Stadtwerke und Industrieunternehmen wollen in Augsburg Abwärme für die Energieversorgung der Stadt nutzen. Zusammen mit zehn Firmen haben die Stadtwerke Augsburg nun ein entsprechendes Netzwerk gegründet. Es sei der erste Zusammenschluss dieser Art in ganz Deutschland, berichtet das Kommunalunternehmen. Zu den Partnern zählen unter anderem Rolls Royce und der Roboterhersteller Kuka.

Täglich verpuffe in Industrieanlagen Energie, mit der ganze Stadt-Quartiere beheizt werden könnten, sagt Frank Kaminke. Er ist Leiter des Fernwärmevertriebs bei den Stadtwerken Augsburg und überzeugt: „Industrielle Abwärme ist ein Schlüssel zur Dekarbonisierung unserer Wärmenetze.“ Mit dem neuen Abwärme-Zusammenschluss soll „ein Beitrag für die klimaneutrale Wärmeversorgung in Augsburg geleistet werden“.

Aktuell stammen rund 20 Prozent der Augsburger Fernwärme aus Abwärme. Diese wird überwiegend aus der Abfallverwertungsanlage eingespeist. Bis 2040 soll der Abwärme-Anteil auf 35 Prozent steigen.

Eine Milliarde Euro für den Ausbau der Fernwärme

Insgesamt investieren die Stadtwerke Augsburg bis 2040 rund eine Milliarde Euro in den Ausbau der Fernwärme. Das Ziel: Mindestens 60 Prozent des Wärmebedarfs in Augsburg mit erneuerbaren Energien und Abwärme durch das Fern- oder Nahwärmenetz zu decken. Der Energiebedarf für die Fernwärmeversorgung verdopple sich dabei fast, von heute 570 Megawattstunden auf 1100 Megawattstunden. Neben großen Anlagen, wie dem Biomasseheizkraftwerk in Lechhausen, in dem Wärme und Strom aus Holzresten erzeugt werden, wollen die Stadtwerke auf dezentrale Anlagen wie etwa Großwärmepumpen setzen – und eben auf die Nutzung der Abwärme.

Zusätzlich sind in das Projekt unter anderem die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) und die Stadt Augsburg eingebunden. Ziel sei es, Unternehmen, Netzbetreiber und Kommune frühzeitig zusammenzubringen und die Abwärmepotenziale zu erfassen. „Schließlich soll die Nutzung der Abwärme helfen, dass die Ziele der kommunalen Wärmeplanung erreicht werden können. Dazu ist es auch notwendig, die Potenziale der Abwärme vor Ort frühzeitig in die kommunale Wärmeplanung einzubinden, damit alle Partner Planungssicherheit bekommen“, so Kaminke. Weitere Unternehmen, die sich dem Netzwerk anschließen wollen, können sich bei den Stadtwerken Augsburg melden.

„Energienutzungsplan Wärme“ wird weitergeführt

Kürzlich beschloss zudem der Umweltausschuss des Augsburger Stadtrats weitere Schritte in der kommunalen Wärmeplanung. Der im Dezember 2024 veröffentlichte „Energienutzungsplan Wärme (ENP)“ werde dadurch weitergeführt, erklärt Stefan Wagner, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und energiepolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion der Grünen. Der Koalitionspartner der CSU im Augsburger Rathaus hatte die frühe Veröffentlichung des Plans Ende 2024 im Stadtrat durchgesetzt.

Der ENP enthält Informationen darüber, wo in Augsburg künftig Fern- und Nahwärme angeboten werden, und in welchen Gebieten andere Anlagen wie Wärmepumpen oder Hackschnitzelheizungen mittelfristig Gas- und Ölheizungen ablösen sollen. Der Plan soll Eigentümern dabei helfen, die passende Wärmeversorgung für ihre Immobilien zu identifizieren. „Für eine erfolgreiche Wärmewende braucht es eine verbindliche, sektorenübergreifende Planung: vom Ausbau der Wärmenetze über geeignete Flächen bis hin zur Koordination der Infrastrukturmaßnahmen“, sagt Wagner. Im nächsten Schritt sollen nun Gebäudeeigentümer angeschrieben sowie Genehmigungsprozesse beschleunigt werden.

az