Nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins meldet sich die mutmaßliche Tätergruppe erneut zu Wort. In einem zweiten Bekennerschreiben weist die „Vulkangruppe“ Spekulationen über ausländische Urheber zurück

In den vergangenen Tagen war über die Urheberschaft des Bekennerschreibens zum Brandanschlag im Berliner Südwesten spekuliert worden. In den sozialen Netzwerken hatten selbsternannte Forensiker sogar eine Beteiligung Russlands ins Spiel gebracht. Als Beleg dienten angeblich auffällige Rechtschreibfehler und Wortneuschöpfungen, die im Deutschen untypisch seien.

Nun melden sich die mutmaßlichen Verfasser selbst erneut zu Wort und reklamieren die Tat ausdrücklich für sich. In einem zweiten Schreiben, das am Dienstag auf einer linken Internetplattform veröffentlicht wurde, weisen sie die Spekulationen über eine mögliche ausländische Urheberschaft zurück. „Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“, heißt es in dem Schreiben. Dass Menschen „hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen“, passe nicht in das Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden, weshalb ein äußerer Feind konstruiert werde.

Die Autoren rechtfertigten erneut ihre Tat. Ihr Handeln habe sich „nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Infrastruktur“ gerichtet, „die tagtäglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstört“. Energieversorgung sei kein neutraler technischer Vorgang, sondern ein politisches Herrschaftsinstrument, so schreiben die Autoren weiter, und: „Wer fossile Großanlagen betreibt, entscheidet sich aktiv für Klimazerstörung, für Kriege um Ressourcen und für soziale Ungleichheit.“

Zugleich weisen die Verfasser eine Verantwortung für das Leid der Betroffenen von sich. Ihnen sei zwar bewusst, dass der Ausfall von Strom für viele eine reale Belastung bedeute – insbesondere für Alte, Kranke, Kinder und „all jene, die ohnehin am Rand dieser Gesellschaft stehen“. Diese Härten seien jedoch nicht zufällig, sondern Ergebnis eines Systems, das kritische Versorgung zentralisiere, profitorientiert organisiere und dadurch bewusst verwundbar mache. Verantwortung dafür trügen nicht die Angreifer, sondern jene, die diese Strukturen seit Jahrzehnten aufrechterhielten.

Auch auf die Motive gehen die Verfasser näher ein und schreiben von „jahrelanger Erfahrung mit leerem Klimadiskurs, symbolischer Politik und einer Energieversorgung, die auf Zerstörung basiert“. Wer nun behaupte, hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigere sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren, heißt es in dem Schreiben weiter.

Wie WELT aus Ermittlerkreisen erfuhr, halten auch die Sicherheitsbehörden eine gesteuerte Aktion aus dem Ausland für unwahrscheinlich. Die Bekennerschreiben werden dort als authentisch eingeschätzt, die Täter im linksextremen Milieu verortet. Am Dienstag hatte zudem der Generalbundesanwalt bekanntgegeben, die Ermittlungen an sich zu ziehen. Es bestehe unter anderem der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.

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