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Der Stürmer wechselt zu seinem Herzensverein Eintracht Frankfurt. Younes Ebnoutalib lehnte dafür ein konkretes Angebot aus Wolfsburg ab.

Frankfurt – Die Sache mit dem VfL Wolfsburg war also doch ziemlich konkret, „sehr, sehr ernst“, wie Younes Ebnoutalib am Montag in Frankfurt freimütig erzählte. Ex-Eintracht-Mitarbeiter Pirmin Schwegler wollte den 22 Jahre alten Stürmer demnach in seiner neuen Funktion als VfL-Sportdirektor mit aller Macht an den Mittellandkanal lotsen und scherte sich nicht um das Gentlemen’s Agreement, wonach man keine Insiderinformationen seines alten Arbeitgebers im neuen Job gewinnbringend einsetzt.

fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Pressekonferenz Younes EbnoutalibEinmal Adler, immer Adler: Younes Ebnoutalib in den Farben seines Herzensvereins. © Jan Huebner

Younes Ebnoutalib aber ist gebürtiger Frankfurter, in der Nordweststadt sozialisiert, und als die Eintracht, seine Jugendliebe, „dann richtig kam, da wusste ich, dass ich halt hierhinwill“. Und nirgendwo anders. Younes Ebnoutalib ist zurück in seinem Revier, in seiner Hood, wie es heutzutage heißt, und wer den jungen Mann auf dem Podium im Proficamp der Eintracht in die Augen blickte, der sah diese nicht nur blitzen, sondern sie funkeln und leuchten wie Sterne am Firmament.

Eintracht-Neuzugang Ebnoutalib kehrt zurück zu seinen Wurzeln

Da geht für einen ein Kindheitstraum in Erfüllung, ohne Wenn und Aber, mehr geht einfach nicht für den sympathischen Mann aus dem Norden Frankfurts. „Es ist eine Ehre für mich, für meine Stadt zu spielen. Es ist ein Traum. Ich bin sehr stolz auf mich“, sagt der Mittelstürmer. Genauso wie es seine Familie ist und alle um ihn herum. Als er sonst nach dem Training nach Hause kam, in Italien in Perugia, in Gießen oder in Elversberg, „da war ich alleine“, sagt er.

„Jetzt ist meine ganze Familie da.“ Und in deren Schoß möchte er bleiben, die Ebnoutalibs suchen nun nach einer größeren Bleibe für alle. Natürlich in Frankfurt. Vater Faissal, eine Taekwondo-Ikone, hat den Sohn geprägt. Und auch die Liebe zur Kampfkunst, die sich zudem positiv auf die Beweglichkeit auswirkt. „Bis heute habe ich keine muskulären Beschwerden.“

Die teuersten Neuzugänge in Eintracht Frankfurts VereinsgeschichteJonathan Burkardt (l.) Luka Jovic und Elye Wahi (r.) gehören zu den teuersten Neuzugängen von Eintracht Frankfurt. Fotostrecke ansehen

Die Geschichte des großen Younes, 1,91 Meter lang, klingt ein wenig kitschig, fast schon schmalzig, aber sie ist wahr. Frankfurt bedeutet für den Straßenkicker die Welt, neben Superstar Ronaldo zählt er Aymen Barkok zu seinen Vorbildern, den letzten Eintracht-Jugendspieler, der es zu den Profis schaffte. „Er war eine inspirierende Person für mich, zu ihm habe ich hochgeschaut.“

Barkok, ebenfalls Deutsch-Marokkaner wie Ebnoutalib, ist auch in der Nordweststadt, der Nordi, aufgewachsen, hat seine Technik geschärft in den Käfigen auf Beton oder brettharten Gummibelegen. Heute ist der einstige Wunderknabe vereinslos, mit dem jüngeren Younes hält er noch Kontakt. „Aymen hat eine ähnliche Vergangenheit wie ich.“

Ebnoutalib hat sich durchgeboxt zu seinem Herzensverein, er hat sich nicht unterkriegen lassen, „niemals aufgeben“ ist so etwas wie sein Lebensmotto. Auf der Vorstellungs-PK wiederholte er es mantraartig. Gerade die schwierige Zeit in Italien habe ihn reifen lassen, weil es fußballerisch so gar nicht nach seinen Vorstellungen lief.

Der Stürmer hat große Ziele

„Ich bin zu einem stärkeren Charakter geworden. Wenn ich das nicht durchgemacht hätte, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Du musst immer dranbleiben, alles rausholen.“ Hört sich nach Floskeln an, Ebnoutalib lebt aber danach. Die ersten Tage in seiner alten, aber doch gänzlich neuen Umgebung hat er in vollen Zügen genossen.

Viel könne er zu den Unterschieden noch nicht sagen, aber schon nach drei Tagen habe er gemerkt, dass die „Spieler aggressiver und körperlich stärker sind“. So wird es auch am Freitag sein im ersten Spiel mit dem Adler auf der Brust, gegen Borussia Dortmund. Die Bundesliga generell nötigt ihm Respekt ab: „Krass, was da für Namen rumlaufen, Weltstars.“ Und Younes Ebnoutalib mittendrin in seinem ganz persönlichen Traumland.