„Ich werde noch ein richtiger Ossi“, scherzt Dynamo-Neuzugang Jason Ceka (26) nach seiner Rückkehr an die Elbe – nur ein Stück weiter flussaufwärts nach seiner Zeit beim Erzrivalen 1. FC Magdeburg. Dort war er erst gefeiert und wurde später wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen…

Ceka bilanziert: „Die ersten Jahre in Magdeburg waren sehr schön, mit dem Aufstieg, sehr viel Spielzeit und Toren. Da willst du dich immer wieder an dieser Leistung messen lassen. Ich will daran nochmal anknüpfen.“

Das Ende dagegen war unrühmlich. Otmar Schork (68) statuierte am Deutsch-Albaner ein Exempel für seine Sturheit, die seitdem in der Branche gefürchtet ist.

Otmar Schork hatte am Ende nicht gerade ein gutes Verhältnis mit Jason Ceka.

Otmar Schork hatte am Ende nicht gerade ein gutes Verhältnis mit Jason Ceka.

Foto: Ronny Hartmann

Während Ceka sein viertes und letztes Vertragsjahr beim FCM trotz des Angebots aus Elversberg absitzen musste, verlor Magdeburg viel Geld, verpasste eine Ablöse und zahlte sein Gehalt quasi ohne Gegenleistung. Denn sportlich gab es keine offensichtlichen Gründe, den Transfer zu blockieren. Eigentlich eine Lose-Lose-Situation. Doch Schork wollte zeigen, dass er nicht nachgibt.

Nach seiner Leihe jetzt nach Dresden spricht Ceka erstmals offen darüber. „Wenn du als Fußballer weißt, du bist – warum auch immer – abgeschrieben, ist es hart. Du trainierst dennoch mit, willst spielen, aber kannst machen, was du willst, und es wird nichts mehr passieren. Also musst du mental sehr stark sein“, sagt er.

„Keine einfache Zeit“

„Man braucht Unterstützung von Familie und Freunden. Das ist keine einfache Zeit. Im Sommer hatte ich schon mit Elversberg gesprochen, im Januar unterschrieben, im Juli war ich dort. So hatte ich zum Glück ein Ziel vor Augen, konnte darauf hinarbeiten.“

Der 1,69 Meter große Zauberzwerg beißt sich auf die Lippen, nicht noch deutlicher zu werden. Ceka: „Es sind auch zwei, drei Sachen hinter den Kulissen passiert, über die ich nicht reden will. Unfair, naja. Fußball ist ein Tagesgeschäft. Da kann man im Nachhinein sagen, der oder der ist schuld. Aber das ist Vergangenheit und interessiert mich gar nicht mehr. Da fließt jetzt auch kein böses Blut mehr.“

Jason Ceka soll mit Zauberpässen und Dribblings die Dynamo-Offensive unberechenbarer machen.

Jason Ceka soll mit Zauberpässen und Dribblings die Dynamo-Offensive unberechenbarer machen.

Foto: Ronny Hartmann

Dass der Ost-Kracher beim 1. FC Magdeburg am zweiten Rückrundenspieltag besondere Vorzeichen hat, dafür muss man kein Hellseher sein.

Warum aber klappte es für Ceka auch in Elversberg nicht? „Bei meiner Unterschrift war Horst Steffen noch da. Von daher kam es alles etwas unerwartet, dass mit Vincent Wagner ein neuer Trainer übernahm und andere Vorstellungen hatte, sich auch erstmal einfinden musste“, erklärt er. „Dann hat er vielleicht die Jungs, die schon länger dort waren, etwas mehr spielen lassen. Aufgrund des guten Starts gab es keine Gründe zu wechseln.“

Neustart oder Karriereknick?

Im Türkei-Camp mit Dynamo Dresden hinterließ Ceka bisher einen guten Eindruck. Der Dribbelkönig, der lieber rechts oder zentraler statt links agiert, zeigte seine kreativen Ansätze im Training. Funktioniert der Neustart nochmal in der 2. Liga oder gibt’s den endgültigen Karriere-Knick? Das nächste Halbjahr dürfte entscheiden.

„Ja, vielleicht schon. Jedes Jahr ist aber wichtig. Ich setze mich aber nicht unter Druck“, will Ceka seine Lockerheit bewahren. Eine Gemeinsamkeit von Dynamo und dem FCM hat der Standardspezialist bereits ausgemacht. Beide Städte sind gleich fußballverrückt. Anders als bei den vielen Erstligisten im Westen werde man im Osten schon als Zweitliga-Profi gleich erkannt.

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„Ich find’s schön, wenn ich im Restaurant angesprochen werde. Wenn jemand ein Bild will, kriegt er auch eins, dann redet man auch kurz. Als Kind habe ich mir auch immer gewünscht, wenn ich einen Profi sehe, dass er sich die Zeit nimmt. Das stört mich nicht.“

Samstag (12 Uhr deutscher Zeit, live bei DynamoTV) trifft er im zweiten Test auf seinen Jugendverein Rot-Weiß Essen. Jason Ceka freut sich: „Wenn ich in der Heimat bin, gehe ich auch gern ins Stadion. Ich bin Essener, auch irgendwo RWE-Fan. Weil meine ganze Familie dafür brennt.“ Weniger begeistert ist er von der Rückreise, denn er hat Flugangst…