VfB Stuttgart: Wer spielt? Die neue Konstellation im VfB-Sturm Ermedin Demirovic, Deniz Undav, Jeremy Arevalo und Jovan Milosevic (von links oben im Uhrzeigersinn) bilden derzeit das Stuttgarter Sturm-Quartett. Foto: Baumann (3), imago/steinsiek.ch (1)

Der personelle Engpass im Stuttgarter Angriff ist vorerst passé. Ein Spieler steht dennoch besonders im Fokus – und aus dem Quartett könnte noch ein Trio werden.

Wer Deniz Undav im Testspiel gegen den FC Luzern beobachtet, stellt schon nach wenigen Minuten fest: Der Stürmer des VfB Stuttgart ist auch im neuen Jahr der alte – und seine Spielfreude unverändert groß. Der 29-Jährige fordert und verteilt die Bälle, leitet Angriffe ein, ist fast immer mittendrin im Geschehen. Dieser Befund gilt eigentlich schon seit Monaten: Gegen Ende des vergangenen Jahres avancierte Undav zum Dauerspieler im Stuttgarter Angriff und stand ab Ende Oktober bis auf eine Ausnahme beim HSV in jedem Pflichtspiel in der Startelf, was mit Blick auf seine sechswöchige Verletzungspause zu Saisonbeginn einen Start von 0 auf 100 markierte. Jetzt, vor dem ersten Bundesliga-Spiel des Jahres am Samstag (18.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen, ist die personelle Situation im Stuttgarter Angriff eine grundlegend andere. Und um einiges entspannter.

Aus einem Stürmer wurden auf einen Schlag vier – auf unterschiedlichsten Wegen. Ermedin Demirovic (28) ist nach seiner dreimonatigen Zwangspause wegen einer beginnenden Mittelfuß-Fraktur wieder einsatzfähig, Jeremy Arevalo (20) stieß vom spanischen Zweitligisten Racing Santander zum VfB, Jovan Milosevic (20) kehrte nach dem Ende seiner Leihe von Partizan Belgrad zurück. Aber: Gleichmäßig dürfte sich die Spielzeit vorerst nicht verteilen. Die Angreifer sind in ihrer Entwicklung unterschiedlich weit, mit Undav in der Pole Position. „Er war sehr agil und an sehr vielen Angriffen beteiligt“, lobte auch Trainer Sebastian Hoeneß nach dem 3:2 gegen die Luzerner: „Er ist gut drauf.“ Alles andere als ein Startelf-Einsatz am Wochenende wäre eine Überraschung.

Drei Monate Zwangspause für Ermedin Demirovic

Dahinter haben die anderen Stürmer noch Schritte zu gehen. Arevalo befindet sich mitten in der Eingewöhnungsphase, von der Sprache bis zum Spielsystem ist vieles neu für den Ecuadorianer. Das zeigte sich auch im jüngsten Test, in dem der 20-Jährige kaum auffiel und wenige Aktionen hatte. „Er war noch nicht so eingebunden“, befand auch Hoeneß. Das sei aber ganz normal: „Er hatte zwei Trainingseinheiten und noch nicht so viele Ballaktionen.“

Anders sah es bei Demirovic aus, der zur Halbzeit für Arevalo ins Spiel kam und viel Präsenz ausstrahlte, allerdings noch nicht zu gefährlichen Abschlüssen kam. „Er wirkt körperlich gut, war sehr aktiv und da, wo es gefährlich wird“, so der Stuttgarter Trainer, der zugleich mit Blick auf die lange Auszeit seit Anfang Oktober betont: „Er muss aber auch die Zeit bekommen, herangeführt zu werden.“

Sebastian Hoeneß hat im Sturm wieder mehr Optionen als noch zu Jahresende. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Dass Demirovic dennoch schnell zu Einsätzen kommen dürfte, liegt auch an seinem Profil. Hoeneß sieht ihn als Stoßstürmer, die anderen drei dagegen auch mit Qualitäten als hängende Spitzen. Für Undav gilt das sowieso mit seinem Spielwitz und dem häufigen Auftauchen in verschiedenen Räumen, aber auch für die anderen beiden. Arevalo ist dem VfB-Coach zufolge „nicht der klassische Mittelstürmer. Er ist in der Lage, hohe Bälle festzumachen. Er hat einen massigen Körper, kann Gegenspieler weghalten.“ Und Milosevic? „Er hat Qualitäten, sich auch mal fallen zu lassen und den finalen Pass zu spielen.“

Mit dem Quartett sind die Stuttgarter Planungen im Angriff erst einmal abgeschlossen. Zumindest, was die Zugangsseite anbelangt. „Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass wir im Sturm noch etwas unternehmen werden“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zum Winter-Transferfenster, was auch der Trainer so sieht: „Wir sind jetzt quantitativ gut aufgestellt und müssen eher schauen, dass der Kader ein bisschen schlanker wird.“ Das könnte auch für Milosevic gelten, bei dem in diesem Winter eine erneute Leihe denkbar ist.

Nach dem starken Halbjahr in Belgrad steht Spielpraxis weit oben auf der Agenda, um seinen guten Rhythmus nicht zu brechen. Wie viel Einsatzzeit Milosevic als Teil des VfB-Quartetts bekommen würde, ist ungewiss – und für die Stuttgarter U 21 besitzt der junge Serbe als Nicht-EU-Bürger keine Spielberechtigung. „Wir besprechen die Situation und erörtern zusammen die Perspektiven“, sagt Wohlgemuth. Bis Anfang Februar sind noch Transfers möglich, sodass aus dem Quartett noch ein Trio werden könnte. Unabhängig von dieser Personalie steht aber bereits fest: Der VfB wird mit einem breiter aufgestellten Sturm als zuletzt ins neue Jahr starten.