Die jährliche Auslobung des Ehrenamtspreises, ein neues Auto für die Sozialstation, ein Gemälde von Inge Kracht für die Sammlung des Museums, eine Zugabe zur Sanierung des Vereinsheims der Fußballer des FVL und viele weitere Wohltaten: Die „Karl und Carola Winter Stiftung“ hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 200.000 Euro ausgeschüttet.
Von dem Geld profitieren gemäß der Satzung soziale, kulturelle und kirchliche Einrichtungen sowie gemeinnützige Vereine in Langenargen. Und damit nicht zuletzt die Gemeinde, die wegen der angespannten Haushaltslage immer mehr mit Pflichtaufgaben beschäftigt ist und immer weniger an freiwilligen Leistungen zuschießen kann.

Hatten ein großes Herz für Langenargen: Carola und Karl Winter. Das Foto wurde an Silvester 2008 aufgenommen. (Foto: pr)
Stifter stammen aus Stuttgart
„Die Winter-Stiftung ist ein großer Gewinn für Langenargen, der kaum hoch genug geschätzt werden kann“, betont Erhard Bücheler, Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Die Stifter selbst waren zu Lebzeiten eher unbekannt im Ort. Und auch heute sind ihre Namen nicht allen geläufig.
Das liegt vor allem daran, dass die Eheleute ursprünglich aus Stuttgart stammen. Karl Winter war Sanitär- und Flaschnermeister und führte den von seinem Vater 1925 gegründeten Familienbetrieb „Karl Winter & Sohn“ mitten in der Stadt weiter. „Seine Frau kümmerte sich ums Büro“, erzählt der Vorsitzende.
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Frage der Vermögensnachfolge
Schon früh habe das Paar aufgrund seiner Liebe zum Wassersport eine starke Verbindung zum Bodensee und speziell zu Langenargen verspürt. 1980 verpachteten sie ihren Betrieb in der Landeshauptstadt und zogen in ihr neu gebautes Haus im Krokusweg 5 in Langenargen.
„Karl und Carola Winter lebten relativ zurückgezogen. Sie waren fleißig, sparsam und haben sich ein beachtliches Vermögen erarbeitet“, berichtet Erhard Bücheler. Er führte vor seinem Ruhestand eine Steuerkanzlei im Ort, kannte und beriet das Paar. Nachdem die einzige Tochter früh verstorben war, habe sich die Frage gestellt, was einmal mit dem Nachlass passieren soll.
Zwölf Immobilien, 58 Wohnungen
Das beachtliche Vermögen besteht laut Vorsitzendem aus zwölf Immobilien im Großraum Stuttgart, in Mannheim und Langenargen mit insgesamt 58 Mietwohnungen. Dazu kommen Kapitalanlagen. Der Wunsch des Ehepaares sei gewesen, in Langenargen Gutes zu tun und den Namen Winter dauerhaft zu bewahren: „Da wurde die Idee geboren, eine Stiftung zu gründen.“
Gedacht, getan: 2005 erkannte das Regierungspräsidium die „Karl und Carola Winter Stiftung“ als rechtsfähig an. Karl Winter starb 2014 im Alter von 85 Jahren. Seine Frau Carola wurde 82 Jahre alt, nach ihrem Tod 2019 ging das gesamte Vermögen an die Stiftung über.
Deren Satzung regelt nicht nur, wer finanziell unterstützt werden soll, sondern auch die Organisation. Demnach besteht der Vorstand aus drei Mitgliedern. Aktuell sind das Erhard Bücheler, Anwältin Constanze Fuchs und Architekt Thomas Weiler.

Verwalten die Winter-Stiftung und damit ein Millionenvermächtnis: Stiftungsrat und Geschäftsstellenleiter Josef Benz (links) und Vorstandvorsitzender Erhard Bücheler. (Foto: Tanja Poimer)
Ehrenamtliche Leitung
Im Stiftungsrat als Aufsichtsorgan des Vorstands sitzen derzeit folgende sechs Vertreter: Bürgermeister Ole Münder, die Gemeinderäte Albert Dillmann (Freie Wählervereinigung) und Rainer Terwart (CDU), alle drei qua Amtes, sowie Rechtsanwältin Barbara Dehus als frühere Betreuerin der Eheleute Winter. Für den sozialen Bereich ist Josef Benz, ehemaliger Kämmerer der Gemeinde und Geschäftsführer der Sozialstation, dabei und für den kulturellen Bereich Andrea Grözinger, Musikschullehrerin und Leiterin des evangelischen Kirchenchores.
Der Vorstand vertritt die Stiftung nach außen, führt die Geschäfte und legt dem Stiftungsrat Vorschläge zur Verwendung der Erträge vor. Der Rat unterstützt und überwacht den Vorstand und entscheidet über die Förderung. Alle Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich. Vereine und Organisationen können auch selbst Anträge auf Förderung stellen.
Hohe Kosten für Unterhalt
So viel zum Formalen. Das Geld, das die Winter-Stiftung vergibt, stammt hauptsächlich aus Mieteneinnahmen. „Diesen Erträgen stehen jedoch nicht unerhebliche Betriebs- und Unterhaltungskosten für die Immobilien gegenüber. Insbesondere die energetischen Sanierungen der Immobilien sind eine Herausforderung“, stellt Erhard Bücheler fest.
Wie vielfältig die Aufgaben sind, zeige ein Beispiel: „Die Stiftung besitzt in Langenargen ein Haus, das an die Gemeinde zur Unterbringung von Asylbewerbern vermietet ist. Das Objekt beschäftigt uns bautechnisch sehr.“
Der Dank des Vorsitzenden gilt all seinen Mitstreitern. Besonders hebt er Architekt Thomas Weiler hervor, dem kein Weg zu weit sei, um den Zustand der Immobilien zu kontrollieren oder notwendige Arbeiten zu koordinieren.

