Der Ukrainekrieg fördert die technische Innovation: Drohnen werden mit Schrotflinten ausgestattet oder von Mutterdrohnen aus gestartet und hängen zur Abwehr elektronischer Störmaßnahmen an langen Glasfaserkabeln. Offenbar haben manche Drohnen inzwischen sogar Abfangraketen an Bord – zusätzlich zu den Sprengköpfen für ihre Kamikazeangriffe.

Die ukrainischen Drohnenstreitkräfte melden auf Telegram, Anfang Januar erstmals eine russische Drohne mit tragbarem Flugabwehrraketensystem abgefangen zu haben. Die Drohne sei mit Funkmodem und einer Kamera ausgestattet, der Flugkörper und die Raketen können also von Piloten ferngesteuert werden.

Die Rede ist von einer „Bedrohung für die Luftfahrt der Ukraine“ und einer „neuen Waffe des Feindes“. Diese soll nun untersucht werden, denn allzu viel ist zu der neuen russischen Raketen-Drohne noch nicht bekannt. Es gibt aber eine Theorie.

Die wichtigste Frage lautet: Wozu braucht eine Angriffsdrohne, billig und in hoher Zahl für den Kamikazeeinsatz gefertigt, eine Flugabwehrrakete auf ihrem Rücken? Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) verweist auf einen ukrainischen Experten für elektronische Kriegsführung namens Serhiy „Flash“ Beskrestnov. Ihm zufolge könnten vorrangig die ukrainischen Luftstreitkräfte durch die neue Raketen-Drohne bedroht werden.

Die ukrainische Luftwaffe hat nun womöglich ein größeres Drohnenproblem

Wie das? Die Rakete auf der Drohne hat dem ISW zufolge eine Reichweite von ungefähr sechs Kilometern. Das ist nicht besonders weit. Es könnte allerdings reichen, um Helikopter oder Kampfjets zu treffen, „die zum ukrainischen Verteidigungsschirm gehören“. Damit könnte sich ein klassisches Abwehrszenario für die Ukraine künftig komplizierter gestalten.

Wenn Russland seine Drohnenschwärme auf ukrainische Zivilisten loslässt, werden die aufsteigenden ukrainischen Luftstreitkräfte womöglich ihrerseits von Raketen attackiert. So zumindest die Theorie. In der Praxis wird sich herausstellen, wie viele der neuen Raketen-Drohnen Russland in die Schlacht schickt und wie gut sie funktionieren.

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Das US-Institut für Kriegsstudien hat jedenfalls eine Schwachstelle der neuen Drohnen ausgemacht: Die Raketen sind nach vorn ausgerichtet, womit die russischen Flugkörper verwundbar seien für Abfangdrohnen, die sich von hinten nähern.