In einem Bekennerschreiben hat die linksextreme Vulkangruppe den Brandanschlag auf Kabel des Kraftwerks Lichterfelde für sich reklamiert. Zehntausende Haushalte im Berliner Südwesten sind deshalb seit Samstagmorgen ohne Strom und Heizung. Die Gruppe bezeichnete den Anschlag als „gemeinwohlorientierte Aktion“. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hält das Schreiben für echt.

Geschäfte dicht, klirrende Kälte, kein Handyempfang Der Mega-Stromausfall in Berlin in Bildern

„Wir haben heute Nacht das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde erfolgreich sabotiert“, heißt es in dem Schreiben, das der Polizei seit Samstag vorliegt und am Sonntag auf einer einschlägigen Website veröffentlicht wurde. „Der Angriff auf das Gaskraftwerk ist ein Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen.“

„Es kam zu Stromausfällen in den wohlhabenderen Stadtteilen Wannsee, Zehlendorf und Nikolassee“, teilt die Gruppe nüchtern mit – und stellt diese wie einen Kollateralschaden dar. „Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft. Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen.“

Wer ist die Vulkangruppe?

Gegründet haben soll sich der linksextreme Zusammenschluss bereits 2011, seitdem werden immer wieder Brandanschläge in Berlin und Brandenburg im Namen der „Vulkangruppe“ verübt. Schon zweimal soll sie in den Jahren 2021 und 2024 die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide angegriffen haben.

Ob sie auch hinter dem Anschlag steckt, der im September 2025 zu einem großen Stromausfall in Adlershof führt, ist bisher nicht endgültig geklärt. Ermittler vermuten aber einen Zusammenhang. Bei den Angriffen wurden als Ziel zumeist Kabelschächte an Bahntrassen gewählt. In einigen Fällen griff die Gruppe auch Funkmasten oder Datenleitungen an, teilweise auch Firmenfahrzeuge.

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Der Berliner Verfassungsschutz ordnet die Gruppierung dem anarchischen Spektrum zu. Völlig unklar ist unterdessen, wie sich die Linksextremen zusammensetzen, wie viele sie sind und wie sie sich organisieren. Vom Nachrichtendienst ist lediglich zu hören, dass in mindestens acht Fällen die Texte der Bekennerschreiben der vergangenen Jahre in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen sich so ähneln, dass die Behörde von einem „(teil-)identischen Autorenkreis“ ausgeht.