Dresden. Es war eine emotionale Rückkehr für Sören Gonther zu seinem alten und neuen Arbeitgeber. Als der 39-Jährige am Freitagmorgen ins Geschäftsführerbüro in der Walter-Fritzsch-Akademie kam, entdeckte er sich auf einem großen Wandplakat. Es zeigt eine Szene aus einem Gastspiel in Magdeburg während seiner eigenen Profizeit im SGD-Trikot von 2017 bis 2019. „Ich habe tatsächlich den zentralen Abwehrspieler da erkannt. Er ist heute ein bisschen grauer geworden“, flachste Dynamo Dresdens neuer Sport-Geschäftsführer.
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Seine zweite Karrierestation in Sachsens Landeshauptstadt, diesmal als Funktionär, bedeute ihm viel: „Ich habe mit meiner Familie sechs Jahre hier gelebt, immer einen besonderen Bezug zu dem Klub gehabt. Ich habe meine B-Plus-Lizenz, den DFB-Sonderkurs hier gemacht mit der U14/U15 damals. Ich war oft genug im Stadion, habe die Entwicklung immer eng verfolgt“, so Gonther, der seine Tätigkeiten als Geschäftsführer Sport und Finanzen von Regionalligist Hessen Kassel sowie als Sky-Experte für die 2. Bundesliga mit dem Jahresende niedergelegt hat.
Ich habe mir immer gedacht: Ich bin noch nicht fertig mit diesem Klub.
Sören Gonther,
Dynamos Sport-Geschäftsführer
Vor nunmehr sechseinhalb Jahren war er von der Sportgemeinschaft ausgerechnet zum sächsischen Rivalen Erzgebirge Aue gewechselt. Weder unter Trainer Maik Walpurgis, noch unter dessen Nachfolger Cristian Fiel war er dauerhaft Stammspieler. „Cristian Fiel und ich waren ein bisschen unterschiedlicher Auffassung über meine zukünftigen Einsatzzeiten. Ich war nie ein Spieler, der sich irgendwie hingesetzt und noch ein Jahr Vertrag mitgenommen hat. Ich wollte immer spielen”, erklärte er seinen vorzeitigen Abgang und fügte an: „Ich habe mir immer gedacht: Ich bin noch nicht fertig mit diesem Klub.“
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Nun kann er wie erhofft die Dynamo-Geschichte in seinem Lebenslauf weiterschreiben. Am Neujahrstag war sein offizieller Dienstbeginn. „Ich habe die ersten Unterschriften geleistet. Aber ein paar Tage vorher haben wir natürlich auch ein bisschen was zu tun gehabt. Ich freue mich sehr, dass die Wahl auf mich gefallen ist. Ich brenne für diese Aufgabe. Ich glaube, dass ich helfen kann bei den kurzfristigen Aufgaben und auch bei den langfristigen“, sagte Gonther im Hinblick auf den Kampf um den Klassenerhalt beim Zweitliga-Tabellenletzten, aber auch auf dessen danach angepeilte Konsolidierung im deutschen Fußball-Unterhaus.
Drei SGD-Neuzugänge allein am Freitag
Der Start scheint Gonther jedenfalls geglückt zu sein. Drei Neuzugänge wurden zum Auftakt der Rückrundenvorbereitung am Freitag verkündet und fliegen an diesem Sonnabend mit der Mannschaft von Cheftrainer Thomas Stamm ins Trainingslager in die Türkei. „In der Kürze der Zeit bin ich schon sehr zufrieden damit, was wir zum Trainingsstart präsentieren konnten“, sagte Sören Gonther und fügte an: „Ich glaube, dass wir uns wirklich verbessert haben und jetzt absolut konkurrenzfähig in die Rückrunde starten werden.“
Der neue Sportchef kündigte zugleich die kurzfristige Verpflichtung eines weiteren Schlussmanns an und machte damit auch die genaue Diagnose des verletzten Lennart Grill öffentlich: „Natürlich ist kein Geheimnis, wenn sich ein Torwart die Patella-Sehne reißt, dass wir auf der Position auch noch tätig werden. Und das hoffentlich in den nächsten Tagen, damit er auch frühzeitig im Trainingslager dabei ist. Weil es eine sehr kurze Vorbereitungszeit ist und wir einen schweren, langen Weg zu gehen haben.“
Der Chefcoach, den er persönlich noch nicht näher kenne, stehe für ihn dabei nicht zur Disposition, auch wenn seine einstigen Mitarbeiter bei Sky manchmal klare Kritik übten: „Dass ich manchmal mit meinen Expertenkollegen unterschiedlicher Meinung war, gehört dazu. Ihn mehr stärken, als ich es hier tue, kann man gar nicht. Thomas Stamm ist unser Trainer und ich bin zu 100 Prozent von ihm überzeugt. Man darf nicht verkennen, was er in seinem ersten Jahr hier geleistet hat. Ich komme nicht hierhin und mache Tabula Rasa“, so Gonther, der auch darauf verwies, dass Stamm zuletzt den jungen Friedrich Müller aus der Nachwuchsakademie hochgezogen hat.