Große Wohltäterin: Carola Winter (rechts) ermöglichte bereits zu Lebzeiten, dass engagierte Bürger bedacht werden. Hier bei der Vergabe des Ehrenamtspreises im Rahmen des Bürgerempfangs. (Foto: Andy Heinrich/Archiv)
Vereine nutzen ehemaliges Wohnhaus
Zentrum der Stiftung ist das ehemalige Wohnhaus im Langenargener Krokusweg. Das Gebäude stand nach dem Tod Carola Winters zunächst leer, wurde dann umgebaut. Mit dem Ziel, das Haus in seiner Substanz zu erhalten, zu sanieren und gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung zu stellen.
Nach dem Umbau befindet sich im Obergeschoss die Geschäftsstelle der Stiftung, die Josef Benz leitet. Das ehemalige große Wohnzimmer wurde zu einem Tagungsraum umgestaltet, mit WLAN, großem Bildschirm und allem, was dazu gehört. Der Raum steht Vereinen, sozialen, kulturellen Einrichtungen und den Gemeinderatsfraktionen unentgeltlich zur Verfügung und wurde von Mai bis Dezember 2025 bereits 30-mal belegt, wie Erhard Bücheler erzählt.

Digitales Zugangskonzept: Im Internet können sich Vereine den gewünschten Nutzungstermin für den Tagungsraum im Haus Winter buchen und kommen ohne Schlüssel ins Haus.Josef Benz (links) und der frühere Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Joachim Zodel, demonstrieren, wie es geht. (Foto: Angela Schneider/Archiv)
Die Nachbarschaftshilfe der katholischen Sozialstation nutzt das „Café Winter“ seit Januar jeden Mittwochnachmittag für eine Gruppe demenziell erkrankter Menschen. Der große Keller bietet Vereinen außerdem Platz, um beispielsweise Akten zu lagern. Die Grundstücks- und Verwaltungskosten für die Nutzung würden sich auf 30.000 Euro belaufen und seien ebenfalls als Zuwendung zu verstehen, rechnet der Vorsitzende vor.
Drei weitere Stiftungen
„Eine Stiftung ist auf Ewigkeit ausgelegt. Entscheidend für uns ist, die Namen Karl und Carola Winter, das Stiftungsvermögen und den Willen der Stifter zu bewahren.“ Die Erträge seien primär zum Erhalt des Vermögens bestimmt, die verbleibenden Überschüsse sollen dauerhaft gemeinnützigen Einrichtungen zugutekommen.
Dies sei bisher gut gelungen, ist Stiftungsvorsitzender Bücheler überzeugt: „Die Winter-Stiftung kann einiges bewirken.“ Und nicht nur sie. Vor dem Hintergrund, dass in der Gemeinde überdies die „Stiftung zum Heiligen Geist“, die „Franz-Josef-Krayer-“ und die „Bürgerstiftung“ angesiedelt sind, könne Langenargen bei der Umsetzung sozialer, kultureller und gemeinnütziger Projekte auf eine breite Unterstützung zählen.
Karl-Winter-Straße wünschenswert
Was die Zukunft angeht, müssten unter anderem die Anlagen der liquiden Mittel optimiert werden. Darüber müsse nach der Stiftungsrechtsreform 2023 die Satzung angepasst werden. Zentrale Neuerungen seien klare Regelungen zur Vermögensverwaltung und zur Haftung der Organe.
Aber auch die Stifter gelte es weiterhin in Erinnerung zu behalten. Auf welche Art wüsste Erhard Bücheler schon: „Karl Winter hat sich gewünscht, dass einmal eine Straße in Langenargen nach ihm benannt wird.“