
AUDIO: Schloss Ludwigslust: Westflügel und Goldener Saal öffnen 2026 (5 Min)
Stand: 05.01.2026 09:26 Uhr
Ab dem 30. Mai öffnet Schloss Ludwigslust seine umfassend restaurierten Bereiche für Besucherinnen und Besucher. Mit dem sanierten Westflügel und dem Goldenen Saal präsentiert sich das „Versailles des Nordens“ erstmals wieder in seiner ganzen barocken Pracht.
Es wird bunt im Westflügel. „Insbesondere natürlich bei Alexandrine – die mochte Farbe, bis es kracht“, sagt Jörg Meiner von den Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. Gemeint ist Alexandrine, die preußische Prinzessin und Erbgroßherzogin von Mecklenburg. Sie lebte im 19. Jahrhundert im Schloss Ludwigslust. Bunt heißt hier: Gelb, Rot, Grün und Blau – leuchtend, kräftig, intensiv. Jeder Raum mit einer eigenen Wandbespannung oder Tapete.
Raum mit Blumendekor: Spezialdruck auf Seide
Als Projektleiterin hat Anja Niemann die Bauarbeiten im Schloss Ludwigslust begleitet. „Wir haben einen ganz besonderen Raum, der mit einer Seidenbespannung und mit Vorhängen mit Seide aus Frankreich versehen ist“, erklärt Niemann. „Draufgedruckt ist ein Blumendekor in mehreren Farben: Rosa, Rot und Grün, sehr bunt und natürlich dargestellt.“ Jede Farbe erhielte einen Extradruck – und es gebe in ganz Europa nur dieses eine Unternehmen, das diese Technik noch anwendet.
2017 wurde mit der Vorbereitung der Sanierung des Westflügels begonnen. Die Bauarbeiten gestalteten sich umfangreicher als gedacht. Zunächst hieß es, 2022 könnte der Westflügel eröffnet werden. Nun ist es 2026 geworden.
Höfisches Leben in Ludwigslust wird erlebbar

Barocke Farbenpracht: Ost- und Westflügel des Schlosses werden erstmals zusammen begehbar sein.
Ende Mai sollen sich die Besucher selbst ein Bild vom ehemals höfischen Leben in Ludwigslust machen, kündigt die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen, Pirko Kristin Zinnow, an. „Wir lassen das eindrucksvolle Leben der Herzogin und der Frauen am Hofe wieder auferstehen“, verspricht Zinnow. „Im ersten Obergeschoss wird dann erstmals auch der Ost- und Westflügel zusammen begehbar sein: das Apartment des regierenden Herzogs im Ostflügel und das der Herzogin im Westflügel. Im zweiten Obergeschoss wird das Apartment der Herzogin Alexandrine rekonstruiert.“
Daneben erfahren die Besucher auch viel über die gesamte Geschichte des Schlosses – vom Herzogssitz über die Nutzung als Büroräume bis hin zur Gegenwart. „Im Erdgeschoss des Westflügels wird es eine Einführung in die Schlossgeschichte mit modernen Medien geben“, kündigt Zinnow an. Neben Filmen sei auch ein begehbares Modell des Schlosses geplant.
In die mit bunten Wandbespannungen, kostbaren Teppichen, Kronleuchtern und Gemälden ausgestatteten Räume kommen in den Monaten bis zur Eröffnung im Mai zwischen 150 und 200 Objekte, weiß Jörg Meiner: „Viele Gemälde sind ja entweder als Leihgaben zu uns gekommen oder kommen noch als Leihgaben. Aus dem Stadtmuseum Berlin, der Nationalgalerie in Berlin oder auch von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten kriegen wir eine ganze Reihe von Leihgaben, nicht nur Gemälde, sondern auch Möbel und andere Dinge. Das kommt immer alles ganz zum Schluss und wird dann gleich von Nagel zu Nagel sozusagen an die Wand gehängt, im Beisein der entsprechenden Restauratoren des Leihgebers.“
Vergoldetes Toilette-Service von Alexandrine kommt aus Hamburg
Eine der Leihgaben, ein vergoldetes Toilette-Service von Alexandrine, kommt aus Hamburg. „Dieses Toilette-Service ist 1945 durch die Familie mit nach Glücksburg genommen worden und dann aufgrund der äußeren Umstände 1950 in Hamburg verauktioniert worden“, erklärt Meiner. Das Museum für Kunst und Gewerbe schlug zu – und so landete das Stück in der dortigen Sammlung. „Als wir gemerkt haben, dass das Toilette-Service in Hamburg gar nicht mehr in der Ausstellung ist, haben wir die Kollegen gefragt, ob wir es in Ludwigslust zeigen könnten. Und so haben wir erreichen können, dass wir es als Dauerleihgabe bekommen.“
Die 15 Objekte des Services werden in einer Vitrine ausgestellt, genau in dem Raum, in dem die herzogliche Familie noch bis 1945 hier lebte – im Ludwigsluster Schloss, dem „Versailles des Nordens“.

Das spätbarocke Schloss Ludwigslust wird auch liebevoll als „Versailles des Nordens“ bezeichnet.

Lindenallee, Park und Schloss: In Ludwigslust stoßen Besucher auf Schritt und Tritt auf die prachtvolle Vergangenheit der Stadt.

Wer Schloss Ludwigslust besucht, erlebt mehr als ein sehenswertes Gebäude. Der Bau gehört zu einem barocken Ensemble.

Der offene Landschaftspark ist ein schönes Ausflugsziel. Barocke Gartenarchitektur und idyllische Wasserkunst prägen die Anlage.