
Immer mehr Selbstbedienungskassen in Supermärkten, Drogerien und Baumärkten: Die Verbraucherzentralen warnen vor zunehmenden Hürden, Käufe im Alltag problemlos bar zu bezahlen.
Die Verbraucherzentralen warnen vor zunehmenden Problemen, Alltagskäufe in Geschäften und anderen Einrichtungen bar zu bezahlen. Die Finanzexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverband, Dorothea Mohn, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich.“
Wenn Barzahlungen nicht mehr akzeptiert würden, drohe Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlmethoden wie Kindern und Jugendlichen oder älteren Erwachsenen ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe, sagte Mohn. Zudem komme es zu Konflikten und Mehraufwand etwa durch längeres Warten.
Verbraucherschützer fordern Bargeldquote
Konkret fordern die Verbraucherschützer, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssten und nicht erschwert werden dürften – etwa bei SB-Kassen und Automaten für Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. „Dies muss durch eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft erreicht werden“, heißt es in einem Forderungspapier des Verbands.
Im Einzelhandel mit insgesamt rund 710.000 Kassen gibt es inzwischen nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI 38.650 SB-Kassen. Und die Zahl steigt weiter, nachdem es 2023 noch gut 16.000 waren. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Und nicht überall ist Barzahlung möglich.
Für Anbieter sind digitale Zahlungen laut den Verbraucherschützern bequem, da Diebstahlrisiken und der Aufwand mit Scheinen und Münzen reduziert würden. Für Kundinnen und Kunden biete Bargeld aber viele Vorteile. Es schütze die Privatsphäre und ermögliche eine einfache Kontrolle der eigenen Ausgaben, so die Verbraucherschützer. Außerdem funktioniere es immer, auch ohne Internet und Strom.
Barzahlungen nicht immer möglich
Nach einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Bundesbank ist die Akzeptanz von Bargeld noch nahezu flächendeckend. Bei 2.000 Testkäufen in Einzelhandel, Gastronomie und bei Dienstleistern im Sommer war demnach in 98,7 Prozent der Fälle Barzahlung im ersten Anlauf möglich, bei 0,7 Prozent auf Rückfrage oder an anderen Kassen.
Bei Stichproben in Behörden etwa beim Ausstellen von Ausweisen habe sich aber gezeigt, dass Barzahlungen nicht immer möglich sind – in acht von 30 Fällen sei das nicht gegangen, erläuterte die Bundesbank. Und auch bei einem Aufruf der Verbraucherzentralen gingen von Mitte März bis Mitte Juni des vergangenen Jahres 1.300 Meldungen zu schwierigen Fällen beim Barzahlen ein.
Zwar werde Bargeld aktuell meistens noch im Handel, für Dienstleistungen oder in Behörden akzeptiert – aber die Akzeptanz nehme immer weiter ab, lautet das Ergebnis. In einer Umfrage unter 1.000 Menschen gaben im Oktober 30 Prozent an, im vergangenen halben Jahr in einem Café oder Geschäft vor der Situation gestanden zu haben, nicht bar bezahlen zu können, weil dies nicht möglich war.