Wie kann sich der Wald an den Klimawandel anpassen? In Gerlingen gibt es dazu zwei Versuchsflächen, auf denen 1600 junge Flaum- und Zerreichen gepflanzt wurden.

Gerlingen. Die Stadt Gerlingen unterstützt zusammen mit Forstrevierleiter Simon Walz vom Landratsamt Ludwigsburg aktiv die Forschung zur Waldanpassung an den Klimawandel. Insgesamt wurden rund 1.600 junge Flaum- und Zerreichen – verteilt auf zwei Versuchsanbauflächen – gepflanzt. Der Testanbau wird von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) begleitet.

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Die Wälder Baden-Württembergs stehen durch zunehmende Trockenheit, Hitzeextreme und Schädlingsdruck vor großen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund werden bundesweit und im Land sogenannte Praxis-Testanbauten eingerichtet – wissenschaftlich begleitete Pflanzflächen, auf denen vielversprechende, aber bislang im Land wenig erprobte Baumarten unter realen Bedingungen beobachtet und getestet werden.

„Als Stadt Gerlingen freuen wir uns, dass die Erkenntnisse aus unserem Stadtwald in landesweite Empfehlungen einfließen und wir damit einen Beitrag zur Klimaanpassung unserer Wälder leisten können“, so Bürgermeister Dirk Oestringer.

Hoffnungsträger aus wärmeren Regionen

Sowohl Flaum- als auch Zerreiche gelten im Zuge des Klimawandels als potenziell geeignete Ergänzungen für trockene und wärmere Standorte. Durch ihre tiefen Wurzelsysteme kommen beide Arten gute mit Trockenstress klar.

Beide Arten kommen regional bereits in Deutschland vor; die Flaumeiche gilt sogar als gebietsheimisch. Mit Baumarten wie zum Beispiel Kiefer, Feldahorn, Elsbeere oder Traubeneiche können beide Arten widerstandsfähige und ökologisch wertvolle Waldgesellschaften bilden, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

Landesweites Forschungsnetzwerk

Die neuen Versuchsanbauten im Stadtwald Gerlingen sind Teil eines landesweiten Netzes an wissenschaftlich begleiteten Testanbauflächen. Dr. Simon Boden, Leiter des Fachbereichs Wald am Landratsamt Ludwigsburg, betont den Wert des Projekts: „Der Klimawandel stellt unsere Wälder vor große Herausforderungen. Versuchsanbauten wie diese sind entscheidend, um wissenschaftlich fundiert herauszufinden, welche Baumarten unsere Wälder künftig ergänzen und stabilisieren können. Der Schwerpunkt wird und muss weiterhin in einer natürlichen Verjüngung der Wälder mit heimischen Baumarten liegen. Sofern die Baumartenpalette jedoch möglichst groß ist, können wir das Risiko bestmöglich streuen. Hierzu sind die Erkenntnisse aus den Testanbauten für einen Wald der Zukunft unerlässlich.“ (red)