Düsseldorf: der „Tausendfüßler“.
Nur noch Schutt und Asche: Der Tausendfüßler nach seinem Abriss. ©
IMAGO / Funke Foto Services
Entworfen vom renommierten Architekten Friedrich Tamms, wurde im Jahr 1962 eine Hochstraße in Düsseldorf fertiggestellt. Die circa 600 Meter lange Strecke in der Innenstadt überspannte wichtige Teile Düsseldorfs und verband die Innenstadt mit umliegenden Stadtteilen. Mit seiner geschwungenen Form und den zahlreichen schlanken Stützen erinnerte das Bauwerk an ein riesiges Insekt, was ihm seinen liebevollen Spitznamen einbrachte: Tausendfüßler.
Vor Abriss: Emotionaler Abschied von Wahrzeichen in NRW
Im Laufe der Jahre wurde der Tausendfüßler zu einem festen Bestandteil der Düsseldorfer Identität. Er diente sogar als Kulisse für Filmproduktionen, wie in Dominik Grafs Werk von 1994 und in „Ein Freund von mir“ mit Jürgen Vogel und Daniel Brühl. Doch trotz seiner Bedeutung für das Stadtbild und seiner Anerkennung als Denkmal seit 1985 wurde der Tausendfüßler zunehmend Gegenstand von Debatten.
Der Tausendfüßler war eines der Wahrzeichen von Düsseldorf. © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Im Jahr 2007 beschloss der Rat der Stadt Düsseldorf den Abriss der Hochstraße zugunsten einer unterirdischen Verkehrsführung und der Neugestaltung des Kö-Bogens. Die Entscheidung löste kontroverse Diskussionen aus. Befürworter des Abrisses argumentierten mit der Notwendigkeit einer modernen Stadtentwicklung, während Gegner den Verlust eines wichtigen Stücks Architekturgeschichte beklagten.
Am 24. Februar 2013 nahmen etwa 35.000 Düsseldorfer in einer bewegenden Veranstaltung Abschied von ihrem Tausendfüßler. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, ein letztes Mal über die Hochstraße zu spazieren und sich ein Stück Beton als Erinnerung mitzunehmen. Kurz darauf begann der Abriss, um Platz für das Kö-Bogen-Projekt und ein modernes Tunnelsystem zu schaffen.
Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Straße ein Wahrzeichen einer Stadt ist. Oftmals sind es Gebäude. In NRW gibt es aber auch noch viele weitere Stadtbild-prägende Wahrzeichen, etwa eine Burgruine in Hilchenbach. Oder etwa die Wuppertaler Schwebebahn, der sogar ein eigenes Museum gewidmet ist.