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Mit 13 Punkten aus 17 Spielen sieht Gonther Dynamos Ausgangslage als schwierig, aber keineswegs aussichtslos an. „Ich hatte selber mit St. Pauli im Winter einmal 13 und einmal 11 Punkte. Da kam auch schon von allen der Abgesang. Ich kenne diese Situation als Spieler und weiß, was wir drumherum auch verändert haben“, berichtete Gonther. „Bei mir ist das Glas immer halb voll, nicht halb leer. Am Ende waren wir auf Platz sieben. Im Fußball ist alles möglich.“ Er sei optimistisch und überzeugt, dass die Schwarz-Gelben im Mai über dem Strich stehen.
Natürlich ist kein Geheimnis, wenn sich ein Torwart die Patella-Sehne reißt, dass wir auf der Position auch noch tätig werden.
Sören Gonther,
Dynamos Sport-Geschäftsführer
Nach Angaben des neuen Dynamo-Aufsichtsratschefs Michael Ziegenbalg habe man Gonther, der vor anderthalb Jahren im Auswahlverfahren noch gegen den mittlerweile geschassten Thomas Brendel das Nachsehen hatte, vor der eigentlichen Bewerbungsphase angesprochen. Letztlich habe man Gonther aus 60 Bewerbern ausgewählt. „Er war bei so gut wie allen Vereinen Kapitän, ist immer vorangegangen, hat sich immer vor seine Mannschaft gestellt. So erwarten wir das hier auch. Er hat uns auch mit seinen Ideen überzeugt rund um Dynamo Dresden – wie wir Fußball spielen wollen, was sich verändern muss“, begründete Michael Ziegenbalg.
Im Vergleich zu 2024 habe sich Gonther auch noch mal weiterentwickelt, mehr Erfahrung gesammelt. „Er ist noch mal ein Stück weit sicherer geworden in allen Themen. Der Sport-Geschäftsführer muss nicht zwingend immer nur die Sportthemen bei uns im Verein abräumen, sondern es gibt noch ganz viele andere Themen. Da ist natürlich gut, dass er bei Hessen Kassel mehr als den Sport gemacht hat. Dort hat er dazu beigetragen, dass eine Professionalisierung stattgefunden hat. Deswegen ist jetzt die Entscheidung auf Sören gefallen“, erklärte Ziegenbalg.
Born: Netzwerk wichtiger als Erfahrung
Und der stellvertretende Aufsichtsratsboss Michael Born, der Gonther seit knapp 20 Jahren kennt, ergänzte: „Ausschlaggebend war seine sportliche Expertise. Sören bringt auch ein großes Netzwerk mit. Er hatte auch durch die Sky-Tätigkeit, jede Woche als Experte, von allen Kandidaten den besten Überblick über die zweite Liga.“ Dass Gonther als Funktionär im Profifußball ein Neuling ist, hält Born für unbedenklich: „Viel wichtiger als jahrelange Erfahrung sind das Netzwerk, die Herangehensweise, der Austausch, den Sören mit dem Trainer anstreben wird.“
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Auch Sören Gonther selbst trat diesem Kritikpunkt entschieden gegenüber. Den Vorwurf eines unzureichenden Netzwerks könne man ihm nicht machen und sein Erfahrungsschatz sei nicht zu unterschätzen: „Die Kabine funktioniert in jeder Klasse gleich. Die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, und wenn sie bis zur Betriebsprüfung ins Finanzamt gingen, helfen mir enorm, auch Zusammenhänge einzuschätzen zu wissen. Dass das alles größer ist, ist mir bekannt. Aber ich war als Spieler lange genug in dem Zirkus und habe da auch immer weit über den Tellerrand hinausgeblickt.“
Noch nicht möglich war ihm, zu allen Spielern gemeinsam zu sprechen. Das wird er am Sonnabendmorgen vor der Abreise ins Trainingslager tun und bei dieser Gelegenheit auch gleich die neuverpflichteten Spieler der Mannschaft vorstellen. In der Türkei hat Sören Gonther dann genug Zeit, den Trainer und die Profis näher kennenzulernen.
DNN