In Paragraf 22 der Vereinssatzung regelt der FC St. Pauli die Aufgaben des Präsidiums. Dazu zählen etwa die ordnungsgemäße Vorbereitung und Einberufung von Mitgliederversammlungen oder die Aufstellung eines jährlichen Finanzplans. Von Schneeräumarbeiten im Millerntor-Stadion weiß die Satzung allerdings nichts.

Präsident Oke Göttlich und Vizepräsidentin Luise Gottberg hielt das am Sonntagvormittag trotzdem nicht davon ab, gemeinsam mit knapp 80 kurzfristig zusammengetrommelten Fans den Rasen und die Tribünen freizuschaufeln, damit das Testspiel gegen Bundesligakonkurrent Werder Bremen nicht dem Wintereinbruch zum Opfer fallen musste.

„Gestern waren wir kurz davor, das Spiel abzusagen. Wir hätten auch fast ohne Zuschauer gespielt“, sagte Göttlich, die Greenkeeper hätten „sensationell“ gearbeitet, ebenso wie die Stadtreinigung und die freiwilligen Helfer. „Danke an die Leute, dass sie gekommen sind!“

FC St. Pauli spielt gegen Werder Bremen im Testspiel 0:0

Weniger als eine Woche vor der Wiederaufnahme des Punktspielbetriebs gegen RB Leipzig (Sonnabend, 15.30 Uhr) bedankten sich die St.-Pauli-Profis dann auch mit einer vernünftigen Leistung, trennten sich vom befreundeten und gleichzeitig überaus harmlosen Club von der Weser mit 0:0.

Trainer Alexander Blessin hatte dabei mit Ausnahme von Innenverteidiger David Nemeth (Reha nach Adduktoren-OP), Linksverteidiger Louis Oppie (Bluterguss im Oberschenkel), den Stürmern Martijn Kaars (leichte Adduktoren-Probleme) und Andréas Hountondji (Haarriss am Sprunggelenk) sowie des dritten Keepers Simon Spari (Syndesmose) sämtliche Profis zur Verfügung, entschied sich deshalb dafür, fast jedem Akteur eine Halbzeit Spielpraxis zu geben.

Sinani ersetzte Fujita im Zentrum

Im ersten Durchgang brachte Blessin die erste Garde, wobei lediglich die Rückkehr von Danel Sinani überraschte. Der Zehner hatte seinen Stammplatz im Laufe der Hinrunde verloren, nun verdrängte er Achter Joel Chima Fujita auf die Bank. Kapitän Jackson Irvine rückte dadurch etwas zurück, bildete mit James Sands eine klassische Doppelsechs.

„Der Trainer hat mich gebeten, meinen neuen Landsmann Tomoya Andō zu unterstützen, weil er noch nicht so gut Englisch spricht“, begründete Fujita die Bankrolle. Für den zweiten Japaner im Kiezclub sei es sehr wichtig gewesen, auf dem Feld ein wenig geführt zu werden. „Aber er wird sich bald schon gut angepasst haben“, so Fujita.

Der Rasen war zwar völlig vom Schnee befreit worden, wirkte dennoch etwas tief und langsam. Dies führte in einer überschaubar spektakulären Partie dazu, dass ein mehrere Meter über das Tor fliegender Linksschuss von Mathias Pereira Lage (16.) bereits als eine der größten St.-Pauli-Chancen im ersten Durchgang gewertet werden musste. Der Franzose hatte den Ball zuvor geistesgegenwärtig in seitlicher Strafraumposition selbst erobert, die 25.087 Fans, die es angesichts der Witterung ins eigentlich ausverkaufte Millerntor geschafft hatten, nahmen jegliche Torannäherung wohlwollend zur Kenntnis.

Beide Teams wechseln in der Pause komplett durch

In der 22. Minute war es Irvine, der einen Eckball erneut nicht perfekt, aber zumindest gefährlicher in Richtung Tor köpfte, Hauke Wahl am zweiten Pfosten aber aus kurzer Distanz scheiterte. Von Werder kam abgesehen von einigen langen Bällen, die St. Pauli problemlos wegverteidigte, fast gar nichts. Erst in der 33. Minute versuchte es Yukinari Sugawara einmal aus der Distanz, jagte den Ball aber aus rund 20 Metern ebenfalls deutlich über das Tor.

Nachdem St. Pauli in der Halbzeit mit Ausnahme von Torwart Nikola Vasilj einmal komplett durchwechselte, dauerte es nicht mal eine Minute, ehe Youngster Marwin Schmitz aus kurzer Distanz die größte St.-Pauli-Chance vergab. Zuvor hatte Abdoulie Ceesay Erik Ahlstrand mit einem öffnenden Ball geschickt, und der Schwede eine präzise Hereingabe in die Mitte gespielt. Oladapo Afolayans Nachschuss wurde geblockt.

Der zuletzt aus dem Spieltagskader aussortierte Afolayan war nur fünf Minuten später an der nächsten Chance beteiligt, setzte einen Schuss aus halb rechter Strafraumposition aber übers Tor. Von einem lustlosen Auftritt eines Spielers, der in diesem Wintertransferfenster das Weite suchen dürfte, war Afolayan weit entfernt, vielmehr der auffälligste Akteur des Kiezclubs.

Für einen Treffer reichte es dennoch nicht, auch weil Fujita in der 89. Minute zu zentral abschloss und Afolayan eine Minute später an einer Ahlstrand-Hereingabe vorbeirutschte. Werder brachte derweil nicht mal einen Torschuss zustande.

„Das war ein gutes Signal, weil wir viel über die defensive Stabilität gesprochen haben, die für uns zum entscheidenden Faktor wird. Ich fand, wir haben gut gespielt, wenngleich wir nicht so viele Chancen kreiert haben, es war ein ordentlicher Wiederbeginn“, meinte Torwart Vasilj.

Blessin hob ebenfalls hervor, dass seine Mannschaft keine Großchance zuließ: „Dazu hatten wir gute Umschaltmomente und waren solide im Gegenpressing. Auch nach vorn hatten wir unsere Aktionen, da müssen wir ein Tor machen, der Sieg wäre verdient gewesen.“

FC St. Pauli, 1. Halbzeit: Vasilj – Wahl, Smith, Mets – Pyrka, Sands, Irvine, Ritzka – Sinani – Jones, Pereira Lage.
FC St. Pauli, 2. Halbzeit: Vasilj (60. Voll) – Dzwigala, Ando, Robatsch – Saliakas, Schmitz (79. Schmidt), Fujita, Ahlstrand – Metcalfe – Afolayan, Ceesay.
Werder Bremen, 1. Halbzeit: Backhaus – Pieper, Friedl, Coulibaly – Sugawara, Lynen, Schmidt – Stage, Schmid, Puertas – Njinmah.
Werder Bremen, 2. Halbzeit: Hein – Malatini, Stark, Wöber – Grüll, Alvero, Deman – Adeh, Mbangula, Covic – Topp.