• Die Forderung nach einem Radfahrverbot in den Wallanlagen wird von verschiedenen Seiten seit Jahren erhoben, zwei Petitionen dazu sind aktuell in Bearbeitung.
  • Politik und Bau- sowie Mobilitätsressort lehnten im Herbst ein Radfahrverbot in den Konfliktzonen ab und setzen stattdessen auf gegenseitige Rücksichtnahme.
  • Petitionen für bauliche Maßnahmen und weitere Verbote stocken, betroffene Anwohner beklagen fehlende Kontrollen und mangelnden politischen Willen.

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Radfahrverbote in den Konfliktzonen der Wallanlagen kommen weder für Politik noch Verwaltung infrage. Das war das Ergebnis einer Rundfrage unter den Fraktionen und beim Bau- und Mobilitätsressort im Herbst. Anlass war der sich knubbelnde Verkehr im Bereich des Torhauses, in dem ein neues Café eröffnet hatte. Dieses schlichte Nein ändert aber nichts an Verbotsforderungen, die im Raum stehen. Zwei Petitionen an den Bürgerschaftsausschuss, die das Thema zum Inhalt haben, harren ihrer Bearbeitung.

Für die denkmalgeschützte Parkanlage gelte das Prinzip des Gemeingebrauchs, was das Radfahren zulasse – bei gebotener Rücksichtnahme auf diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind. Darüber herrschte Einigkeit im politischen Raum. Die Polizei vertrat die Position „Rücksicht macht Wege breiter“. Und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Klub (ADFC) bezog Stellung mit Appell an alle, Rad- wie Rollatorfahrer und Fußgänger: „Miteinander ist der beste Weg! Bitte Rücksicht nehmen!“ steht auf den Schildern. Während Anja Schiemann, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, nach kurzer Zeit „bereits eine positive Wirkung“ feststellen konnte, bleibt der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Claas Rohmeyer, skeptisch: „Wir können uns nicht vorstellen, dass dieses Schild hilft.“ Was zunächst den Bereich zwischen Kunsthalle und Bürgermeisterin-Mevissen-Weg an der Torhausbrücke betrifft.

Seit 2019 besteht laut Polizei eine Ausnahme: Durchfahrtverbot an der Contrescarpe, bei der DKV-Seniorenresidenz am Wandrahm, und auch dort gibt es aktuell Probleme. Bewohnerinnen und Bewohner hatten der Behörde seinerzeit über „bedrohliche Erfahrungen mit den Radfahrern“ berichtet. Manfred Aumann hatte im Interesse der 180 Bewohnerinnen und Bewohner gezählt und „auf der 170 Meter langen und drei Meter breiten Strecke“ täglich circa 3000 Radfahrer je Richtung registriert. In einem Schreiben an das Lehrerkollegium des Alten Gymnasiums an der Kleinen Helle baten die Bewohner, auf die Schülerinnen und Schüler einzuwirken, und zitierten die Deputation: Es sei „Radfahrern zum Schutz der Fußgänger zuzumuten, einen kleinen Umweg über die Bürgermeister-Smidt-Straße (mit ampelgeregeltem Überweg) und am Wandrahm zu nehmen“. Eigene Anmerkung der Verfasser: „Man kann das Rad auch schieben.“

Senioren fühlen sich gefährdet

Sechs Jahre später ist von der einstigen Errungenschaft nicht viel übrig: „Ich hab es aufgegeben“, sagt Manfred Aumann, der inzwischen 89 ist. Seine Nachbarin Irmela Albers (80) hat „das Gefühl, dass sich Ordnungsamt und Polizei gar nicht sehen lassen“. Der Weg an der Contrescarpe sei „eine gefährliche Rennstrecke geworden“, auf der sich auch E-Roller-Fahrer „rücksichtslos durchquengeln“. Dass da noch nichts passiert sei, „ist ein Wunder“, meint Irmela Albers.

Inge Stolz, die ebenfalls in der Residenz wohnt, hat im Frühjahr 2025 die gemeinsamen Forderungen nach „baulichen Maßnahmen wie Schranken“ und Piktogrammen, nach Kontrollen und Ahndung in eine Petition gegossen. Im Namen der Umweltsenatorin wurde ihr übermittelt, dass aus Schwellen oder Schranken nichts werden könne – wegen der Barrierefreiheit. Einen Abschluss hat die Sache bislang nicht gefunden. Staatsrat Jan Fries verwies auf eine geplante „Öffentlichkeitskampagne, dass die Nutzung der öffentlichen Grünanlagen durch Fußgänger und Fußgängerinnen bei gegenseitiger Rücksichtnahme zu erfolgen hat“. Im Frühjahr soll diese Kampagne nun vorgestellt werden, das geht aus einem Bericht der Verwaltung hervor, der am Donnerstag in der städtischen Umweltdeputation vorgestellt werden soll.

