Europa hat im globalen Wettbewerb um digitale Souveränität den Anschluss verloren – zu diesem ernüchternden Fazit kommt Miguel De Bruycker, Direktor des belgischen Zentrums für Cybersicherheit (CCB). Der Financial Times erklärte er: «Wir haben die ganze Cloud verloren. Wir haben das Internet verloren, lassen Sie uns ehrlich sein.»

Grund: Europas digitale Infrastruktur ist laut De Bruycker vollständig abhängig von US-Technologiekonzernen wie Amazon, Google oder Microsoft. «Wenn ich will, dass meine Daten zu 100 Prozent in der EU bleiben – dann kann ich weiterträumen», so der CCB-Chef. Europas Abhängigkeit von privatwirtschaftlichen, meist US-amerikanischen Akteuren sei derzeit alternativlos.

Zwar sieht De Bruycker darin kein unmittelbares Sicherheitsrisiko, warnt jedoch, dass Europa dadurch von entscheidenden Technologien wie Cloud-Computing oder Künstlicher Intelligenz abgekoppelt werde – beides essenziell für den digitalen Selbstschutz gegen Cyberangriffe. Zudem blockiere die EU mit ihrer eigenen Gesetzgebung, etwa dem KI-Gesetz, dringend benötigte Innovationen.

Er forderte eine gemeinsame europäische Initiative zur Entwicklung eigener digitaler Schlüsseltechnologien – vergleichbar mit dem Airbus-Projekt der 1970er-Jahre. Ansätze in Frankreich oder Deutschland seien erste Schritte, doch der Aufbau echter europäischer Alternativen zu den US-«Hyperscalern» brauche staatliche Unterstützung und klare politische Zielsetzungen.

Die Diskussion über «technologische Souveränität» werde auf EU-Ebene jedoch oft zu ideologisch geführt, kritisierte De Bruycker. Statt sich darauf zu konzentrieren, wie man die US-Dominanz beende, solle Europa lieber selbst Innovationen schaffen.