Eine Zivilschützerin steht vor einem Tisch. Darauf stehen Utensilien, die für den Krisenfall wichtig sind.

AUDIO: Katastrophenschutz: Wie bevorratet man richtig? (3 Min)

Stand: 05.01.2026 12:41 Uhr

Ein Stromausfall wie in Berlin, Sturmfluten oder andere Krisenlagen: Mehrere niedersächsische Landkreise bieten derzeit Infoveranstaltungen, wie sich Bürgerinnen und Bürger besser vorbereiten können.

von Angelika Henkel

Der Raum im Gemeindehaus in Otterndorf (Landkreis Cuxhaven) füllt sich schnell. Draußen ist es kalt und dunkel, drinnen stehen 25 Stühle bereit. Angela Eberlein hat schon Platz genommen. Sie will wissen, wie sie im Ernstfall selbst vorsorgen kann. „Ich hasse es, in Situationen zu geraten, die ich nicht beeinflussen kann“, sagt Eberlein. „Ich möchte kontrolliert in solche Situationen gehen – deshalb finde ich diese Veranstaltungen sehr nützlich.“ Auch Marion Fandrich hat sich bereits Gedanken gemacht: „Einen kleinen Vorrat hat man ja normalerweise im Haus. Eine Notfallmappe mit den wichtigsten Papieren habe ich schon – den Rest höre ich mir heute gerne an.“

Selbsthilfe als wichtiger Baustein im Katastrophenfall

Vorne im Raum steht ein langer Tisch. Darauf hat Frauke Imsel verschiedene Gegenstände ausgelegt: Konservendosen, Medikamentenschachteln und ein batterieloses Radio, das per Handkurbel betrieben wird. Imsel ist im Landkreis Cuxhaven für den Zivilschutz zuständig und hält seit einigen Wochen Vorträge in verschiedenen Gemeinden. „Wir haben ein gutes Hilfeleistungssystem in Deutschland“, erklärt sie. „Aber wir können nicht überall gleichzeitig sein. Umso besser ist es, wenn Menschen vor Ort vorbereitet sind und Einsatzkräfte sich auf wirklich gefährdete Situationen konzentrieren können.“

Vorrat für Notfälle anlegen: So geht’s

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, bestimmte Mengen an Lebensmitteln zu bevorraten:

  • Essen und Trinken idealerweise für 10 Tage
  • 2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag
  • 2.200 kcal pro Person und Tag. Dabei Lebensmittel nach Haltbarkeit und persönlichen Vorlieben/Verträglichkeit wählen.
  • Gelagerte Lebensmittel regelmäßig verbrauchen und neu bevorraten („lebender Vorrat“)
  • Haustiere nicht vergessen (Nahrung, Einstreu)

Einen guten Überblick darüber, welche Lebensmittel sich in welchen Mengen für den Notfall-Vorrat empfehlen, bietet der Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Cyberangriffe und Sabotage auch Thema beim Zivilschutz

Bei den Informationsabenden geht es um unterschiedliche Szenarien: Überschwemmungen, Sturmfluten und Starkregen – Ereignisse, die durch den Klimawandel wahrscheinlicher werden. Aber auch Stromausfälle, Cyberangriffe oder Sabotage werden thematisiert. Zuhörerin Elisabeth Kowahl findet es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen: „Viele sagen, mir passiert das schon nicht. Aber gerade Cyberattacken – davor ist heute niemand mehr gefeit.“

Polizei in Berlin nach Stromausfall

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Vorsorge für den Notfall: Wasser, Vorräte und wichtige Dokumente

Auf einem Tisch liegen mehre Gegenstände wie Handschuhe, Zangen und ein Erste Hilfe Kasten.

Neben haltbaren Lebensmitteln ist auch eine Notfallausrüstung wichtig.

Sachlich und ruhig führt Frauke Imsel durch den Abend. Empfohlen werden unter anderem ausreichend Trinkwasser, Lebensmittel für mehrere Tage und eine Notfallausrüstung. Auch digitale Kopien wichtiger Dokumente, etwa auf einem Speicherstick, gehören dazu.

Lebensmittel: Nudeln, Reis und Konserven als Notfall-Vorrat

Einige Grundnahrungsmittel sind mehrere Jahre haltbar. Dazu zählen etwa:

  • Nudeln ohne Ei und Vollkorn
  • weißer, polierter Reis
  • Zucker
  • Honig
  • Salz
  • Branntwein-Essig
  • Wasser in Glasflaschen
  • Gemüse, Fisch, Brot und Fertigprodukte in Konservendosen
  • sauer eingelegtes Gemüse im Glas
  • Dosenfleisch wie Corned Beef oder Frühstücksfleisch ist zwar lange haltbar, aber meist gepökelt. Pökeln steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Gesünder ist etwa eingekochtes Fleisch im Glas.

Verschiedene Lebensmittel für den Notfall-Vorrat in einem Karton.

Behörden raten Verbrauchern, für Notfälle einen Vorrat im Haus zu haben. Diese Lebensmittel sollten unbedingt dabei sein.

Katastrophenschutz: Checkliste für Bürgerinnen und Bürger

Zum Abschluss nehmen die Teilnehmenden eine Broschüre mit einer Checkliste mit nach Hause. Angelika Pieper wünscht sich, dass das Angebot bekannter wird: „Wir müssen in die Dörfer gehen. Bevölkerungsschutz geht jeden an – aber vielen ist noch nicht bewusst, wie dringend das Thema ist.“ Frauke Imsel sieht das ähnlich. Sie plant, die Vorträge weiter auszubauen, um mehr Menschen zu erreichen. Auch andere Landkreise in Niedersachsen bieten inzwischen vergleichbare Informationsveranstaltungen zum Bevölkerungsschutz an.

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