Konzept schon lange angekündigt

„Wir warten seit zwei Jahren auf das angekündigte Konzept“, sagt Claas Rohmeyer mit Blick auf den Bereich Torhausbrücke und Bischofsnadel. Eine Petition für ein Radfahrverbot in den Wallanlagen von Barbara Brummerloh ist mittlerweile seit rund vier Jahren in Bearbeitung. Sie zweifelt längst „am politischen Willen, diese Dinge auch zu Ende zu bringen“. Unterdessen sind sich viele einig darin, dass eine Verbindung der Premium-Radrouten Rembertistraße und Am Wall der Schlüssel zum Erfolg wäre. Wie und wann das geschieht, ist offenbar offen.

Übrigens existiert schon lange ein zweites Radfahrverbot in den Wallanlagen – „aus der Zeit, in der das Radfahren in den Grünanlagen noch generell verboten war“, teilt das Amt für Straßen und Verkehr mit. Als die Verbindung zwischen Herdentorsteinweg über den Loriotplatz in die Wallanlagen freigegeben wurde, sei die Weiterfahrt in Richtung Bürgermeister-Smidt-Straße bewusst gesperrt geblieben. „Daher steht noch bis heute das Verbotsschild.“

Das Archivbild zeigt: Am Bürgermeisterin-Mevissen-Weg und auf der Torhausbrücke herrscht reger Verkehr. Daran hat sich nichts geändert.

Das Archivbild zeigt: Am Bürgermeisterin-Mevissen-Weg und auf der Torhausbrücke herrscht reger Verkehr. Daran hat sich nichts geändert.

Foto:
Christina Kuhaupt

Welche Argumente führen Politik und Verwaltung gegen ein Radfahrverbot in den Wallanlagen an und welche Alternativmaßnahmen werden vorgeschlagen?

Politik und Verwaltung lehnen ein generelles Radfahrverbot in den Wallanlagen ab, da die Wege als wichtige Verbindung zwischen Universität und Innenstadt dienen und laut Bremischem Naturschutzgesetz der „Gemeingebrauch“ gilt, wonach Radfahren bei Rücksichtnahme erlaubt ist. Stattdessen werden Maßnahmen wie verstärkte Rücksichtnahme-Kampagnen, zusätzliche Schilder und Piktogramme, Trennung von Rad- und Fußverkehr durch Markierungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, temporäre Verbote für Lasten- und E-Räder, bauliche Anpassungen wie Brückenverbreiterung sowie die Verlagerung des Radverkehrs auf Premiumrouten oder Umfahrungen (z. B. Contrescarpe) vorgeschlagen bzw. geprüft. Ziel ist es, Konflikte und Gefahren durch bessere Regelungen und Verkehrslenkung im Sinne aller Nutzer zu reduzieren, ohne das Radfahren pauschal auszuschließen.

Quellen

Wie ist der aktuelle Stand der beiden Petitionen für ein Radfahrverbot in den Wallanlagen und welche Perspektiven sehen die Initiatoren?

Der aktuelle Stand der beiden Petitionen ist, dass die bereits 2022 eingereichte Petition für ein Radfahrverbot in den Wallanlagen von der Bürgerschaft noch nicht endgültig entschieden wurde, jedoch im Ausschuss weiterhin behandelt und im Herbst erneut beraten werden soll; bislang erhielt sie nur wenig Unterstützung aus der Bevölkerung, aber die Initiatorin verweist weiterhin auf steigende Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern. Parallel dazu läuft aktuell (bis 5. Dezember) eine Online-Petition zum Waller Park, in der eine räumliche Trennung von Rad- und Fußwegen gefordert wird, wobei die Initiatoren diese Lösung für praktikabel halten und auf ein stärkeres öffentliches Echo sowie eine notwendige Vor-Ort-Besichtigung durch den Petitionsausschuss setzen. Aus Verwaltung und Politik wird ein generelles Radfahrverbot in beiden Anlagen allerdings nicht befürwortet; stattdessen werden Maßnahmen zur Verbesserung des Miteinanders (z.B. Rücksichtskampagnen, Piktogramme, eventuell temporäre Teilsperrungen) und gegebenenfalls bauliche Anpassungen als wahrscheinlicher eingeschätzt.

Quellen

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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