Viele Städte haben sich ambitionierte Klimaneutralitätsziele gesetzt, oft mit dem Plan, bis 2030 oder 2035 nachhaltiger zu werden. Dafür wurden Strategien und Konzepte entwickelt, politische Beschlüsse gefasst – doch in der Umsetzung von konkreten Projekten der nachhaltigen Stadtentwicklung kommt es häufig zu Verzögerungen. Ein zentraler Konflikt, der dabei immer wieder auftaucht, ist der zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitszielen: So kann beispielsweise der dringende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum im Widerspruch zu Flächen-, Klima- und Ressourcenschutz-Maßnahmen stehen.
Im Rahmen des Projekts Triple I haben Anja Bierwirth, Fiona Bunge, Tim Dünnwald und Jan Wortmann aus der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut ihre Erfahrungen aus zahlreichen Projekten und Kontexten zusammengetragen. Im Wuppertal Report „Triple I: Drei Integrationsherausforderungen auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt von morgen“ stellen sie ihre Erkenntnisse vor. Sie bieten praxisorientierte Anregungen, wie durch optimierte Prozesse und notwendige Strukturen die nachhaltige Stadtentwicklung auf allen Ebenen effizienter und erfolgreicher gestaltet werden kann. Aus der langjährigen Arbeit mit Kommunen und inter- sowie transdisziplinären Projekten auf verschiedenen politischen Ebenen lassen sich drei wesentliche Herausforderungen erkennen, die die nachhaltige Entwicklung auf kommunaler Ebene hemmen:
- Vertikale Integration der Nachhaltigkeitsziele: Kommunen sind in übergeordnete Rahmenbedingungen eingebettet, die von der Landes- bis zur EU-Ebene reichen. Regulatorische, strategische und finanzielle Vorgaben beeinflussen die kommunale Gestaltung und können die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen erschweren. Die Forschenden sehen hier den klaren Bedarf nach einer besseren vertikalen Integration, die den Kommunen mehr Handlungsspielraum für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsprozesse ermöglicht.
- Horizontale Integration innerhalb der Kommunen: Auf kommunaler Ebene ist es eine zentrale Herausforderung, Nachhaltigkeitsaspekte in die vielfältigen Zuständigkeiten und Entscheidungsprozesse zu integrieren. Aktuelle Verwaltungsstrukturen und -prozesse sowie die Vielzahl an unterschiedlichen Verantwortlichkeiten führen häufig zu Verzögerungen oder gar zu Blockaden in der Umsetzung, besonders wenn Konflikte zwischen verschiedenen Bereichen, wie etwa bei Haushaltsfragen, entstehen.
- Sektorale Integration zur Nutzung von Synergien: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sektorale Integration, bei der es darum geht, Synergien zwischen den verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit – etwa Klima-, Ressourcenschutz und soziale Gerechtigkeit – zu erkennen und zu nutzen. Daher sollten Zielkonflikte durch sinnvolle Kompromisse aufgelöst werden, um eine ganzheitliche, zukunftsfähige Stadtentwicklung zu ermöglichen.
Daher liegt die Lösung nach Ansicht der Forschenden in einer besseren Integration der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit – sowohl vertikal, horizontal als auch sektoral.
Der Wuppertal Report „Triple I: Drei Integrationsherausforderungen auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt von morgen“ ist auf dem Publikationsserver im nachfolgenden Link kostenfrei verfügbar.