Berlin – Es sind düstere Fotos aus der Hauptstadt: Ganze Teile Berlins versinken in der Dunkelheit, Menschen frieren in ihren Wohnungen. Ohne Strom, ohne Internet, ohne Warmwasser. Und in den kommenden Tagen droht auch noch Dauerfrost!
Noch bis Donnerstag soll ein Großteil der 45.000 Haushalte vom Stromausfall betroffen sein. Wie sollen die Menschen mit dieser Notsituation umgehen?
In BILD spricht Krisen-Experte Albrecht Broemme (72), der bis 2019 Präsident vom Technischen Hilfswerk war. Broemme zu BILD: „Das wird unangenehm kalt in Berlin. Lebensgefahr besteht für die meisten Menschen nicht. So schnell kühlen Häuser nicht aus. Aber ohne Strom funktionieren Heizungen nicht, es kann nicht gekocht werden, es gibt keine Internetverbindung. Deshalb wäre mein Tipp: Gehen Sie. Gehen Sie zur Familie, zu Verwandten oder zu Freunden – dorthin, wo der Strom funktioniert.“
„Wir müssen zusammenhalten!“
Der ehemalige Präsident des THW Albrecht Broemme (72)
Foto: picture alliance/dpa
Dabei appelliert der erfahrene Krisenmanager an den Zusammenhalt. „Gehen Sie aber nicht, ohne nach Ihren Nachbarn zu sehen. Dieser Stromausfall ist eine Notsituation, in der es darauf ankommt, dass wir zusammenhalten. Nachbarn helfen Nachbarn – ob man sich kennt oder nicht.“
Fenster zu, kein Feuer ohne Kamin
Wer nirgendwohin kann: „Wenn der Strom wirklich noch länger wegbleibt, wird es mehr als ungemütlich. Halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Auf gut Deutsch: auch, wenn es mieft! Das hält die Kälte draußen.“ Vor offenen Flammen warnt er ausdrücklich. „Feuer bitte nur, wenn es einen geeigneten Kamin gibt. Die Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ist zu hoch.“
Albrecht Broemme ist erfahrener Krisenmanager: Von April 2006 bis Ende 2019 war er Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Zuvor war er ab Mitte 1992 als Landesbranddirektor Leiter der Berliner Feuerwehr.
Auch der Alltag ohne Strom erfordert eine Umstellung. „Wenn Sie Lebensmittel im Tiefkühler haben, halten Sie die Türen der Geräte geschlossen. Jedes Mal, wenn sie das Gerät öffnen, entweicht die Kälte. Man kann die Lebensmittel auch auf dem Balkon oder in der Nähe des Fensters lagern.“ Eine klare Warnung hat Broemme trotzdem: „Wenn Sie einmal verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank hatten, können Sie das Gerät wegwerfen. Den Geruch bekommen Sie da nie wieder raus.“
Er erinnert sich: „Ich habe das Mal in New York erlebt. Nach Hurrikan Sandy gab es auch dort über einen längeren Zeitraum in einigen Haushalten keinen Strom. Danach haben sich die entsorgten Kühlschränke und Tiefkühltruhen auf der Straße getürmt.“
Polizei prüft Bekennerschreiben
Die Polizei im Einsatz an der Kabelbrücke, an der ein Brand den Stromausfall ausgelöst haben soll
Foto: Pressefoto Wagner
Der Polizei ist inzwischen ein Bekennerschreiben zugestellt worden. Auch Broemme hatte bereits zuvor einen Anschlag vermutet. Er betont aber einen Vorteil für Berlin: „Wir sind hier in Berlin in der glücklichen Situation, dass der lokale Stromversorger Stromnetz Berlin noch eigene Entstörungstrupps hat. Viele regionale Stromversorger haben solche Teams inzwischen nicht mehr – aus Kostengründen.“