Oerlinghausen. Für den LiLi-Markt in Lipperreihe geht es nach dem 20. Februar nicht weiter. Diese Nachricht dürfte bei einigen Lipperreihern für traurige Stimmung sorgen. „Wir wohnen nur 200 Meter vom LiLi-Markt entfernt, müssen aber dann zum Einkaufen immer zum Rewe fahren“, sagt ein besorgter Kunde gegenüber dieser Zeitung. „Wir hatten in den letzten Monaten einen drastischen Umsatzeinbruch“, sagte Geschäftsführer Ralph Ober Ende Dezember gegenüber dieser Zeitung. Zu dem Zeitpunkt liefen noch die Gespräche über die mögliche Zukunft des Dorfladens.
Am 31. Dezember steht dann seitens der Gesellschafter der LiLi GmbH, die den LiLi-Markt als Franchise-Geschäft betreibt, fest: Der 20. Februar wird der letzte Verkaufstag sein. Manche Waren werden zwar nicht bis zum Tag der Schließung verfügbar sein, aber die Versorgung des Markts mit einem ausreichenden Sortiment von Obst, Gemüse, Frischware und haltbarer Lebensmittel soll bis dahin gewährleistet bleiben, so Ober.
Das sind die Ursachen
Ende September 2014 wurde der Bürgerladen in Lipperreihe eröffnet. Seitdem verzeichnete das kleine Geschäft positive Bilanzen und etablierte sich als Größe im Ort, aber: Bereits in der vergangenen Zeit seien im laufenden Betrieb verschiedene Maßnahmen zur Umsatzsteigerung erforderlich gewesen und ergriffen worden, keine davon habe jedoch ausreichende Wirkung gezeigt, sagt Ober.
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Die Ursache für die Einbrüche in den Finanzen des LiLi-Markts sieht der Geschäftsführer in dem vor einigen Jahren errichteten Rewe-Markt in der Südstadt. Seinerzeit hatte es Bürgerproteste gegen die Errichtung des Markts und Befürchtungen von negativen Auswirkungen auf den LiLi-Markt gegeben. „Uns wurden damals 33 Prozent Einbußen prognostiziert. Das ist so nicht eingetreten“, sagt Ober, die Auswirkungen seien dennoch drastisch genug. „Die Entwicklung der Kaufkraft in neuen Märkten braucht eine gewisse Zeit. Es dauert, bis die sich etabliert haben“, erklärt er sich die zeitversetzten Umsatzeinbrüche im Zusammenhang mit der Entstehung des Rewe-Markts.
Kleine Einkäufe tragen nicht
Das Bedauern in der Stammkundschaft und beim Verein „Leben in Lipperreihe“ sowie bei der GmbH sei groß, sagt Ober. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen und man sei den Stammkundinnen und Stammkunden und den Ehrenamtlichen sehr dankbar für die vergangenen elf Jahre. Zur Wahrheit gehöre aber auch: „Viele sind zwar Stammkunden, kaufen aber bei uns dennoch nur die Packung Milch oder Flasche Wodka.“ Dass sich das auf Dauer nicht rechnet, zeigt sich deutlich. So liege man bei einem monatlichen Umsatz von etwa 90.000 Euro, bräuchte aber einen Umsatz von etwa 170.000 Euro monatlich, um den Laden halten zu können. Im November 2025 habe der Umsatzeinbruch beispielsweise bei 9,5 Prozent gelegen.
Ein Bild aus der Eröffnungszeit im September 2014: Der LiLi-Markt stößt auf Begeisterung.
| © Archivfoto: Karin Prignitz
Und auch die Personalkosten stellen ein immer größer werdendes Hindernis dar. Der Anstieg des gesetzlichen Mindestlohns seit Anfang 2022 um rund 30 Prozent und eine weiteren Erhöhung um 8,4 Prozent seit Januar 2026 sei schwer zu stemmen. Hinzu kommt: „Als ehrenamtlicher Bürgerladen sind die Handlungsoptionen ohnehin gering. Man hätte sich vorstellen können, das Ganze als Familienunternehmen weiterzuführen, allerdings bräuchte man dazu auch ein Familienunternehmen, dass sich der Sache annimmt“, so Ober weiter.
Neben Ehrenamtlichen gibt es auch fest angestelltes Personal im LiLi-Markt. Einige von ihnen hätten bereits Folgeverträge beziehungsweise andere Perspektiven, sagt Ober. Was mit den Verkaufsräumen des Markts passiert, werde zum entsprechenden Zeitpunkt der Vermieter entscheiden.
Auch für die Dorf-App ist Schluss
Neben dem Aus des Dorfladens gibt es seit dem 31. Dezember noch ein weiteres Aus in Lipperreihe zu verzeichnen: Auch mit der Dorffunk-App ist Schluss. „Das war eine kreisweite Entscheidung“, sagt Jürgen Hubrich, Vorsitzender des LiLi-Vereins. Durch das Auslaufen eines Förderprogramms und den Wechsel einiger Kommunen zu eigenen Lösungen, sei das Ende des Dorffunks unumgänglich gewesen. Hubrich beruhigt jedoch: Das verringerte Angebot deute nicht auf ein Ende des Vereins hin, so Hubrich. „Der Verein wird weiter fortgeführt“, sagt er und verweist auf Vor-Ort-Angebote wie den kürzlich veranstalteten Lipperreiher Weihnachtsmarkt.
