DruckenTeilen
Mehrmals am Tag schaut das Eichhörnchen am Früchteladen von Yusuf Özcelik in der Innenstadt vorbei und will Nüsse. Die bekommt es auch. © privat
Tierische Besucher an ungewohnten Stellen gibt es in Starnberg einige – man erinnere sich an die Katze im Baumarkt. Auch Yusuf Özcelik hat im Früchteparadies „Fruterra“ an der Maximilianstraße öfter Besuch: von einem Eichhörnchen.
Eichhörnchen gelten als scheue Einzelgänger, flink, wachsam und in der Regel darum bemüht, dem Menschen aus dem Weg zu gehen. Doch an der Maximilianstraße in Starnberg sorgt seit einigen Wochen ein besonders zutrauliches Exemplar für staunende Blicke. Ein schokoladenbraunes Eichhörnchen hat dort Vertrauen zu einem Obsthändler gefasst und ist mittlerweile Stammgast im Früchteparadies „Fruterra“.
Ungewöhnliche Freundschaft mit einem Eichhörnchen
Alles begann Anfang Oktober. Yusuf Özcelik, der das Geschäft gemeinsam mit seinem Bruder Yasin führt, beobachtete plötzlich Bewegung vor der Auslage im Freien. Ein Eichhörnchen hüpfte zwischen den Obst– und Gemüsekisten umher, schnappte sich zielstrebig eine Walnuss und verschwand im nächsten Moment wieder. „Ich war erst überrascht, dann musste ich schmunzeln“, erinnert sich der 36-Jährige. Es dauerte nicht lange, bis der kleine Besucher erneut auftauchte.
Özcelik öffnete die Tür und warf dem Tier eine Walnuss zu. Das Eichhörnchen griff blitzschnell zu, sauste davon – und kehrte kurze Zeit später abermals zurück. Damit war der Beginn einer ungewöhnlichen Mensch-Tier-Beziehung gelegt, die sich seither fortsetzt.
Freut sich über den tierischen Besucher: „Fruterra“-Mitinhaber Yusuf Özcelik mit Tochter Nusaybah in seinem Geschäft an der Maximilianstraße. © Stephan Müller-wendtland
Inzwischen schaut das Eichhörnchen mehrmals täglich im Früchteparadies vorbei. Mit seinen kleinen Vorderpfoten klammert es sich an die Fensterlaibung der Eingangstür, richtet den Blick mit wachen Knopfaugen ins Ladeninnere und scheint genau zu wissen, wo es fündig wird. Der Ladeninhaber muss dann nicht lange überlegen, was der kleine Besucher begehrt: Nüsse. Viele davon. „An einem Nachmittag, meistens taucht der Kleine gegen 14 Uhr zum ersten Mal auf, habe ich ihm einmal etwa 30 Walnüsse zugeworfen“, erzählt Özcelik. Das Tier trug die hartschaligen Früchte davon und versteckte sie offensichtlich in mehreren Vorratskammern für den Winter. Mindestens vier verschiedene Lager habe das Eichhörnchen nach seiner Einschätzung inzwischen im Umfeld des Ladens angelegt.
Eichhörnchen wagt sich sogar nach drinnen
Steht die Ladentür offen, wagt sich das zutrauliche Tier mittlerweile sogar ins Innere. Dann flitzt es ohne Zögern zum Korb mit den Walnüssen neben dem Eingang, schnappt sich eine Frucht und ist im nächsten Moment wieder verschwunden – auf direktem Weg in eines seiner Winterlager.
Wintereinbruch in Bayern: 25 beeindruckende Bilder aus den letzten Jahren
Fotostrecke ansehen
Auch das Vertrauen zum Menschen ist gewachsen. Inzwischen frisst das Tier dem Ladeninhaber sogar aus der Hand, wenn dieser die Nuss bereits aus der Schale gelöst anbietet. Eine Nähe, die bei frei lebenden Eichhörnchen eher selten zu beobachten ist. Das Tier entscheidet stets selbst, wie nahe es kommen möchte. Eine Besonderheit hat Yusuf Özcelik dabei ebenfalls festgestellt: Das Eichhörnchen zeigt sich nur, wenn er persönlich im Laden ist. Wird das Geschäft von seinem Bruder Yasin geführt, bleibt der kleine Besucher fern – als hätte er sich ganz bewusst seinen menschlichen Ansprechpartner ausgesucht.
Maskottchen des Ladens
Für die Kundinnen und Kunden ist das Eichhörnchen fast so etwas wie ein heimliches Maskottchen des Ladens geworden. „Vorsicht, hinter Ihnen befindet sich ein Eichhörnchen“, warnt Özcelik dann hin und wieder, wenn der kleine Nager sich wieder annähert. Doch statt Schrecken oder Hektik erntet er erstaunte und erfreute Reaktionen.
Der sechsfache Familienvater selbst sieht die Begegnungen mit dem Tier als Bereicherung seines Alltags. „Wenn das Eichhörnchen auftaucht, ist der Tag für mich nur Sonnenschein“, sagt er. Die Menschen im Laden freuen sich mit ihm – und hoffen, dass der kleine Nussliebhaber dank seiner gut gefüllten Vorräte sicher durch den Winter kommen wird.