Ein Brandanschlag. Zehntausende ohne Strom. Kälte, Dunkelheit, Stillstand. Und eine Stadt, die erneut überrascht wirkt. Dabei ist das kein neues Szenario. Vor wenigen Monaten gab es bereits einen Anschlag auf Berlins kritische Infrastruktur. Wer gehofft hatte, daraus seien Konsequenzen gezogen worden, sieht sich nun eines Besseren belehrt.
Denn dieser Stromausfall ist kein unabwendbares Unglück. Er ist das Ergebnis politischer und organisatorischer Versäumnisse. Kritische Infrastruktur gilt nicht ohne Grund als besonders schützenswert. Wer sie betreibt und verantwortet, muss mit Angriffen rechnen – und Vorsorge treffen. Redundanzen schaffen. Schwachstellen absichern. Notfallpläne bereithalten, die ihren Namen verdienen. All das scheint in Berlin entweder nicht passiert oder wirkungslos geblieben zu sein.
Kein Betriebsunfall, sondern strukturelles Versagen
Stattdessen erleben die Bürger tagelange Ausfälle mitten im Winter. Haushalte ohne Heizung, Pflegebedürftige ohne verlässliche Versorgung, Betriebe vor existenziellen Problemen. Eine Hauptstadt, die sich rühmt, modern und resilient zu sein, scheitert an der elementaren Aufgabe, Strom zuverlässig bereitzustellen. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist strukturelles Versagen.
Hinzu kommt die Tat selbst. Wer sich in einem Bekennerschreiben politisch motiviert zu einem solchen Brand bekennt, wer unter dem Vorwand von Ideologie zentrale Versorgungsleitungen zerstört, greift nicht „den Staat“ an. Er greift die Gesellschaft an. Er trifft diejenigen, die keinerlei Verantwortung für politische Entscheidungen tragen – aber die Konsequenzen tragen müssen.

Wer kritische Infrastruktur nicht schützt, macht sie zur Zielscheibe
Das ist kein Protest. Das ist kein Widerstand. Das ist Gewalt gegen die Gesellschaft, verbrämt mit politischen Parolen. Und es ist der Offenbarungseid einer Ideologie, der reale Menschen egal sind, solange man sich moralisch überlegen fühlen kann.
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Doch so unerträglich die Tat ist – sie legt vor allem eines offen: Wie schlecht Berlin vorbereitet ist. Wer nach dem ersten Anschlag nicht lernt, lädt den nächsten ein. Die politische Verantwortung dafür lässt sich nicht wegdelegieren. Wer kritische Infrastruktur nicht schützt, macht sie zur Zielscheibe.
Berlin steht im Dunkeln. Nicht nur physisch. Sondern auch politisch.